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„Entsetzliche Schmiererei“: Fußgänger entdeckt Hakenkreuz – Polizei nimmt Sache ernst

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Hakenkreuze mitten in Murnau: strafbewehrte Schmiererei an der Ecke Bauhofer-/Schererweg.
Hakenkreuze mitten in Murnau: strafbewehrte Schmiererei an der Ecke Bauhofer-/Schererweg. © privat

Die Murnauer Polizei zeigt sich alarmiert: Im Ortszentrum prangen Hakenkreuz-Schmierereien. Inspektions-Chef Joachim Loy geht nicht von einem Dumme-Jungen-Streich aus, sondern vermutet einen politischen Hintergrund. Das Werdenfelser Bündnis gegen rechts wünscht sich mehr Aufklärung über Antisemitismus.

Murnau – Die Stimmung in vielen deutschen Städten ist aufgeheizt: Die Folgen des Hamas-Terrors gegen Israel lassen sich nicht regional begrenzen. Antisemitismus ist in diesen Tagen international ein großes Thema – und ein noch sensibleres als gewöhnlich. Umso größer ist die Bestürzung darüber, dass in Murnau an einem Standort in bevorzugter Lage, an den ein beliebter Fußweg aus Richtung Pfarrkirche St. Nikolaus und Friedhof führt, zuletzt Hakenkreuze prangten – das Symbol für Ideologie, Gewaltherrschaft und Verbrechen des Nationalsozialismus.

Weilheimer entdeckt Hakenkreuze: „entsetzliche, antisemitische Schmiererei“

Ein Weilheimer (Name der Redaktion bekannt) hatte den Stein ins Rollen gebracht. Als er aktuell mit der Familie in Murnau einen Spaziergang unternahm, stach ihm die „entsetzliche, antisemitische Schmiererei“ ins Auge, die an einem Hundekot-Tütchenspender sowie am dazugehörigen Mülleimer prangte, die an der Ecke Bauhofer-/Schererweg stehen. Der Weilheimer zeigte sich auch angesichts des benachbarten „gesitteten, konservativen Wohngebiets“ überrascht davon, dass dem Anschein nach bislang niemand die aufgemalten Hakenkreuze gemeldet hatte – vielleicht seien diese aber auch erst kurz vor seiner Sichtung angebracht worden, meint er. Der Mann zögerte jedenfalls nicht und machte die Sache umgehend öffentlich, wandte sich dazu unter anderem auch ans Tagblatt. Ihm geht es darum, dass die Zeichen sofort entfernt werden, die für Leid und entsetzliche Verbrechen stehen.

Hakenkreuz-Schmierereien: Polizei-Chef Loy nimmt die Sache „ernst“

Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy nimmt die Angelegenheit „ernst“. Die Art und Weise, wie die Hakenkreuze gemalt sind, lässt ihn zu dem Urteil kommen, dass diese „nicht nach gedankenlosen Schmierereien aussehen“, wie sie vielleicht von unwissenden Kindern oder Jugendlichen angebracht werden. „Das schaut nach einem politischen Statement, nach einem politischen Hintergrund aus.“ Dies stimme ihn „nachdenklich“, betont Loy. Er kündigt an, dass seine Leute tätig werden: Erst sollen mögliche Spuren gesichert werden, bevor man Mitarbeiter des Bauhofs bittet, die Hakenkreuze zu entfernen. Die Polizei ermittelt nun wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen unbekannt.

Sprecher des Werdenfelser Bündnisses gegen rechts: „Kein Jugendstreich, sondern eine Straftat“

Auch Thomas Wagner, Historiker und Sprecher des Werdenfelser Bündnisses gegen rechts, unterstreicht den Ernst der Angelegenheit: „Das Anbringen eines Hakenkreuzes ist kein Jugendstreich, sondern eine Straftat.“ Die „Swastika“ sei durch das antisemitische NS-Regime und den Genozid der Shoa, der „einzigartigen industriellen Ermordung von sechs Millionen Juden“, pervertiert. „Das Hakenkreuz gehört deshalb zu den verfassungsfeindlichen Symbolen.“ Wagner verweist auf Jean Paul Sartre und seine Aussage: „Wenn es keinen Juden gäbe, Antisemiten würden ihn erfinden.“ Antisemitismus, die moderne Form des Judenhasses, basiere auch auf Angst vor der vermeintlichen Übermacht der Juden. In den Augen des Bündnis-Sprechers ist „der Nährboden für diese Ideologie in Murnau auch vorhanden“. Es gebe bei vielen „die abstrakte Angst vor dem Statusverlust“.

Ruf nach schärferer Verfolgung rechtsextremer Straftaten

Wie also reagieren? „Wir wünschen uns eine bessere Unterweisung zum Thema Antisemitismus – auch für die erwachsene Bevölkerung“, sagt Wagner. Notwendig wäre dem Riegseer zufolge islamischer Religionsunterricht unter dem Dach des Kultusministeriums. „Daneben wäre eine schärfere Verfolgung rechtsextremer Straftaten wichtig.“

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Vom Hass auf Israel, den Anhänger der Hamas und ihrer palästinensischen Idee öffentlich zeigen, ist in Murnau nichts zu sehen. „Wir haben hier kein solches Problem, auch nicht in den Asylheimen“, sagt Polizei-Chef Loy.

Schmierereien an Murnauer Realschule sorgen 2021 für Entsetzen

Doch Murnau ist, was Schmierereien angeht, ein gebranntes Kind. Zu Pandemiezeiten, im November 2021, hatten politisch motivierte Graffitis an der Realschule im Blauen Land für Entsetzen gesorgt. „Früher: Juden Heute: Ungeimpfte“ hatte unter anderem an der Fassade geprangt. „Wir sind sehr schockiert“, sagte Direktor Ralf Havelka damals. „Für mich ist das mehr als ein Graffiti. Für mich ist das ein Farb-Anschlag.“ Indem die Täter Parallelen zwischen jüdischen und ungeimpften Menschen zogen, machten sie Impfgegner zu Opfern eines Unrechtsstaats und verharmlosten auf diese Weise die Verbrechen des Holocaust mit der Ermordung von sechs Millionen Juden.

In bayerischer Querdenker-Hochburg: Übelste Schmierereien schockieren - Ort wohl bewusst gewählt

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