Zum Ende der großen Ära Höß

„Nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen“ - FC Pipinsried schließt die Presse aus

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Der große Präsident geht: Ein halbes Jahrhundert lang leitete Konr ad Höß den FC Pipinsried. Seit der Versammlung am Freitagabend ist seine Ära vorbei. Höß’ Nachfolger haben vor dem Treffen ein Presseverbot ausgesprochen. 

Beim FC Pipinsried ist bei der Jahresversammlung die Ära Konrad Höß zu Ende gegangen. Die Dachauer Nachrichten wollten in der Samstagsausgabe das Werk des großen Machers würdigen. Doch die Ereignisse haben sich überschlagen.

Pipinsried – Seit 2004 gab es beim FC Pipinsried keine Jahresversammlung mehr. Wozu auch!? Es war ja stets alles geregelt. Der Höß Conny hat das Sagen, die übrigen Vorstandsmitglieder fungieren als Randfiguren im Fußball-Zirkus Höß – gegründet 1967. Gab’s mal rechtliche Probleme, war Sohn Reinhard zur Stelle und hat sie gelöst; wie 2004, als der Rechtsanwalt den Abstieg des FCP aus der Landesliga verhinderte, weil er die schwammige Abstiegsregelung des Verbandes raffiniert aushebelte. Für Freitagabend beraumte der Verein nach 14 Jahren wieder eine Versammlung an; eine historische, bei der sich der mittlerweile 77 Jahre alte Präsident Konrad Höß nicht mehr zur Wahl stellte.

Wen meint er mit „die“?

Höß betont, dass sein Ausscheiden auf freiwilliger Basis beruht. Die Gründe sind seine angeschlagene Gesundheit und – so komisch das klingen mag – der sportliche Erfolg des FCP-Fußballer, der im Aufstieg in die Regionalliga Bayern gipfelte. Das Tamtam, das der Bayerische Fußballverband mit seinen völlig überzogenen Auflagen für diese Liga machte, zehrte sichtlich an Höß’ Nerven. Aber es gibt noch einen weiteren Anstoß für die Demission des alleinherrschenden Zampanos. „Ich habe gemerkt, dass die mit meinem Führungsstil nicht mehr zurecht kommen“, sagt Höß. Doch wen meint er mit „die“?

Da ist einmal sein Stellvertreter Roland Küspert, der selbst Präsident werden möchte. Dann ist der ehemalige FCP-Spieler Martin Schmidl ins Spiel gebracht worden, der als zweiter Vorsitzender fungieren soll. Und dann ist da noch der so genannte Medienbeauftragte des Vereins, Hubert Fesl. In einer E-Mail an die Dachauer Nachrichten vom Donnerstag schreibt Fesl: „Es wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass Pressevertreter zur Versammlung keinen Zutritt haben und beim Einlass abgewiesen werden.“

“Ich habe sofort Terror gemacht“

Rechtlich ist der Ausschluss der Presse bei Privatveranstaltungen wie dem Jahrestreffen eines eingetragenen Vereins möglich. Schlechter Stil ist es allemal. Das sieht auch Konrad Höß so: „Ich hatte davon keine Ahnung und habe sofort Terror gemacht.“ Noch am Donnerstagabend wies Höß seinen Stellvertreter Küspert an, das Verbot rückgängig zu machen. Das tat Küspert nicht. Seine Erklärung: „Wir haben die Presse nicht ausgeschlossen, wir haben sie nur nicht eingeladen.“ Die Satzung stelle klar, dass nur Mitglieder das Recht an der Teilnahme hätten, die Journaille nicht. Die Presse draußen zu lassen, hielten „die Leute, die in den Startlöchern stehen, für den besseren Weg“, so Küspert gestern vor der Versammlung. 

Er gibt allerdings zu: „Es könnte sein, dass in der Versammlung nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sein wird.“ Einen Vorgeschmack lieferte gestern bereits Konrad Höß. „Wenn die Presse nicht rein darf, werde ich ein Machtwort sprechen und die Versammlung sofort abbrechen“, grantelte der scheidende FCP-Chef.

Konny Höß: Der Mann mit der Mütze geht von Bord

Geht es um die Ausgliederung der Regionalliga-Kicker in eine GmbH?

Nun stellt sich Frage, warum die Leute, die in den Startlöchern stehen, unter sich bleiben wollen? Scheuen sie sich davor, dass Höß mit ihnen abrechnet? Vielleicht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Presse nicht (möglicherweise kritisch) über die geplante Ausgliederung der Regionalligakicker in eine GmbH berichten soll. Reinhard Höß hat zur Ausgliederung eigens einen Entwurf zur Änderung der Satzung ausgearbeitet, die er bei der Jahresversammlung vorstellen soll. Weiter sickerte durch, dass der Abteilungsleiter des SC Oberweikertshofen, Uli Bergmann, als Geschäftsführer der neuen GmbH im Gespräch ist. Und: dass Manager Roman Plesche sowie Spielertrainer Fabian Hürzeler den FCP zum Saisonende verlassen könnten. Beide lockt der Sprung in den Profifußball. In der Versammlung könnten die Pressevertreter Belege für diese Gerüchte erlangen, was die neuen Männer an der Vereinsspitze vermeiden wollen.

Bleibt zu klären, wie es im Leben von Konrad Höß weitergeht. „Ich habe eine Bedingung gestellt: Ich möchte weiter die Anlage pflegen. Dürfte ich das nicht mehr, dann wäre mein Lebenswerk gar.“ 

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