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Kurz nach Einführung von Energie-Euro: Bayerischer Wirt rudert zurück - „Lassen es gleich wieder“

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Von: Gerti Reichl

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Einkehren und vorher einen Euro zahlen? Für die meisten Wirtshäuser, wie hier das Maximilian in Gmund, kein Modell.
Einkehren und vorher einen Euro zahlen? Für die meisten Wirtshäuser, wie hier das Maximilian in Gmund, kein Modell. © Christian Scholle

Kommando zurück: Dass Voitlhof-Wirt Josef Wolfgang Bogner von jedem Gast einen Euro extra verlangt, um die Explosion der Energiekosten abzufedern, ist für den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband rechtlich nicht haltbar.

Rottach-Egern – Viel musste sich Josef Wolfgang Bogner, Wirt des Rottacher Voitl-Hofs, am Dienstag (13. September) anhören, nachdem die Tegernseer Zeitung von seinem ungewöhnlichen Schritt berichtet hatte. Einen Euro extra verlangte das Wirtshaus seit einer Woche von jedem Gast, um die explodierenden Kosten vor allem im Energiebereich auffangen zu können. „Die einen halten das für eine super Idee, die anderen haben mir offen gesagt, dass sie mein Wirthaus und das Café Gäuwagerl meiden werden“, berichtet Bogner über die Reaktionen, die er per E-Mail oder in Anrufen erfuhr.

Wegen hohen Energiekosten: Wirt führt Energie-Euro ein - Zuschlag nicht rechtmäßig

Am späten Dienstagnachmittag meldete sich dann die Rechtsabteilung der DEHOGA und teilte mit, dass sie die Erhebung des Extra-Zuschlags leider nicht für rechtmäßig halte. Bogner müsse die Regelung der Preisangabenverordnung in Paragraph 7 V beachten, wonach die in den Verzeichnissen aufgeführten Preise alle sonstigen Bestandteile einschließen müssen. Es werde also nicht ausbleiben, dass er seine Speisen im einzelnen auf die Energiekosten gesehen neu kalkulieren müsse. Die Erhebung eines Extra-Zuschlags sei leider nicht rechtmäßig.

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„Somit haben wir damit gerade angefangen und lassen es gleich wieder“, sagt Bogner und ruderte noch gestern zurück. „Jeder, der diesen Euro bereits bezahlt hat, bekommt ihn natürlich auf Wunsch wieder erstattet.“

Extra-Euro in der Gastronomie: Kollegen am Tegernsee skeptisch - „Nicht besonders kundenfreundlich“

Die Kollegen rings um den See, sofern sie sich zur Thematik überhaupt äußerten, hielten Bogners Extra-Euro ohnehin nicht für nachahmenswert. „Das wollen wir nicht, und das machen wir nicht“, reagierte Alois Gartenleitner, Wirt vom Gasthof Herzog Maximilian in Gmund. „Selbst wenn ich einen Euro nehmen würde, dann bliebe es ja nicht dabei. Denn auch bei verschiedenen Gerichten wird man an der ein oder anderen Stelle erhöhen müssen, was wir dann, wenn es soweit ist, auch offensiv kundtun werden.“ Eintrittsgeld zu verlangen, findet Gartenleitner, sei „nicht besonders kundenfreundlich.“

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Katharina Hirschmann, die mit ihrem Mann Ulrich das Café Königslinde in Bad Wiessee betreibt, äußerte sich so: „Eins zu eins umlegen können wir die Kosten nie, sonst würde kein Gast mehr kommen.“ Sie werde abwarten, wie sich die Lage entwickelt und hofft am Ende auf das Verständnis der Gäste. Sabrina Rössel vom Seehotel zur Post in Tegernsee hätte das Vorgehen des Voitl-Hofs, das in dieser Form ja total neu gewesen wäre, durchaus nachvollziehen können, „denn auch wir bekommen wöchentlich neue und höhere Preise von unseren Lieferanten.“ Eine Pauschale anstelle von Preiserhöhungen auf alle Gerichte und Getränke sei ein Weg, der Familien entgegenkommen könnte.

DEHOGA-Kreisvorsitzender Hans Vogl war ohnehin skeptisch: „Ich wüsste nicht, wie ich diesen Extra-Euro verbuchen sollte.“ Das Thema sei schwierig, „und streng genommen müsste man dann überall, wo wir hingehen, Eintrittsgeld verlangen.“

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