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Wegen Energiekrise: Ebbe im Holzofen-Lager – „Hätte ich niemals gedacht“

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Von: Felicitas Bogner

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Ob Kachelofen oder Kamin: Ofenbauer Günter Steiner ist komplett ausverkauft. Sogar die Nachfrage nach Herden (rechts), die mit Holz beheizt werden, sei immens. Kochherde sind wieder gefragter
Ob Kachelofen oder Kamin: Ofenbauer Günter Steiner ist komplett ausverkauft. Sogar die Nachfrage nach Herden (rechts), die mit Holz beheizt werden, sei immens. © arndt pröhl

Isarwinkler Ofenbauer werden seit Beginn des Krieges in der Ukraine mit Anfragen überhäuft. Wer einen Holzofen will, der muss lange warten und tief in die Tasche greifen.

Gaißach/Arzbach – Die Preise für Gas und Strom steigen und steigen. Viele Menschen machen sich mit Blick auf die kalten Monate Sorgen, wie sie es finanziell stemmen können, ihre Vier Wände warm zu halten. Die Angst, dass das Gas irgendwann ganz ausbleibt, ist zudem groß. Die angespannte Lage führt zu einem Ansturm auf Holzöfen und Co. Händler und Ofenbauer im Isarwinkel berichten nicht nur von Lieferengpässen, sondern sind restlos ausverkauft.

Günter Steiner ist seit 55 Jahren Ofenbauer in Gaißach. Es gibt nahezu keine Ofenart, die er im vergangenen halben Jahrhundert nicht verbaut hat. Doch jetzt herrscht in seinem Laden gähnende Leere. „Ich hatte Anfang August noch etwa 25 Standardöfen hier, die waren in weniger als zwei Wochen weg.“

Energiekrise: Ansturm auf Holzöfen lässt nicht nach - Gähnende Leere in Laden

Die Nachfrage lasse nicht nach, egal nach welchem Ofenmodell. „Viele Leute haben Panik vor diesem Winter.“ Anfragen bekomme er aktuell aus einem Radius von zirka 80 Kilometer um Tölz herum. Helfen kann Steiner momentan aber nicht. Denn: „Die Lager der Großhändler sind leer. Ich habe es sogar schon in Österreich versucht, aber überall zeichnet sich das gleiche Bild ab. Die Standardöfen sind restlos ausverkauft und auch für Heizgeräte für handwerklich eingebaute Öfen gibt es lange Wartezeiten“, sagt Steiner.

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Johann Sankjohanser, Ofenbauer aus Arzbach, baut ausschließlich handwerkliche Öfen ein. Bei seinem Großhändler herrscht ebenfalls Ebbe im Lager. „Normalerweise füllen die Großhändler ihre Lager im Sommer immer mit Kaminöfen auf, das reicht dann locker bis Weihnachten. Heuer waren offenbar alle innerhalb von zwei Tagen weg“, berichtet der Arzbacher.

Holzöfen: Hersteller erhöhen Preise teilweise um bis zu 40 Prozent

Die momentane Situation habe sich bereits in März abgezeichnet, sagt Steiner. „Als der Krieg in der Ukraine begonnen hat, und dann noch die Probleme mit der Gaspipeline durch die Ostsee kamen, hat der Ansturm volle Fahrt aufgenommen.“ Nun, kurz vor dem Herbst, und auch mit der Gewissheit, dass die Gas- und Strompreise weiter enorm hoch sind, seien nochmal mehr Anfragen reingekommen. Die Leute würden sich eine sichere Heizalternative für zu Hause wünschen. „Aber ich kann nichts machen, außer den Kunden zu sagen, dass sie geduldig sein müssen.“

Energiekrise: Kochherde sind wieder gefragter

Wer jetzt einen Ofen bestellt, muss zirka ein Jahr bis zur Lieferung warten. „Wir bekommen vom Hersteller aber weder Informationen zur Lieferzeit noch zu den exakten Preisen“, sagt Steiner. Manche Ofenhersteller hätten bereits ihre Preise um bis zu 40 Prozent angezogen, berichtet er.

Überdies komme dazu, dass es auch einen Lieferengpass für Ersatzteile gibt. Seit einer Verschärfung des Bundesimmissionsschutzgesetzes zur Abgasreinheit, müssen viele Kachelöfen überarbeitet werden. „Sprich, alle Kachelofeneinsätze, die die Kaminkehrer nun beanstanden müssen, brauchen neue Einsätze. Und auch hier ist es ungewiss, wann diese Einsätze wieder geliefert werden können“, sagt Steiner kopfschüttelnd.

Nach Ofenbestellung lange Wartezeiten - bis zu 12 Monaten

Am ehesten seien aktuell noch Pelletöfen zu bekommen. „Also da ist es auch knapp, aber so einen Ofen bekommt man schneller her als einen anderen“, meint Steiner. „Aber man kann ja auch nicht jeden Ofen überall einsetzen. Da müssen schon die baulichen Voraussetzungen und auch der Schornstein jeweils passen“, gibt der Ofenbauer zu bedenken. Steiner betont, er habe in seiner langen Berufskarriere schon sehr viel erlebt. „Aber dass es mal so eine Marktlage gibt, hätte ich niemals gedacht“, sagt der 80-Jährige.

Sanktjohanser kämpft dagegen bereits seit über zwei Jahren mit langen Lieferzeiten. „Seit Corona gibt es bereits Lieferprobleme.“ Bis zu einem Jahr müsse auch er nach der Bestellung auf Heizgeräte warten. „Auch wenn ich ausschließlich handwerkliche Öfen mache, muss ich beim Großhandel ja das Innenleben, also die Heizeinsätze bestellen – und die gehen nicht schneller her.“ Er bekomme sehr viele Anfragen für einen Ofenbau noch vor dem nahenden Winter.

„Aber da kann ich einfach nicht weiterhelfen“, sagt er. Seit dem Anstieg der Energiepreise merke er, dass die Anfragen spezieller werden. „Viele wollen Kochherde haben, was bis vor Kurzem selten vorgekommen ist.“ Überdies seien Warmwasser-Öfen gefragter. „Das ist quasi wie eine Zentralheizung im Kachelofen“, erklärt der Experte. Generell findet er, dass die Entwicklung der Branche gut tue. „Zuvor ging es bei einem Ofen immer nur um die Optik. Langsam rückt das Eigentliche, also das Heizen, wieder in den Vordergrund.“

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