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Energiepreise explodieren: Eisstadion wird zugesperrt - Rathaus sind die Hände gebunden

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Von: Christof Schnürer

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Das waren noch Zeiten im Eisstadion. Doch in knapp einem Monat herrscht Tauwetter in der Arena.
Das waren noch Zeiten im Eisstadion. Doch in knapp einem Monat herrscht Tauwetter in der Arena. © Josef Hornsteiner

Mit voller Wucht hat die Energiekeule zugeschlagen: Wegen der steigenden Kosten muss das Eisstadion in Mittenwald zugesperrt werden. Den Verantwortlichen im Rathaus sind die Hände gebunden.

Mittenwald – Der Mittenwalder Bürgermeister beschreibt die Situation schonungslos: „Eine beschissene Zeit“, sagt Enrico Corongiu (SPD) – erst Corona, dann die Energiekrise. Jetzt muss der Mann, der in seinem Heimatort eigentlich ein Schwimmbad bauen wollte, mitansehen, wie eine weitere wichtige Einrichtung dicht gemacht wird: das Eisstadion. Am 16. Oktober, also in knapp einem Monat, gehen dort die Lichter aus.

„Nach fast 20 Jahren sehen wir uns leider gezwungen, aufgrund der exorbitant steigenden Energiekosten den Betrieb...einzustellen“, lässt Jutta Mayer, Geschäftsführerin der Arena-Mittenwald-GmbH, in einer Presse-Mitteilung vom Freitag wissen.

Energiekrise: Eisstadion in Mittenwald schließt im Oktober

Seit 2004 stand der Name Mayer für Leben im Eisstadion. Seit diesem Zeitpunkt stellte die Marktgemeinde ihre defizitäre Sportanlage der Familie zur Verfügung und gewährte dieser obendrein einen jährlichen Betriebskostenzuschuss. Heuer waren das 56 000 Euro. Angesichts der aktuellen Entwicklung auf dem Strom- und Energiemarkt ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Doch mehr kann die Kommune nicht zuschießen. Staatliche Hilfsgelder seien gedeckelt und längst ausgeschöpft, verdeutlicht der Rathauschef, der den Arena-Hammer erst noch verdauen muss. „Wir sind in engem Austausch“, versichert Corongiu. „Noch ist nichts schriftlich.“

Die Stellungnahme von Jutta Mayer dagegen schon. Ihr zufolge sei „infolge der Unsicherheiten durch Corona-Auflagen“ die Beschaffung der notwendigen Energie – zirka 350 000 Kilowattstunden Erdgas und 220 000 Kilowattstunden Strom – „nur mehr kurzfristig“ erfolgt.

Steigende Energiekosten: Eisstadion schließt - „Tut uns sehr leid für die vielen Kinder und Aktiven“

Unabhängig von der weltpolitischen Lage entschlossen sich die Verantwortlichen der Arena-GmbH Mitte Juli dennoch zum ersten Eis. Eine Entscheidung, die sie schon bald bereuen sollten. „Durch die Preisexplosion stiegen die Energiekosten für den Monat August 2022 um 266 Prozent auf 32 000 Euro“, heißt es in der Presse-Mitteilung der Mayers.

Was für sie mindestens genauso katastrophal ist: „Auch die Prognose für das restliche Jahr 2022 sowie die Termin-Preise für das Jahr 2023 lassen keinen wirtschaftlichen Betrieb zu.“ Ebenso steht für Jutta Mayer und ihr Team fest: „Eine annähernde Verdreifachung des Eispreises ist keine Option.“

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Mit anderen Worten: In exakt 29 Tagen verlieren Eissternchen, Eishockeyspieler und Eisstockschützen in Mittenwald ihre sportliche Heimat – Zukunft mehr denn je ungewiss. Zu der verfahrenen Situation will sich wohlweislich auch Gemeindewerkschef Matthias Pöll nicht äußern. „Kein Kommentar.“ Angesichts der entfesselten Energiepreise weiß er nur allzu gut, dass es momentan nicht die Zeit ist für Wasserstandsmeldungen oder voreilige Versprechen.

Jutta Mayer ist völlig bewusst, dass ihre Entscheidung aus wirtschaftlicher Sicht alternativlos ist, dennoch bedauert sie diesen Schritt zutiefst. „Mit viel Herzblut haben wir versucht, den Sportlerinnen und Sportlern eine Heimat zu bieten“, lauten die finalen Zeilen ihres Schreibens. „Es tut uns sehr leid für die vielen Kinder und Aktiven.“

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