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Steigende Preise und Personalmangel: Eis wird Luxus-Leckerei - „Langsam wird‘s eng“

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Von: Peter Loder

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Antonio di Gorga hat erst kürzlich die Kunst des Eismachens in Italien erlernt und besitzt nun ein eigenes Eislabor in Fürstenfeldbruck (links). Je nach Wetter produziert er dort täglich 30 Sorten.
Antonio di Gorga hat erst kürzlich die Kunst des Eismachens in Italien erlernt und besitzt nun ein eigenes Eislabor in Fürstenfeldbruck (links). Je nach Wetter produziert er dort täglich 30 Sorten. © Peter Weber

Bei den Sommer-Temperaturen müssten Schleckermäuler die Eisdielen stürmen. Doch aktuelle Entwicklungen bremsen die Freude. Ein Wirt lässt sich davon nicht aufhalten.

Landkreis – Inflation und Energiekrise haben auch Eisdielen-Besitzer kalt erwischt. Kunden bleiben aus oder leisten sich aus Rücksicht auf ihren Geldbeutel oft nicht mehr den großen Eisbecher, sondern eher die kleine Waffel. „Dabei kommt das dicke Ende noch.“ Das befürchtet zumindest Angela Lorenzo. Sie führt mit ihrem Gatten Roberto die nach ihm benannte Germeringer Eisdiele.

Angela Lorenzo spricht von der nächsten Stromrechnung mit gestiegenen Tarifen, die ins Haus flattern wird. Denn gerade die Eismacher sind besonders von Elektrizität abhängig. Ohne diese können sie ihre Waren weder produzieren noch verkaufen. Um 20 Cent hat Roberto deshalb schon im Frühjahr den Preis pro Kugel erhöhen müssen. 1,60 Euro kostet sie jetzt.

Steigende Preise: Kunden geben weniger Geld aus - auch beim Eis

Dabei wird beim Wareneinkauf schon auf jeden Cent geschaut. „Die Preiserhöhungen bei Milch und Sahne, unseren wichtigsten Zutaten, waren zuletzt so extrem, dass wir uns neue Lieferanten suchen mussten. Als nächstes wird der Zucker wohl noch teurer“, erklärt Angela Lorenzo. Ein Teufelskreis, der das Eis noch teurer machen könnte.

Seit 22 Jahren ist Roberto in Germering, seit 40 Jahren macht er Eis, so eine Krise habe er aber noch nie erlebt. „Langsam wird’s eng“, sagt seine Ehefrau. „Die Kunden haben zwar Verständnis für höhere Preise, aber wir merken, dass vor allem Familien nicht mehr so regelmäßig kommen wie noch vor einem Jahr“, so Angela Lorenzo.

Eisdiele leidet unter Preiserhöhungen: „Leute kommen zwar, bestellen aber deutlich weniger“

Auch Slavica Vidakouviz sieht der Zukunft mit bangen Blicken entgegen: Sie betreibt seit vier Jahren mit ihrem Mann Enilko im Brucker Westen das „Da Neli“. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, gesteht sie.

„Die Leute kommen zwar, bestellen aber deutlich weniger. Kommen Familien, gibt’s für die Kinder statt wie früher drei jetzt nur noch zwei Kugeln“, so Slavica Vidakouviz weiter. Neue Hoffnung hat das Eis-Paar geschöpft, seit es in diesem Sommer am Pucher Meer mit einem kleinen To-go-Wagen vertreten ist. Dort gibt es zwar nur sechs Sorten – im Laden an der Heimstättenstraße sind es bis zu 28 – doch die Nachfrage der Badegäste ist groß. Von 12 bis 21 Uhr sind sie je nach Witterung am Badesee vertreten. Auch im „Da Neli“ wurden die Preise erhöht, um zehn Cent auf jetzt 1,50 Euro.

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In Germering plagen derweil Roberto und Angela Lorenzo auch Personalsorgen. Weil wie in der gesamten Gastro-Branche Mitarbeiter fehlen, ist die Eisdiele ohne Sitzplätze an der Otto-Wagner-Straße täglich nur noch vier Stunden geöffnet. Hilfe aus der italienischen Heimat, wo die Eisproduktion ihre Wurzeln hat, ist auch nicht zu erwarten. Denn dort gebe es vom Staat „so eine Art“ Kurzarbeitergeld in Höhe von 900 Euro. „Das reicht, um daheim zu bleiben und auf einen achtmonatigen Saisonjob auf 450-Euro-Basis in Deutschland zu verzichten.“

Personalmangel: Eisdiele nur noch vier Stunden täglich geöffnet

Und trotzdem gibt es immer wieder Wirte, die mit Eis ihr Glück versuchen. Wie der in Bruck als Pizzabäcker bekannt gewordene Antonio di Gorga. Während er in seinem „Brunello“ im Brunnenhof weiterhin Pasta und Vino aus dem Weinkeller von Schlagerstar Al Bano serviert, hat er nun noch ein zweites Standbein.

Sein vor zwei Jahren eröffnetes „Caffe Roma“ an der Schöngeisinger Straße hat er zu einer Eisdiele ausgebaut. Neuerdings stellt er seine Sorten gleich nebenan in einem ehemaligen Laden an der Ledererstraße selbst her.

Francesca di Gorga präsentiert den Championsbecher. Ihr Ehemann Antonio di Gorga hat ihn extra für die bevorstehende Europameisterschaft der Radprofis in Bruck kreiert.
Francesca di Gorga präsentiert den Championsbecher. Ihr Ehemann Antonio di Gorga hat ihn extra für die bevorstehende Europameisterschaft der Radprofis in Bruck kreiert. © Peter Weber

Um in die Geheimnisse des Eismachens eingeführt zu werden, hat Di Gorga zwei Jahre lang Schulungen in Italien absolviert und produziert nun je nach Wetterlage täglich bis zu 30 Sorten. Die in seinem Eislabor an die Wand gehefteten Rezepte sind streng geheim. Deshalb ist der Raum eine Tabuzone.

Die Zutaten für seinen Champion-Becher, den er für die bevorstehende Europameisterschaft der Radprofis in Bruck kreiert hat, verrät er nur vage: „Früchte, Waldbeerensoße und Sahne.“ Noch strikter schweigen sein Germeringer Kollege Roberto und dessen Ehefrau: „In jedem Arbeitsvertrag wird eine Geheimhaltungspflicht geschrieben. Und in unserem Eis-Labor herrscht strengstes Handyverbot.“ Kein Detail über die Zusammensetzung der kalten Leckerei soll nach außen dringen.

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