Entmietung in Wildwest-Manier

Olching - Zur Selbstjustiz der krassen Art griff der Schwiegersohn einer Vermieterin in Olching: Aus Ärger über angeblich ausstehende Zahlungen warf er den Hausrat des Mieters aus dem Fenster.

Am Dienstag kurz vor 19 Uhr hatte der 41-jährige Gröbenzeller die Tür der Dachgeschosswohnung in der Ordenslandstraße aufgebrochen. Möbel, Gläser, Kleidung, Nudeln, Pfefferstreuer, Kosmetikartikel, Elektrogeräte, Schmuck, nichts war vor seiner Raserei sicher. Zwei Fernseher, einen Laptop, ein Handy und das aufgefundene Bargeld behielt er als Pfand.

Die Wohnung war leer, als die Polizei kam. Nur noch das Bett war drin. Es hatte wohl nicht durchs Fenster gepasst. Als die Beamten den selbsternannten Zwangsräumer zur Ordnung rufen wollten, stieß der wüste Drohungen aus, erklärte Stefan Priller von der Polizeiinspektion Olching. Wenn er den Mieter erwische, werde er ihn nach Strich und Faden verprügeln. Die Beamten nahmen den 41-Jährigen daraufhin über Nacht in Sicherungsverwahrung bis er sich einigermaßen beruhigt hatte.

Der auf Wild-West-Manier Entmietete selbst steht inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes vor den Trümmern seiner Existenz. Dem 39-Jährigen blieb nichts außer den Kleidern, die er auf dem Leib trug. Vor knapp drei Monaten war er in die Wohnung gezogen. Damals hatte er sich von seiner Freundin getrennt, den halben Hausstand mitgenommen und viele Dinge neu angeschafft. Zusammen mit der Kaution für die neue Bleibe fraß das die Ersparnisse des Kraftfahrers auf.

Als seine Einrichtung zu Sperrmüll wurde, war er gerade mit einer Bekannten unterwegs. „Gott sei Dank, dass ich ihn überredet habe, mich zu begleiten. Wer weiß was passiert wäre, wenn er dem Mann in dem Augenblick in die Hände gefallen wäre“, sagt die Frau im Nachhinein. Sie ist noch ganz geschockt. Auch so sei alles schlimm genug. Der 39-Jährige sei in Tränen ausgebrochen, als er die Bescherung sah und völlig von der Rolle gewesen. Die Bekannte kümmerte sich erstmal um den Heimatlosen. Als allererstes muss sich der Kraftfahrer jetzt auf Herbergssuche begeben. Er sucht dringend ein Zimmer - möglichst möbliert natürlich.

Sie hat inzwischen die Papiere ihres Schützlings durchgesehen und kommt auf einen Schaden in der Größenordnung von 30 000 Euro. Ein Anwalt soll dessen Ansprüche vertreten. Aber nach Einschätzungen von Experten können Jahre vergehen, bis der 39-Jährige das Geld bekommt.

Gegen den 41-jährigen Gröbenzeller, der Einrichtung und Hausrat zerlegte, wird ermittelt wegen Einbruchsdiebstahls, Sachbeschädigung und Nötigung. Auch ob er tatsächlich das Recht hatte, Besitztümer des Mieters als Pfand an sich zu nehmen, wird überprüft. Gerätselt wird auch noch über das eigentliche Motiv der Tat. Angebliche Mietrückstände alleine können diesen Ausbruch roher Gewalt kaum erklären.

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