Extra-Schicht von einem Beamten

Freisinger arbeitet an seinem freien Tag, damit sie nach Moldawien fliegen kann

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Michael Eberwein reagierte schnell und unbürokratisch, Wienke Eilers steckte am Airport fest.

Wer die Hilfe eines Beamten benötigt, braucht Engelsgeduld. Heißt es, stimmt aber nicht. Miteinem Einsatz in seiner Freizeit hat der Leiter des Freisinger Einwohnermeldeamts nicht nur einer Posaunistin aus der Patsche geholfen.

Freising – Die SMS platzt am Samstag mitten in die Gartenarbeit. Michael Eberwein, unter der Woche als Leiter des Einwohnermeldeamts im Freisinger Rathaus tätig, werkelt gerade, als der Hilferuf aus Moldawien eintrifft. Ein Mitglied des Freisinger Musikvereins 3klang hat ihm die Kurznachricht geschickt. Er benötige unbedingt die Hilfe des Beamten. Der Erfolg einer musikalischen Mission in Moldawien stünde ansonsten auf der Kippe.

Was ist passiert? Das 3klang-Weltmusik-Ensemble „Vladivederci“ ist in den Herbstferien einer Einladung nach Chisinau gefolgt. In der moldawischen Hauptstadt ist nicht nur ein Auftritt im Fernsehen geplant, sondern auch ein Konzert, das die Deutsche Botschaft organisiert hat. Doch schon auf dem Hinflug kommt es zu Dissonanzen. Der Pass der Posaunistin wird am Schalter nicht mehr akzeptiert, weil er nur noch kurze Zeit gültig ist. Am Check-In ist für Wienke Eilers Endstation. Die 21-Jährige spielt in dem kleinen Orchester eine zentrale Rolle, umso betretener schauen ihre Kollegen, als sie ihnen nur noch hinterherwinken kann.

Beamter lässt alles stehen und liegen - und hilft

Zum Glück jedoch besitzt einer der Musiker die Privatnummer von Eberwein. Er bittet den Beamten darum, Wienke Eilers einen vorläufigen Pass auszustellen, damit die nachkommen kann. Der 54-Jährige lässt alles liegen und stehen und fährt, noch in Gartenarbeitskluft, die 18 Kilometer von Au nach Freising ins Amt, wo er die Posaunistin hinbestellt hat. Die wartet dort bereits mit frischen Passfotos auf Eberwein. „Wir stellen in Freising oft vorläufige Reisepässe aus“, erklärt Eberwein. Nur in einem Fall hätte er der jungen Frau nicht helfen können: wenn die Reise in die USA gegangen wäre. Denn die akzeptieren das Provisorium nicht.

Gut gelandet: In Chisinau saß die Posaunistin (re.) mit ihren Mitspielern dann glücklich mit am Tisch.

So aber geht alles glatt. Binnen einer Stunde hält Wienke Eilers das neue Dokument in Händen. Zwei Stunden später steigt sie in den Flieger, um 1 Uhr nachts landet sie in Chisinau.

Großes Aufsehen um seine Aktion liegt Eberwein fern. Und als verbeamteter Held sieht er sich schon gar nicht. Freilich habe er geholfen – nicht nur, weil er selbst Mitglied der Dellnhauser Musikanten ist, und sich gut in Wienke Eilers Situation hineinversetzen konnte. „Wenn die Notwendigkeit besteht, macht man so etwas halt. Es war nicht das erste Mal.“ Für Gottfried Herrmann, Geschäftsführer von 3klang, ist er aber ein Retter in höchster Not. „Es heißt immer, die Menschen in der Verwaltung seien starr und unbeweglich. Herr Eberwein hat bewiesen, das dem nicht so ist.“

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