Verfolgungsjagd mit Tennisschläger

Aus Höflichkeit: Einbrecher zieht an der Haustür erstmal Schuhe aus - dann kommt der Hausbesitzer

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Einbrecher zieht an der Haustür erstmal Schuhe aus. (Symbolbild)

Er zwängte sich durch die Hundeklappe und zog dann erst mal die Schuhe aus - ein sehr ordentlicher Einbrecher hat sich bei Erding von seinem Opfer erwischen lassen. 

VON JULIA RADGEN

Eitting – Am 25. November 2018 soll der 40-Jährige sich gegen Mitternacht Zutritt zu dem Anwesen in Eitting verschafft haben – offenbar auf der Suche nach Bargeld. Wegen des Elektroschockers lautete die Anklage auf „Diebstahl mit Waffen“. Den Schocker soll er aber bereits verloren haben, als er sich im Garten durch die großzügig bemessene Hundeklappe zwängte, führte Staatsanwältin Sandra Seeburger aus. Beim Fluchtversuch soll er den Hausbesitzer am Auge und an der Schulter verletzt haben.

Durch Hundeklappe gezwängt - Erdinger Einbrecher zeigt Reue

„Zum Teil“ sei es so abgelaufen, erklärte der Angeklagte vor Richter Björn Schindler. Er sprach langsam und leise. Immer wieder legte er Pausen ein, schien den Tränen nahe. Mehrfach musste ihm seine Verteidigerin Eva Krötz ein Taschentuch reichen. Er habe sich in seiner dunklen Zeit befunden, sagte der arbeitslose Mann und Vater eines kleinen Sohnes. Seine Geschäftspartnerschaft ging in die Brüche, kurz darauf seine Ehe und er musste seine Firma aufgeben.

„Der Einbruch war eine Schnapsidee. Ich bin kein Krimineller, sondern einfach nur ein Depp, der einen Riesenfehler gemacht hat“, sagte er. Sein Opfer kannte er nur flüchtig durch den ehemaligen Geschäftspartner. Geplant habe er nichts, sagte er. Der besagte Elektroschocker liege immer in seinem Auto. „Ich wusste gar nicht, dass ich den dabei hatte.“

„Wollte keinen Schmutz hinterlassen“ - Einbrecher zog erst mal Schuhe aus

Das hielt Richter Schindler für unglaubwürdig. Skurril wurde es, als der Richter fragte, warum der Angeklagte seine Schuhe ausgezogen habe. „Ich wollte keinen Schmutz hinterlassen“, antwortete dieser mit leiser Stimme und verlegen wirkend. Die fremden Schuhe im Wohnzimmer vermittelten dann auch dem Hausbesitzer, der nach nächtlicher Unruhe aufstand, dass etwas faul war. Er suchte das Haus nach dem – erfolglosen – Einbrecher ab, zuletzt den Keller, wo sich dieser wie in einem einfallslosen Horrorfilm hinter einem Vorhang versteckt hatte.

Mit Tennisschläger bewaffnet - Opfer verfolgt Einbrecher in den Garten

„Dann ist da ein Maskierter rausgesprungen“, berichtete der 60-Jährige, der sich damals sicherheitshalber vorher einen Tennisschläger geschnappt hatte. Er verfolgte den Eindringling in den Garten, wo dieser ihn dann in den Schwitzkasten genommen habe. „Ich habe keine Luft mehr gekriegt“, sagte das Opfer. Der Angeklagte wiederum behauptete, er habe nicht angegriffen. „Ich wollte einfach nur weg“, sagte er unter Tränen. An Einzelheiten des Kampfes könne er sich nicht mehr erinnern.

Für den 60-Jährigen sei die Unsicherheit im eigenen Zuhause nach dem Einbruch jetzt das Schlimmste. „Ich erschrecke bei jeder Kleinigkeit, das geht in meine Psyche nei!“ Die Entschuldigung, die der Angeklagte in einem Brief vorgebracht hatte und im Gerichtssaal persönlich wiederholte, lehnte er ab. „Ich will nur meine Ruhe haben!“

Wegen Depressionen in Behandlung - Einbrecher bekommt ein Jahr auf Bewährung

Staatsanwältin Seeburger forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung für den noch nicht Vorbestraften. Verteidigerin Krötz plädierte für eine Bewährungsstrafe von wenigen Monaten. Den Einbruchsversuch ihres Mandanten, der am Morgen nach der Tat ein Geständnis ablegte, nannte sie „dilettantisch“. „Das wird nicht wieder vorkommen“, so die Anwältin. Ihr Mandant habe sich auch wegen Depressionen in stationäre Behandlung begeben.

Das letzte Wort hatte der Angeklagte. „Es tut mir wahnsinnig leid. Ich finde keine Worte“, sagte er unter Tränen. Richter Schindler sagte in der Urteilsbegründung: „Ihre Tat ist im Versuchsstadium stecken geblieben.“ Trotzdem wiege die Körperverletzung schwer. „Ich bin aber guter Dinge, dass das für Sie eine ausreichende Warnung war.“

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