Nach Bericht im Erdinger Anzeiger

Flaschensammlerin findet Berührendes in ihrem Briefkasten - dann schlägt das Schicksal erneut grausam zu

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Berta Staudinger in ihrer Wohnung in Bockhorn mit bunt zusammengewürfelten Möbeln. Die Hilfsbereitschaft anonymer Bürger berührt sie sehr. 

Berta Staudinger aus Bockhorn reicht das Geld zum Leben nicht. Täglich geht die 63-Jährige Flaschen sammeln. Über dieses traurige Beispiel von Altersarmut hat der Erdinger Anzeiger berichtet – mit unerwarteten Folgen.

Bockhorn Im Landkreis Erding leben viele Menschen in Armut. Oft ist dieses Leid nicht sichtbar. Oder nur dann, wenn man genau hinschaut. Die meisten schämen sich, dass ihnen trotz sparsamsten Lebens das Geld nicht ausreicht. Berta Staudinger ist eine von ihnen. Mit ihrem Mann lebt sie in Bockhorn. Etwas mehr als 1000 Euro stehen den beiden monatlich zur Verfügung, ein Großteil geht für die Miete drauf.

Kuverts im Briefkasten

Die Situation zwingt Staudinger dazu, täglich Pfandflaschen sammeln zu gehen, um über die Runden zu kommen. Im Juni haben wir über das Ehepaar Staudinger berichtet. Das Schicksal hat einige Menschen nicht kalt gelassen. Nach dem Erscheinen des Artikels fand Staudinger die eine oder andere Geldspende in ihrem Briefkasten – anonym in Kuverts. Vier aufmerksame Zeitgenossen hat das Schicksal so berührt, dass sie spontan den Geldbeutel zückten.

500 Euro hat das Ehepaar auf diesem Wege erhalten. Auch Naturalien wurden gespendet. „Mir ist es ein großes Anliegen, mich für diese große Hilfsbereitschaft zu bedanken. Damit haben wir nicht gerechnet“, erzählt die 63-Jährige, die auf die Unterstützung der Tafel angewiesen ist.

Mit dem Spendengeld einen kleinen Luxus gegönnt

Mit dem Geld gehen die Staudingers sehr achtsam um. „Ein paar Besorgungen haben wir gemacht, vor allem Lebensmittel“, erzählt sie, die mit ihrem Mann in einer Wohnung aus lauter zusammengewürfelten, gebrauchten Möbel lebt. Einen kleinen „Luxus“ hat sich Berta Staudinger gegönnt – und sich ein einfaches Dirndl zugelegt.

300 Euro haben sie zurückgelegt. „Es kann ja mal sein, dass wir eine größere Anschaffung brauchen, zum Beispiel, wenn das Moped meines Mannes kaputt geht.“ Auf das sind sie angewiesen, damit erledigen sie sämtliche Besorgungen.

Schicksal schlägt erneut grausam zu: Enkel (13) gestorben

Seit unserem Bericht hat das Schicksal die Familie noch einmal grausam getroffen: Im Sommer ist ihr 13 Jahre alter Enkel völlig unerwartet gestorben.

Umso wichtiger ist es für sie, zu wissen, dass es hilfsbereite Menschen gibt. „Das war ein sehr schönes Gefühl.“ Flaschensammeln wird die 63-Jährige auch weiterhin. „Wir brauchen das Geld. Der Winter kommt, da müssen wir Holz kaufen.“

Hinweis der Redaktion 

Da uns Anfragen erreichen, wie man Frau Staudinger unterstützen kann: Bitte kontaktieren Sie hierzu die Redaktion vom Erdinger Anzeiger. E-Mail: redaktion@erdinger-anzeiger.de, Telefonnummer: 08122/412 127

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