Freistaat, Bahn und Stadt einigen sich

Erding bekommt die direkte Flughafen-S-Bahn - das passiert jetzt

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Wann geht es um den Flughafen München rund? Die Skizze zeigt den S-Bahn-Ring mit dem Lückenschluss zwischen Erding und Airport. Westlich ist die Neufahrner Gegenkurve für Regionalzüge im Bau.

Ende 2019 soll mit dem Bau des S-Bahn-Ringschlusses vom Flughafen München nach Erding begonnen werden. Die Stadt bekommt dabei ihre Wunschlösung – ein Ergebnis harter Verhandlungen mit Bahn und Freistaat Bayern.

Erding/München – Es waren historische Unterschriften, die Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (beide CSU) am Montag in München unter ein Schriftstück setzten. Sie unterzeichneten die Finanzierungsvereinbarung für einen deutlich längeren als ursprünglich von der Bahn geplanten Tunnel unter der Stadt hindurch. Damit wurde die letzte planerische Weiche für den S-Bahn-Ringschluss gestellt, der ostseitig die Landeshauptstadt und die Messe in Riem über Erding verbindet. Ursprünglich hätte der Gleisring bereits zur Airport-Eröffnung 1992 realisiert werden sollen.

Ein Bestandteil des Ringschlusses ist bereits im Bau: die Neufahrner Kurve, über die Regionalbahnen aus Regensburg, Landshut, Moosburg und Freising den Bahnhof erreichen. Sie soll Ende 2018 in Betrieb gehen. Unmittelbar daneben entsteht das sogenannte Überwerfungsbauwerk West, das die S-Bahn-Linien S1 und S8 entlastet und mehr Zugverbindungen erlaubt. Dafür besteht bereits Baurecht. Mit der Bahn verhandle man derzeit über Bau- und Finanzierungsvertrag, so Herrmann.

Ende 2019 soll der Bau beginnen

Im Osten ist vom Ringschluss indes noch nichts zu sehen. Das könnte sich bald ändern. Herrmann geht davon aus, „dass Ende 2019 mit dem Bau östlich des Flughafens begonnen werden kann“. In Schwaigerloh (Gemeinde Oberding) sind eine Abstell- und Wendeanlage sowie ein neuer Halt geplant. Das Planfeststellungsverfahren liege in den letzten Zügen. „Wir streben die Inbetriebnahme 2024 an“, so der Minister.

Die Finanzierungsvereinbarung für den Tunnel in Erding unterzeichneten OB Max Gotz (l.) und Minister Joachim Herrmann.

Das Genehmigungsverfahren für den Abschnitt durch Erding soll in der ersten Hälfte 2018 anlaufen. Die Stadt steht dem nicht mehr im Weg. Sie hat ihre Ziele erreicht: In zweijährigen harten Verhandlungen mit Staat und Bahn konnte Erding seine Interessen durchsetzen – zum Preis von 35 Millionen Euro.

Mit diesem Festbetrag beteiligt sie sich an dem längeren Tunnel unter der Stadt hindurch, dessen Kernstück ein neuer Bahnhof ist. Den werden in fernerer Zukunft Regionalbahnen ansteuern, die über die Walpertskirchener Spange und die Strecke München–Mühldorf den südostbayerischen Raum bis Salzburg an den Flughafen anbinden werden. Das ist ein Projekt des Bundes.

Bahn wollte keinen längeren Tunnel

Bis voriges Jahr sperrte sich die Bahn gegen einen längeren Tunnel, der eine Durchschneidung der 38 000-Einwohner-Stadt bedeutet hätte. Gotz und seine 40 Stadträte stellten sich quer, kündigten Klagen gegen das Projekt an. Eine jahrelange Blockade drohte.

Im Herbst 2015 schaltete sich der Innenminister ein. Das Ergebnis wurde am Montag im Ministerium unterzeichnet: Der um 600 Meter längere, insgesamt gut zwei Kilometer lange Tunnel soll mindestens 100 Millionen Euro kosten. Erding übernimmt davon fix 35 Millionen. Im Gegenzug wird das Gelände des heutigen Endbahnhofs verwertet. Hier wird ein neuer Stadtteil entstehen. Die Erlöse fließen in den Ringschluss-Tunnel.

Herrmann: „Projekt für die nächsten Jahrzehnte“

Gotz sprach von einem „Tag der Gestalter“. Man habe auf Augenhöhe verhandelt. „Das war kein Spiel mit dem Bizeps.“ Aber Erding habe seine Interessen durchsetzen müssen. Das sah auch Herrmann ein: „Es ist ein Projekt für die nächsten Jahrzehnte. Jetzt bekommt Erding deutliche Verbesserungen.“ Über seinen Verhandlungspartner Gotz sagte er: „Ein Fuchs ist er schon. Aber eine jahrelange Verzögerung hätte niemandem geholfen.“

So sehr alle Beteiligten um Einigung und Eile bemüht sind, es wird noch viele Jahre dauern, ehe der S-Bahn-Ring fertig ist, nämlich nicht vor Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke nach 2026. Klagen könnten für weitere Verzögerungen sorgen. Den dreistelligen Millionenbetrag teilen sich Bund, Land und der Flughafen.

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