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„Hoffe, dass es nicht so weit kommt“: Brauereien geht Kohlensäure aus - Produktion gefährdet?

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Von: Hans Moritz

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Autark ist der Erdinger Weißbräu, was die Gewinnung von Kohlensäure betrifft – hier die Abfüllanlage. Kleinere Brauereien bekommen den Mangel des Gases aber deutlich zu spüren. Ihre Produktion ist gefährdet. © Hans Moritz

Den Brauereien in Erding und dem Rest Bayerns macht der Kohlendioxidmangel schwer zu schaffen. Das Gas wird knapp - wird bald die Produktion verringert?

Erding/Dorfen - Das kann bei den Brauereien zu Problemen führen, da CO2 bei der Produktion von Bier, Limonaden und Wasser dringend benötigt wird. „Es ist eine angespannte Lage, und es ist sehr schwer, zukünftige Entwicklungen vorauszusehen“, stellt Juniorchef Tobias Vincenti vom Eittinger Fischerbräu fest. Aktuell habe er aber noch Glück, da seine Brauerei seit Jahrzehnten Kunde bei einem Zulieferer sei und dieser vorerst noch Nachschub zusichern kann. Erst vor kurzem habe er eine Lieferung erhalten. „Die aktuelle Lieferung hält ungefähr einen Monat“, sagt Vincenti.

Erding: Brauereien geht die Kohlensäure aus - „Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt“

Viele Brauereien müssen aber schon ihre Produktionen vermindern oder gewisse Produkte aus ihrem Sortiment nehmen. „Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt“, so der Brauer. Als Erstes stellen Brauereien für gewöhnlich die Herstellung von Limonaden ein, da der Verbrauch an Kohlendioxid dabei am höchsten sei. Vincenti hofft auf Hilfsmaßnahmen der Regierung: „Meiner Meinung nach muss sich die Politik da etwas einfallen lassen.“

Besonders betroffen ist die Brauerei Bräu z’Loh aus Dorfen. Laut Inhaberin Barbara Lohmeier-Opper fiel bereits die jüngste Lieferung geringer als sonst. Normalerweise bestelle die Brauerei ungefähr alle vier Wochen 3200 Kilo CO2. „Der Lieferant teilt mit, dass aktuell auf dem Markt nichts verfügbar ist“, sagt Lohmeier-Opper.

Kohlensäure fehlt: Werden bald die Limonaden knapp?

In der kommenden Zeit entscheide der Zulieferer außerdem, welche Brauereien mit welchen Mengen beliefert werden. Dadurch muss die Braumeisterin aller Voraussicht nach bald Priorisierungen bei der eigenen Produktion festlegen.

Besonders wichtig seien aktuell das Export-Helle und das Kirta-Bier, die Herstellung von Limonaden würde wahrscheinlich als erstes verringert werden. Es sei möglich, dass schon im Zuge des bald beginnenden Herbstfestes in Haag die Limonaden knapp werden.

Außerdem werde bei einem anhaltenden Kohlendioxid-Mangel wohl die Produktion von Getränken in 0,33-Liter-Flaschen kleiner. „Man muss schauen, mit was man sich am besten über Wasser hält“, so Lohmeier-Opper.

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Kohlensäure ausgegangen: Erste Brauereien stoppen Produktion

Kohlensäure-Mangel: Brauerei Bachmayer in Dorfen ist aktuell nicht direkt von der Krise betroffen

Die Brauerei Bachmayer in Dorfen ist dagegen aktuell nicht direkt von der Krise betroffen. Die Brauerei habe einen Lieferanten, der das Kohlendioxid selbst herstellt, sagt Albert Hörmann, einer der Geschäftsführer der Dorfener Brauerei. Außerdem produziert die kleine Brauerei keine Limonaden, wodurch sich der Verbrauch im Vergleich mit anderen Unternehmen in Grenzen hält.

Für den Erdinger Weißbräu stellt der Kohlendioxid-Mangel ebenfalls keine Problematik dar. „Wir haben das Glück, autark zu sein“, so Dr. Stefan Kreisz, Geschäftsführer Produktion und Technik. Aufgrund der Größe der Brauerei lohnen sich schon seit einer geraumen Zeit CO2-Rückgewinnungsanlagen. Mit diesen, so Kreisz, ist es möglich, das Gas, das auch beim Vergären des Bieres entsteht, aufzufangen. „Wir sind Selbstversorger“, sagt Kreisz.

Des Weiteren hat der Weißbräu keine Limonaden als eigenständige Produkte im Sortiment, diese werden nur für Mischgetränke wie zum Beispiel Radler benötigt.

Im Ausblick auf die kommenden Wochen und Monate ist davon auszugehen, dass viele Brauereien durch den CO2-Mangel noch vor größere Probleme gestellt werden und sich die Produktion stark verändern wird, meinen die Brauer. Lukas Christofori

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