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Hitzewelle rollt an - wer ist jetzt besonders in Gefahr?

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Von: Michaele Heske

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Die Hitzewelle rollt an, das ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sicher. Wasser ist das A und O bei Temperaturen über 30 Grad, das gilt unabhängig vom Alter. 

Erding - Besonders für Senioren heißt es aufgrund ihres geringen Durstgefühls: Trinken, trinken und dann noch etwas trinken. Mindestens eineinhalb Liter empfehlen die Pflegekräfte aus den Seniorenheimen in Erding und Dorfen.

Für den Körper sind hohe Temperaturen und Temperatursprünge eine extreme Belastung. Hitze über 40 Grad ist kein Spaß, das ist offensichtlich. „Gerade ältere Menschen haben oft ein stark reduziertes Durstempfinden“, erklärt Marion Prey, Leiterin des Marienstifts in Dorfen. „Leiden die Senioren zusätzlich an Demenz, ist es möglich, dass sie das Trinken einfach vergessen.“ In den vergangenen Wochen wurden deshalb alle ihre Mitarbeiter in Dehydrationsprophylaxe geschult, so Freyja Brönnle, Pflegedienstleiterin in dem Dorfener Seniorenheim.

Hitzewelle in Deutschland: Warmes Wasser kann besonders helfen

Bei Hitzewellen legen die Mitarbeiter einen so genannten Einfuhrplan für jeden Bewohner an, auf dem jedes Getränk vermerkt wird. „Die Flüssigkeitszufuhr ist eine Mammut-Aufgabe, denn nicht jeder Bewohner möchte oder kann die angebotenen Getränke in ausreichender Menge zu sich nehmen“, erklärt die Altenpflegerin.

Im Tagesablauf sind deshalb feste Trinkrituale eingebaut: So beginnt der Morgen mit einem Glas warmem Wasser: „Das regt zusätzlich die Verdauung an“, sagt Brönnle. Auch beim Mittagessen, nach der Siesta sowie nachmittags und abends gibt es Getränke – und ein letztes Glas kurz vor der Nachtruhe. „Jeder Bewohner hat außerdem nachts Wasser zur Verfügung und. Wenn die Bewohner beim nächtlichen Rundgang der Pflegekräfte wach sind, werden sie ans Trinken erinnert oder dabei unterstützt“, erklärt sie das Prozedere.

Auch die geeignete Nahrung kann für ausreichend Flüssigkeitszufuhr sorgen: Salatgurke, Wassermelone, Kopfsalat und Tomaten haben einen hohen Wassergehalt und sollten bei Hitze auf dem Speiseplan stehen.

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Ausreichend Flüssigkeitszufuhr kann jetzt lebensrettend sein. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Seniorenzentrum Erding greift auf „Lieblingsgetränke“ zurück

Auch in Fischer’s Seniorenzentrum in Erding sorgt man für ausreichend Flüssigkeit. „Wir bieten unseren Bewohnern die Lieblingsgetränke aus der Kindheit an“, informiert Silke Lenz, Leiterin der Tagespflege. Bei Demenzkranken würde das Kurzzeitgedächtnis nicht funktionieren, an die Zitronenlimo oder den Hagebuttentee vergangener Tage erinnern sie sich indes und greifen eher zum Glas.

„Zudem ist die Farbe Rot ein Signalreiz bei der Diagnose Demenz – rote Tassen mit Henkel, kombiniert mit Anstoßen und Trinksprüchen regen ältere Leute zum Trinken an.“ Was in den Heimen gilt, sollten auch die Angehörigen berücksichtigen, die Senioren zuhause betreuen, rät Lenz.

Das passiert im Körper bei zu wenig Trinken

Denn trinken wir zu wenig, wird das Blut dickflüssiger und der Blutdruck steigt. Nicht nur das Gehirn, auch die Nieren werden in ihrer Arbeit beeinträchtigt. Der Körper dehydriert, es treten Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, eine erhöhte Temperatur und auch Verwirrtheitszustände auf. Schlimmstenfalls kommt es zum Nierenversagen.

Ein weiterer Tipp: Die pralle Sonne meiden. „Für genug Schatten und luftige Kleidung sorgen – das ist nicht immer einfach, denn viele Senioren bestehen auf ihre Strickjacken, weil sie ein ganz anderes Kälteempfinden haben“, sagt Prey.

Nicht nur in Sachen Hitze, auch von der Pandemie sind Ältere weiterhin besonders gefährdet. „Deshalb müssen die Besucher auch weiterhin Corona-Tests vorlegen“, informiert Prey. „Da die Tests nur noch für bestimmte Gruppen kostenfrei sind, zu denen die Pflegeheimbesucher gehören, bekommen diese von uns eine Bestätigung, dass sie berechtigt sind.“ (mhe)

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