1. tz
  2. München
  3. Region

„Akute Bedrohungslage“: Sparkasse baut Geldautomaten ab – Bürgermeisterin „ehrlich erschüttert“

Erstellt:

Von: Klaus Kuhn

Kommentare

Noch nicht lange in Betrieb ist der Sparkassen-Geldautomat in Ottenhofen. Mitte 2023 wird er abgebaut.
Noch nicht lange in Betrieb ist der Sparkassen-Geldautomat in Ottenhofen. Mitte 2023 wird er abgebaut. © Klaus Kuhn

Wegen der vielen Fälle von Automaten-Sprengungen überprüft die Sparkasse Erding-Dorfen die Standorte. In Ottenhofen ist bereits klar: Der Automat wird dort deswegen abgebaut. Vor allem für Senioren ist das eine schwierige Entwicklung.

Landkreis – Die Kreis- und Stadtsparkasse Erding-Dorfen reduziert kreisweit die Geldausgabeautomaten. Wie viele abgebaut werden und was die jeweilige Begründung im Einzelfall ist, das konnte Vorstandsmitglied Michael Utschneider noch nicht mitteilen: „Ich bitte um Verständnis, dass wir aktuell in der Kürze der Zeit aus unterschiedlichen Gründen nichts Konkretes mitteilen können. Wir werden uns nach dem Ende der Weihnachtsferien hierzu äußern“, schrieb er auf Nachfrage.

Anlass für die Anfrage war eine Mitteilung von Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley an die Heimatzeitung. Die Rathauschefin ist sauer. Denn die Sparkasse stellt ihre Aktivitäten in der Gemeinde komplett ein und baut den Geldautomaten am Kramerladen an der Erdinger Straße zum 30. Juni 2023 ab. „Gerade erst wurde der Automat ausgetauscht, mit Kosten für die Gemeinde, in deren Haus er ja quasi integriert ist“, kritisiert Schley.

Zuletzt vermehrt Sprengungen: Sparkasse baut Geldautomat ab

Nach ihren Angaben begründet die Sparkasse den Abbau mit den vielen Anschlägen auf Geldautomaten in der vergangenen Zeit – erst in der Nacht zum Donnerstag haben die Täter in Odelzhausen (Kreis Dachau) zugeschlagen. „Wie Sie sicherlich der Presse entnommen haben, gibt es vermehrt Sprengungen von Geldausgabeautomaten. Angesichts der akuten Bedrohungslage haben wir unsere Automatenstandorte überprüft. Die Überprüfung ergab, dass wir kurzfristig den Standort, mit Ablauf des Mietverhältnisses schließen werden.“ So zitiert Schley gegenüber dem Erdinger Anzeiger aus dem Schreiben des Kreditinstituts.

Schley erklärt, sie sei „ehrlich erschüttert“ darüber, dass diese kriminellen Aktivitäten jetzt zum Anlass genommen werden, den Service zu verschlechtern. Das werde vor allem für ältere Mitbürger ein Problem werden, weil diese dann weniger Möglichkeiten haben, zu Bargeld zu kommen. Auch aus ihrem Engagement bei der Arbeiterwohlfahrt weiß die SPD-Politikerin und AWO-Landesvorsitzende um die Nöte der Senioren.

Die Bürgermeisterin geht nun davon aus, dass das auch mit einem Rückgang von Kundschaft für die Sparkasse verbunden sein könnte, denn die VR-Bank unterhält nicht nur einen Geldausgabeautomaten, sondern auch einen Kontoauszugsdrucker in der Gemeinde.

Sparkasse kündigt Abbau weiterer Automaten an: Nutzen Senioren zunehmend Online-Angebote?

Auch am Sparkassenautomaten am Ortseingang von Langengeisling hängt aktuell ein Zettel, der den Abbau zur Jahresmitte ankündigt. Neuer Standort soll demnach an der Adresse der Geislinger VR-Bank-Filiale gegenüber der Kirche sein. In Langenpreising im Norden des Landkreises hat es ähnliche Erfahrungen gegeben – ebenfalls zulasten der Sparkasse. Da gab es sogar versteckte Aufrufe, den Bank-Dienstleister zu wechseln.

Dabei ist die Sparkasse in guter Gesellschaft: Bundesweit dünnen Banken ihr Filial- und Automatennetz aus. Die Geldhäuser argumentieren, dass auch Senioren zunehmend Online-Angebote der Banken nutzen.

Dennoch ist schon die Rede von „digitaler Diskriminierung“. Seniorenvertretungen, etwa in Bremen, fordern laut Medienberichten bereits offen ein „Recht auf analoge Versorgung“. Michael Gruber, Vorsitzender des VdK-Ortsverbands Wartenberg-Fraunberg, unterstützt dies. „Sicher, es gibt auch digital gut aufgestellte Senioren, aber es gibt auch enorm viele, die mit der Technik nicht klar kommen, und die werden dann oft vergessen. Das darf in unserer heutigen Gesellschaft nicht sein“, sagt er.

„In der Stadt Erding sind die Senioren ja noch gut aufgestellt, da können sie beim Supermarkt auch zu Bargeld kommen. Aber auf dem Land ist das natürlich ganz anders. Da ist die Mobilität doch stark eingeschränkt. So geht das also gar nicht“, argumentiert auch Bernd Schabenberger, stellvertretender VdK-Vorsitzender in Erding.

Auch interessant

Kommentare