Ergreifende Anzeige: Das Erbe meiner großen Liebe

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Josef Foschum mit einem Bild seiner verstorbenen Frau inmitten der Orchideen, die Anna so geliebt hat.

München - Josef Foschums Worte für seine verstorbene Ehefrau haben Zehntausende tz-Leser tief berührt. Jetzt erklärt der Garchinger, warum er seiner Frau eine halbe Zeitungsseite gewidmet hat.

Das ist die ergreifende Traueranzeige aus der tz

Josef Foschum möchte seiner großen Liebe noch einmal Danke sagen. „Danke für alles, was du für mich getan hast, ohne dich hätte ich nicht weitergewusst… Ich werde dem Schicksal ewig dankbar sein, dass es dich gab.“ Herzergreifende Worte, die Zehntausende tz-Leser tief berührt haben. Die Traueranzeige – große Gefühle auf einer halben Zeitungsseite. „Meine Anna hat ein so großes Dankeschön verdient“, sagt Josef Foschum. Er hätte noch mehr Platz füllen können, mit Gründen, warum sie so ein besonderer Mensch war.

Vor knapp zwei Wochen ist seine Frau gestorben. Anna Foschums Hauptschlagader war geplatzt. Plötzlich kippte sie vor der Haustür um. Die Not-OP dauerte fünf, sechs Stunden. Doch die 69-Jährige starb: Sie war innerlich verblutet.

Ihr Mann steht jetzt allein im Wintergarten, den das Paar erst vor wenigen Jahren bauen ließ. Dutzende Töpfe mit Orchideen sind auf dem Boden verteilt, zieren das ganze Haus: die Treppe, die Fensterbänke. Überall treiben die Blüten, in Weiß, Gelb, kräftigem Pink. Annas Vermächtnis, das Erbe von Josefs großer Liebe. „Es sind über 100 Orchideen“, sagt der 57-Jährige. „Sie hatte ein Händchen für Pflanzen, sie baute draußen sogar Gemüse an.“ Mit dem Garten hatte sich das Paar einen Traum erfüllt, überhaupt mit dem Haus. Den gebürtigen Niederbayern war das Glück nicht in den Schoß gefallen. Die eigene Firma, die Hochzeit im kleinen Kreis 2007 – der Weg war lang und anstrengend.

Als sich Josef Foschum seine Anna 1982 im Bayerischen Wald kennenlernt, sind beide arbeitslos. Er wohnt in Zwiesel, sie stammt aus Jandelsbrunn. Anna ist schon vor Jahren nach München gezogen, lebt aber mittlerweile getrennt vom Vater ihres Sohnes Anton (heute 46). In einer Gaststätte in der alten Heimat läuft ihr Josef über den Weg. Sie kommen ins Gespräch. „Wir haben zusammengesessen, wie man es so macht“, erinnert sich Foschum. Es funkt. Wenig später planen sie ihren ersten Kurz-Urlaub in Bozen.

Das Paar fackelt nicht lange: 1983 kommt der Schlosser nach München. Komische Blicke, weil seine Freundin zwölf Jahre älter ist, ignoriert Josef Foschum: „Es hat nie jemand etwas offen gesagt, aber selbst wenn – es wäre mir egal gewesen.“ Es scheint, als wäre mit Josef auch das Glück in die Zwei-Zimmer-Wohnung gezogen: Endlich finden beide Arbeit, Anna bekommt einen Job als Graveurin. „Wir hatten so viel Glück, das muss mit Schicksal zusammenhängen“, sagt Foschum. Er steigt nebenbei ins Gebäudereinigungs-Geschäft ein, ein paar Jahre später macht er sich selbstständig: „Und meine Frau hat alles mitgemacht.“ Endlich leisten sie sich ein Häuschen in Garching.

Weder Freizeit noch Geld sind im Überfluss vorhanden. Doch Anna Foschum würde ihr letztes Hemd für andere gegeben. Wer in Not ist, weiß: Die Anni hilft, ob bei der Wohnungssuche oder Geldsorgen. Diese unendliche Güte, sagt Foschum, habe er an seiner Frau bewundert: „Ich wusste, wenn sie jemanden unterstützte, musste ich das nie hinterfragen, es war immer in Ordnung.“ Anna habe früh gelernt, für andere zu sorgen: Der Vater galt nach dem Zweiten Weltkrieg als vermisst, die Mutter starb mit 49 Jahren. Anna kümmerte sich um ihre Geschwister.

Doch eines Tages braucht sie selbst Hilfe. 2002 stellen Ärzte die Schock-Diagnose: Brustkrebs. Eine Chemotherapie rettet Anna Foschum das Leben, doch ganz erholt hat sie sich von ihrer Krankheit nie. „Ihr Immunsystem war geschwächt“, erklärt ihr Mann. Seine Liebste leidet an weiteren Krankheiten, etwa an Diabetes. „Es gab Zeiten, da wachte ich morgens auf und dachte: Was passiert heute?“, beschreibt Foschum die letzten Jahre.

Alle paar Tage muss seine Frau zum Arzt, wie auch vor drei Wochen. Die Untersuchung beim Kardiologen verläuft gut. Dass wenige Tage später die Hauptschlagader platzen sollte, kann niemand ahnen. Jetzt muss sich Josef Foschum alleine kümmern: um das Haus, das Geschäft, die Blumen seiner Frau: „Ich versuche, so lange es geht, die Orchideen zu pflegen.“ Denn jede Blüte erinnert ihn an seine Anna. Ein großes Geschenk.

Eva Hutter

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