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Kein eigenes Essen mehr im Biergarten: Betreiber kassieren Shitstorm - und stellen knallharte Rechnung auf

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Von: Andrea Beschorner

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Vor dem Haager Biergarten steht ein Schild, auf dem steht: „Der Verzehr von selbst mitgebrachten Speisen und Getränken ist untersagt.“
Diskussionen um ein Schild: Die Haager Biergarten-Wirte haben mit diesem Verbot Debatten ausgelöst.  © as

Mit einem Sturm der Entrüstung haben die Wirte des Haager Biergartens zu kämpfen. Eigenes Essen mitzubringen ist da nun nämlich verboten.

Haag – Ein Schild vor dem Traditionsbiergarten Schloßallee in Haag sorgt für heftige Diskussionen: „Der Verzehr von selbst mitgebrachten Speisen und Getränken ist untersagt – Für Ihr Verständnis bedanken sich die Wirte der Schloßallee Haag“. Seit Karfreitag steht das Schild da. „Streng genommen ist es schon das dritte, zwei wurden uns schon geklaut“, erzählen die Betreiber Alexander Moser und Falk Voigtländer.

Eigenes Essen verboten: Wirte erklären Gründe für Schritt

Seit die Gäste bereits am Eingang darüber informiert werden, dass selbst mitgebrachte Speisen nicht mehr geduldet werden, haben die Wirte alle Hände voll zu tun, um Mails, die sie deshalb erreichen, zu beantworten und auf schlechte Bewertungen im Internet zu reagieren. „Freilich kann ich mir Schöneres vorstellen als mich täglich zig Mal dafür zu rechtfertigen – aber wir wollen keine Frage unbeantwortet lassen, wir wollen, dass die Menschen uns verstehen“, sagt Moser im Gespräch mit dem Freisinger Tagblatt.

Dass dem Wirteduo nun mit allem möglichen gedroht wird, können die beiden nicht nachvollziehen: Die einen kündigen an, sich an die Presse zu wenden, andere wollen Aufsichtsbehörden einschalten oder sogar den Bayerischen Ministerpräsidenten über das Vorgehen der Wirte informieren.

Der Biergarten Schloßallee in Haag ist gut besucht.
Ein beliebtes Ausflugsziel im Landkreis Freising ist der Biergarten Schloßallee in Haag. Die Wirte dort greifen nun mit einem Verbot durch, das nicht alle Gäste gut finden.  © Lehmann

Die Entscheidung, das Schild aufzustellen, haben die Wirte sich nicht leicht gemacht. „Wir diskutieren das jetzt das dritte Jahr in Folge, jetzt ist aber ein Punkt erreicht – da geht es nicht mehr anders“, sagt Falk Voigtländer. Denn: Nach zwei Jahren massiver Einbußen wegen Corona hat man nun mit steigenden Preisen aufgrund des Ukraine-Krieges zu kämpfen. „Es geht hier wirklich um unsere Existenz“, betont Voigtländer.

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Gegen eine kleine Brotzeit haben die Wirte nach vor nichts

Eines ist ihm aber zunächst noch wichtig, zu betonen: „Wir haben nach wie vor nichts gegen eine kleine Brotzeit, die unsere Gäste dabeihaben – ein Stück Speck und ein paar Scheiben Brot etwa.“ Bewusst habe man die Formulierung „Speisen“ gewählt. Denn das, was die Wirte in den drei Jahren, seit sie den Traditionsbiergarten übernommen haben, schon alles gesehen haben, geht oft weit über eine kleine Brotzeit hinaus.

„Die einen haben sich Pizza in den Biergarten liefern lassen, andere kauften sich mittwochs Hendl am Stand gegenüber des Biergartens, um es dann bei uns zu essen“, nennt Moser zwei Beispiele. Diese Gäste würden zwar kaum Umsatz im Biergarten dalassen – dafür aber jede Menge Müll: Pizzakartons, leere Gurkengläser, Getränkedosen, Pappgeschirr, Plastikbecher und vieles mehr. „Die Kosten für die Entsorgung bleiben an uns hängen.“

Trotz riesigem Angebot in Biergarten: Immer wieder Ärger mit Gästen - Wirtepaar greift durch

Regelmäßig wurden am großen Kinderspielplatz des Biergartens auch Kindergeburtstage ausgerichtet, die Mütter hätten ganze Kuchen und Getränke für die Kleinen dabeigehabt. Moser und Voigtländer berichten von Gästen, die ihren mitgebrachten Wein und Gläser auspackten „und es gar nicht verstehen konnten, als wir sie aufforderten, Getränke im Biergarten zu kaufen“.

Vorwürfe, dass Gäste unfreundlich des Biergartens verwiesen wurden, weist das Wirteduo zurück. „Außer in einem Fall: Da ist eine Gruppe mit Wärmeboxen angerückt.“ Inhalt: Spanferkelbraten, Kraut und Knödel. „Das war zu viel, da hilft dann auch kein Gespräch mehr. Wir haben sie tatsächlich gebeten, zu gehen.“ Die Essens-Standl in der Schloßallee sind allesamt verpachtet: Neben den biergartentypischen Speisen gibt es dort auch Pizza, Salate, Steckerlfisch, Kaffee, Kuchen und mehr. Um das vielfältige Angebot aufrecht erhalten zu können, „muss halt auch die Nachfrage passen“, erklärt Moser.

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Kein Essen mehr mitbringen im Biergarten in Haag: Wirte wollen Ausgabe öffentlich aufschlüsseln

Die beiden haben sich nach dem Shitstorm als Reaktion auf ihr Schild am Eingang sogar überlegt, einmal all ihre Ausgaben aufzuschlüsseln. „Wir werden jetzt öffentlich als gierige Wirte hingestellt, die sich die vollen Taschen noch voller machen wollen, das ärgert uns.“ Was alles gezahlt werden müsse, interessiere die Kritiker nicht: „Wir zahlen das ganze Jahr über Pacht, wir stellen die Parkplätze, die wir selbst nur gepachtet haben, kostenfrei zur Verfügung, es gibt bei uns regelmäßig Livemusik, ohne dass wir an diesen Tagen Eintritt verlangen“, listet Moser einen Teil der Fixkosten auf.

Für die großen, alten Kastanien müssen regelmäßig teure Baumgutachten der Sicherheit wegen erstellt werden, das Biergartengelände sei zudem sehr pflegeintensiv. Seit Corona kommt ein weiteres Problem dazu: „Es gibt kein Personal mehr in der Gastronomie, schon gar nicht im Saisongeschäft.“ Die Folge: Um überhaupt Mitarbeiter zu finden, müsse weit über Tarif bezahlt werden.

Doch bei all der Kritik gerade gibt es auch viele, die auf ihrer Seite stehen, wie die beiden Wirte sagen: „Viele finden, das Schild war längst überfällig.“

Kein Essen mehr im Biergarten mitbringen: Stoibermühle-Wirt unterstützt Haager Kollegen

„Die Biergartenverordnung ist ein Riesenkas!“: Der Wirt des Biergartens Stoibermühle, Nikolaus Hainthaler, steht voll und ganz hinter seinen Kollegen in Haag. Alles werde immer teurer, die Wirte müssten sehen, wie sie ihre Unkosten decken. „Wenn einer kommt und höflich fragt, ob er einen Geburtstagskuchen mitbringen darf, ist das kein Problem“, sagt er. Leute, die aber kommen und ihr Buffet aufbauen, wie er das schon erlebt hat, bittet auch er, seinen Biergarten zu verlassen.

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