„Es ist nicht ausgeschlossen, dass das so weitergeht“

Erneutes Erdbeben östlich von München

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Die Geothermiebohrung in Poing beim Start 2008 und die Messung der Österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik aus der Nacht von Montag auf Dienstag. Die „Herdzeit“ ist in Weltzeit, „Greenwich Meantime“, angegeben, daher die Verschiebung zur Ortszeit um eine Stunde.

Poing - Eine erneute Erschütterung in den frühen Morgenstunden weckte einige Bürger in den Gemeinden Poing und Pliening. Der Erdbebendienst zeigt sich gelassen, aber wachsam.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Monat hat im Landkreisnorden die Erde gebebt. Wieder meldeten sich EZ-Leser via Facebook und berichteten von einer leichten Erschütterung, am Dienstagmorgen gegen 4.30 Uhr. Bereits am 7. Dezember hatte ein Erdstoß in Pliening und Poing für Aufregung gesorgt.

Die Stärke diesmal: je nach Messung 2,3 oder 1,8

Die Bestätigung ließ nicht lange auf sich warten: Die Österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik meldet ein Beben in der Gegend. Das Epizentrum diesmal: Sechs Kilometer unter Landsham (Gemeinde Pliening). Dem österreichischen Institut zufolge hatte das Beben die Stärke 2,3 auf der Richterskala. Das ist niedriger als die Erstmeldung des Erdstoßes vom Mittwoch, 7. Dezember. Auch der Bayerische Erdbebendienst gab gegen Mittag eine Meldung heraus. Das Institut bezifferte die Stärke auf 1,8 und verortete das Epizentrum zwischen Landsham und Pliening in einer Tiefe von sieben Kilometern.

Hier lag der österreichischen Messung zufolge das Epizentrum:

Die Erschütterung war in den Gemeinden Poing und Pliening zum Teil spürbar. Eine Bürgerin aus Landsham berichtete gestern Vormittag unserer Zeitung: „Das hat sich angehört, als wäre ein Lastwagen gegen ein Haus gefahren. Wumms! Es war ein einzelner Knall.“ Die junge Frau sah aus dem Fenster, konnte aber nirgendwo Anzeichen für einen Verkehrsunfall entdecken. 

Trotz der äußerst geringen Bebenstärke an der Grenze dessen, was überhaupt spürbar ist, beobachten die Experten vom Bayerischen Erdbebendienst die Entwicklung im Landkreisnorden aufmerksam. Das betont Joachim Wassermann, Leiter der Abteilung Seismologie des Geophysikalischen Observatoriums in Fürstenfeldbruck, auf Anfrage unserer Redaktion: „Wir haben nach dem ersten Erdstoß Messstationen in der Region aufgestellt.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass es so weitergeht“

Gefährlich sei die Lage „erstmal noch nicht“, sagt der Erdbebenspezialist. „Die Beben bleiben klein, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es so weitergeht.“ In Unterhaching habe es einen ähnlichen Fall mit vier Erschütterungen innerhalb eines kürzeren Zeitraumes gegeben.

Dass die Geothermie die Ursache für die kleinen Erschütterungen ist, scheint für den Erdbebendienst außer Frage zu stehen. Die mögliche Ursache für zwei Erschütterungen in so kurzer Zeit könne im erhöhten Energiebedarf wegen der Winterkälte liegen, den die Geothermie-Bohrung decken müsse. Je mehr heißes Thermalwasser dem Boden entnommen wird, desto größer die Auswirkungen. „Vielleicht müssen sie mit dem Volumen runter“, sagt der Geophysiker Wassermann an die Adresse des Betreibers der Anlage, der Bayernwerk AG.

Betreiber streitet Verantwortung ab

Die verschickte am Dienstagnachmittag per E-Mail eine kurze schriftliche Stellungnahme: „Das Bayernwerk geht nach wie vor davon aus, dass der Betrieb der Geothermieanlage in Poing nicht ursächlich für seismische Ereignisse in der Region ist. Indizien für diese Einschätzung sind die Unauffälligkeit der aktuellen Betriebsdaten, der Verzicht auf Verpresspumpen mit hohem Druck bei der Rückführung des Thermalwassers und die Bohrtiefe von etwa drei Kilometern. Das Beben heute soll erneut in mindestens doppelter Tiefe ausgelöst worden sein.

Weitere Anhaltspunkte für die fachliche Betrachtung kann möglicherweise die kürzlich installierte Seismik-Messung liefern. Die zusätzlich gewonnenen Daten stellt das Bayernwerk den zuständigen Behörden zur Auswertung zur Verfügung.“ 

Poings Bürgermeister verlangt Aufklärung

Poings Bürgermeister Albert Hingerl sieht die zwei Erdstöße binnen kurzer Zeit mit Sorge. Zumal bei Bürgern Verunsicherung darüber herrsche, ob derartige Ereignisse weiter auftreten, und es widersprüchliche Aussagen darüber gebe, ob und welchen Einfluss die Geothermiebohrungen haben. „Das Bayernwerk muss jetzt alles dafür tun, die Sache aufzuklären“, forderte der Rathauschef im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung.

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