Große Trauer um Tilman T.

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Unter großer Anteilnahme ist Tilman T. beigesetzt worden

München - Der im Dachauer Amtsgericht erschossene 31-jährige Staatsanwalt Tilman T. wurde am Donnerstag in München beigesetzt. Eine öffentliche Trauerfeier ist für kommenden Montag geplant.

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Es war am Mittwoch vor einer Woche, als Staatsanwalt Tilman Turck (31) aus dem Leben gerissen wurde. Kurz vor 16 Uhr, bei der Urteilsverkündung, feuerte der Angeklagte Rudolf U. (54) im Amtsgericht Dachau auf den jungen Juristen. Drei Schüsse trafen ihn. Tilman Turck starb eine Stunde später im Krankenhaus.

Acht Tage nach den tödlichen Schüssen nahmen seine Ehefrau, seine Eltern und Geschwister in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von Tilman Turck. Mehr als 500 Menschen waren am Mittwochvormittag in die Stadtpfarrkirche St. Sylvester in Altschwabing gekommen. Unter den Trauergästen waren neben Freunden und Kollegen der bayerischen Staatsanwaltschaften auch Vertreter der Polizeipräsidien und Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU). Auch der Dachauer Amtsrichter Lukas Neudeck (35) war dabei. Er hatte sich an jenem verhängnisvollen Mittwochnachmittag vor den Schüssen ducken können. Als der hasserfüllte Todesschütze ihn nicht getroffen hatte, zielte er stattdessen auf den jungen Staatsanwalt.

Bilder von der Beerdigung

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In der überfüllten Kirche St. Sylvester spielten sich unglaublich bewegende Szenen ab. Tilman Turcks Freunde lagen sich in den Armen, viele von ihnen weinten hemmungslos, andere hielten sich still an den Händen. Dann ergriffen seine Mutter, sein Vater Martin, sein bester Freund und Turcks Doktorvater das Wort. Er spricht von dessen Arbeit über europäisches Insolvenzrecht, die immer noch auf seinem Schreibtisch liege. Er bezeichnete sie als Juwel, als wegweisend. Er will sie bald als Buch veröffentlichen. „Mit seinem Talent und seiner heiteren Art hätte er es bis ans Bundesverfassungsgericht gebracht“, sagt er.

Tilmans bester Freund erinnert sich, wie sie zusammen im Jahr 2006 ein Konzert der Band Pearl Jam in Berlin besucht hatten. Tilman Turck war im Prüfungsstress, trotzdem wollte er sich diesen Auftritt nicht entgehen lassen. Als beide dann nach dem Konzert zufällig vor dem Sänger standen, war der Freund so perplex, dass er nur ein „Thank you for the music“ herausbrachte. Damit habe Tilman ihn seitdem immer aufgezogen. „Ich wünschte mir nichts mehr, als das du mich weiter auslachen könntest“, schloss er seine Rede.

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Nach der Feier zogen die Trauergäste zum Nordfriedhof, wo der mit Blumen geschmückte Sarg in der Aussegnungshalle auf sie wartete. Hier ergreift Tilman Turcks Vater das Wort. Er erzählt, dass er sich mit seinem Sohn vor einiger Zeit über ein Gedicht von Bertolt Brecht unterhalten habe. „Von der Freundlichkeit in der Welt“ heißt es. Vater und Sohn liebten die Poesie, und sie liebten dieses Gedicht. Martin Turck wollte, dass sein Sohn Tilman es auf seiner Beerdigung liest. Irgendwann einmal. „Was für ein Rollentausch“, sagt Martin Turck. Im schwarzem Mantel steht er in der kalten Aussegnunghalle am Münchner Nordfriedhof. Keine fünf Meter vom Sarg entfernt, in dem sein Sohn Tilman liegt. Zum Schluss geleiteten die Trauergäste Tilman Turcks blumengeschmückten Sarg zu seiner letzten Ruhestätte, die von gut zwanzig Kränzen umrahmt war.

Trauerfeier am Montag

Ein Staatsanwalt, erschossen im Dienst für die Gesellschaft: Es war ein Schock für ganz Bayern. Deshalb wird ihm jetzt auch ganz Bayern die letzte Ehre erweisen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat für Montag Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden angeordnet. Das gilt auch für Gebäude von Gemeinden, Landkreisen und Bezirken. Ebenfalls am Montag ist ab neun Uhr morgens in der Münchner Kirche St. Michael eine öffentliche Trauerfeier geplant. Prälat Lorenz Wolf, Münchner Domdekan und Leiter des Katholischen Büros Bayern, wird das Requiem zelebrieren. Justizministerin Beate Merk will an dem Gottesdienst teilnehmen.

tz

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