Erste Erkenntnisse nach tödlichem Brand in Hohenbrunn

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Das Einfamilienhaus steht komplett in Flammen, als die Feuerwehr eintrifft.

Hohenbrunn - Bei dem Brand eines Einfamilienhauses in Hohenbrunn hat sich die traurige Vermutung der Ermittler bestätigt. Der Familienvater hat das Feuer selbst gelegt und sich anschließend das Leben genommen.

Das Löschwasser ist zu Eiszapfen gefroren. Sie hängen von den verkohlten Holzstreben des Fertighauses. Von den Glasresten der zerborstenen Fensterscheiben. Im Dachstuhl, und an dem, was vom Balkon übrig geblieben ist. Überall. Sie spiegeln die kalte Wintersonne. Und das eingestürzte Dach gibt den Blick frei, zwischen den verschmorten Balken hindurch in den hellblauen Himmel. Ein faszinierender Anblick, beinahe schön. Doch das, was in den frühen Morgenstunden des Samstags passiert ist, hat nichts Schönes. Es ist grausam.

Bilder vom Einsatzort

Tödlicher Brand in Hohenbrunn

Es ist 0.40 Uhr, als die Feuerwehr am Brandort eintrifft. Das Haus mit der Nummer 12 liegt ganz am Ende der schmalen Straße. Die Grundstücke hier sind großzügig, meist von schönen Holzzäunen gesäumt. Die Siedlung liegt mitten in einem Wäldchen. Hier wohnt, wer es ruhig und idyllisch mag. Eine Idylle, die der Feuerwehr viel Mühe macht in dieser Nacht. In den engen Fahrwegen ist kaum ein Durchkommen. Die Hydranten sind weit verstreut. Die Einsatzkräfte müssen nachalarmieren. Doch auch mit der Verstärkung bleiben die Widrigkeiten. Es ist minus 20 Grad kalt. Das Wasser in den Rohren gefriert rasend schnell. Die Geräte sind in Minuten von Eis überzogen. Die Einsatzkräfte frieren. Und das große Fertighaus mit dem Balken aus Holz brennt lichterloh. Erst gegen Mittag ist der Brand gelöscht. Doch immer wieder lodern Glutnester auf. Auch am Sonntag ist die Feuerwehr Hohenbrunn vor Ort, sucht mit einer Wärmebildkamera nach Brandherden. Fontänen aus Löschwasser ergießen sich erneut über das Anwesen. Der Schaden beträgt mehr als eine Million Euro.

Was nun in Schutt und Eis liegt, ist das Haus einer einstmals glücklichen Familie. Peter M. (Name geändert) hat hier mit seiner Frau gewohnt. Beide kommen aus Polen, leben seit mehr als 15 Jahren in dem Haus, erzählen die Nachbarn. Zwei Töchter hat das Paar. Beide sind Mitte 20 und studieren schon. Die Ältere wohl in Jena, die Jüngere in Mainz. Peter M. arbeitete als Arzt in einer Gemeinschaftspraxis in München-Schwabing.

Als ihn in der Nacht zum Samstag die Verweiflung packte, war er nach Angaben der Polizei allein daheim. Erste Ermittlungen haben ergeben, dass er das Haus mit einer brennbaren Flüssigkeit angezündet hat. Dann nimmt er einen tödlichen Mix aus Medikamenten ein. Seine Leiche finden Ermittler im Keller des Hauses, wo neben einem Schwimmbad auch ein kleiner Wellnessbereich untergebracht ist. Warum hat der 58-Jährige das getan?

Die Polizei geht von einer Familientragödie aus. Vor einer Woche hat die Frau ihren Mann verlassen, wohnte in der Nähe. Die Ehe sei offensichtlich am Ende, erzählen Nachbarn. Die Frau sei vor Weihnachten zuletzt im Haus gewesen. Von einer „abgöttischen“ Liebe des Mannes ist die Rede. Peter M. habe „immer gut von seiner Frau“ gesprochen, sagt einer. Ein anderer fügt an, die Frau sei wirklich hübsch. Doch die Liebe war gegangen. Ein furchtbarer Schlag für Peter M. Ein Einschnitt in sein Leben, dem er nicht anders zu begegnen wusste als mit dieser grausamen Tat. Eine Tat, die nicht nur sein Leben beendet hat. Sondern zugleich Frau und Töchtern die Heimat raubt. Nichts ist wohl mehr geblieben an persönlichen Gegenständen, Erinnerungen. Alles hat das Feuer geholt. Nur im Erdgeschoss, links neben dem Eingang ist eine Schrankwand stehen geblieben. Ein Bürostuhl aus schwarzem Leder steht noch dort. Ein Bild hängt an der Wand. Nebenan, in der Doppelgarage, ist das Tor auf den Audi A 7 gekracht. Geldsorgen gab es nicht, sagen die Nachbarn. Peter M. habe viel gearbeitet, sei meist schon um 6 Uhr aus dem Haus.

Nein, es ging nicht um Geld. Es ging um eine große, eine verlorene Liebe. Um einen Verlust, der nicht auszuhalten war für Peter M. – und der vielleicht eine grausame Strafe nach sich ziehen sollte.

von Ilsabe Weinfurtner

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