Erste Hilfe 10.000 Meter über Kairo

Der Retter über den Wolken: Sascha Weber

Flughafen - Als der Kapitän per Lautsprecher nach einem Arzt oder medizinischem Personal fragt, zögert Sascha Weber keine Sekunde. Vier Stunden lang betreut der 39-Jährige eine kollabierte Passagierin.

Sascha Weber aus Tittenkofen (Gemeinde Fraunberg) hat als freiberuflicher Kameramann jede Menge um die Ohren. Umso mehr genießt der 39-Jährige mit seiner Gattin Susanne (31) eine Woche Urlaub in Ägypten. Am Sonntag in aller Herrgotts Früh treten beide die Heimreise an – mit dem Air-Berlin-Flug AB 3543 von Hurghada nach München. Der Filmer und die Zöllnerin haben es sich in der Boeing 737 gerade gemütlich gemacht, als der Pilot einen ärztlichen Notfall meldet und um medizinische Hilfe aus den Reihen der Passagiere bittet.

Weber, der bis vor einigen Jahren als Rettungsassistent bei der Berufsfeuerwehr Trier gearbeitet hat, springt sofort aus seinem Sitz in der 22. Reihe und läuft in Richtung Cockpit. Zwischen der Tür zu den Piloten und der Bordküche liegt eine Frau bewusstlos am Boden. Es handelt sich um eine 72-Jährige aus Ingolstadt. Recht schnell findet Weber heraus: Es war weder ein Schlaganfall noch ein Herzinfarkt, doch die Dame sackt immer wieder in sich zusammen, ihr Kreislauf will einfach nicht in Gang kommen.

Der Pilot fragt, ob er den nächstgelegenen Flughafen ansteuern soll – Kairo. Doch Weber ist überzeugt, die 72-Jährige schafft es bis München. Denn mittlerweile weiß er: Der Stress und das stundenlange Warten vor dem Start hat die Frau derart überfordert, dass der Blutdruck nicht mehr mitspielte. „Das war eine Hypotonie“, berichtet er. Gemeinsam mit zwei hilfsbereiten Flugbegleiterinnen aus Eitting und Sixthaslbach im Kreis Freising bringt er die Passagierin in die stabile Schocklage. Bis zur Landung überprüft er ständig alle Vitalfunktionen und schreibt ein Notfallprotokoll.

Zu dritt stützen sie die Patientin, die sich bei der Landung nicht anschnallen kann, aber dennoch vor möglichen Turbulenzen geschützt werden muss. Die Maschine nimmt derweil mit voller Fahrt Kurs aufs Erdinger Moos. Noch vor der Landung meldet der Pilot den ärztlichen Notfall. Als die rot-weiß lackierte Boeing am Terminal 1 andockt, stehen schon ein Rettungswagen und ein Notarzt auf dem Vorfeld bereit, die die 72-Jährige in Empfang nehmen und sofort ins nächste Krankenhaus bringen.

Ihr Sohn, der neben seiner Mutter im Flieger sitzt, erfährt von dem Zwischenfall erst, als das Schlimmste bereits überstanden ist. „Er hat tief geschlafen und gar nicht bemerkt, wie sich seine Mutter durch den Gang zum Cockpit gequält hat“, berichtet der Kameramann. Er ist heilfroh, dass er helfen konnte. Gefreut hat er sich aber auch über die Resonanz seitens der Airline. „Die haben sich tausendmal bedankt und wollten meine Adresse, um sich erkenntlich zu zeigen.“

Hans Moritz

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