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„War ein brutales Vorgehen“: Oberbayer demonstrierte in Lützerath und übt Kritik an der Polizei

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Von: Dominik Stallein

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Polizisten auf der Demo
Großer Einsatz: Bei der Demo in Lützerath waren viele Sicherheitskräfte dabei. Es gibt Kritik - sowohl an den Einsatzkräften als auch an den Demonstranten © INA FASSBENDER

Marius Schlosser (27) demonstrierte gegen die Räumung des Dorfs Lützerath in Nordrhein-Westfalen. Der Grünen-Politiker aus Geretsried berichtet von seinen Erlebnissen.

Geretsried/Lützerath – 35 000 Demonstranten begleiteten laut Veranstalter die Proteste im nordrhein-westfälischen Lützerath. Einer der Demonstranten: der Geretsrieder Marius Schlosser. Der 27-Jährige protestierte am Samstag gegen die Räumung des Dorfes am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler. Hier möchte der Energieriese RWE die unter dem Dorf liegende Kohle abbauen. Eine Entscheidung, die für viel Kritik aus dem Lager der Klimaaktivisten sorgt.

„Es war ein brutales Vorgehen“: Geretsrieder demonstrierte in Lützerath

„Ich bin mit dem Kohle-Kompromiss nicht einverstanden“, erklärt der Geretsrieder seine Motivation, mit einem von Münchner Klimaaktivisten organisierten Reisebus nach Nordrhein-Westfalen zu fahren. Schlosser ist Bezirkstagskandidat der Grünen im Stimmkreis 111, der den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und das südliche Garmisch-Partenkirchen abdeckt. „Ich kritisiere da auch meine Partei.“ Die Grünen sind Junior-Partner der CDU in Nordrhein-Westfalen und Teil der Ampelkoalition im Bund. „Zur Wahrheit gehört, dass die Grünen keine absolute Mehrheit haben“, es sei also nicht richtig, dass sich die ganze Kritik für das von Aktivisten angeprangerte „Klimaverbrechen“ in Lützerath an ihnen entlade. „Die Abhängigkeit fossiler Energien wie der Kohle ist auch eine Altlast aus 16 Jahren CDU-Regierung im Bund.“

Marius Schlosser in Lützerath
Marius Schlosser aus Geretsried demonstrierte in Lützerath. © Schlosser

Marius Schlosser: Grüner aus Geretsried bei Klimademo - „Ich kritisiere da auch meine Partei“

Die Proteste in Lützerath sorgten für viel Wirbel. Laut Polizei hatten etwa 1000 Protestler versucht, den Zaun des abgesperrten Geländes zu stürmen, um in das verwaiste Dorf zu gelangen. Um sie abzuhalten, setzten die Einsatzkräfte Pfefferspray, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Die Bundesinnenministerin kritisierte das Vorgehen der Demonstranten. „Das ist verantwortungslos“, schrieb Nancy Faeser (SPD) in einer Pressemitteilung. Viele Polizisten seien verletzt worden, Faeser sprach von einer „bitteren Bilanz“. „Wer seine Anliegen mit Gewalt erzwingen will, verlässt den demokratischen Diskurs.“

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Klimaaktivisten kritisieren Polizeieinsatz - Innenministerin kontert und spricht von „Gewalt“

Einige Klimaaktivisten hingegen sprechen von überzogener Polizeigewalt – auch Schlosser sieht das so. „Das Vorgehen der Polizei war das rabiateste, das ich bisher auf einer Klimademonstration erlebt habe“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe in den vergangenen Jahren häufig an Umweltprotesten teilgenommen, „aber so etwas habe ich noch nie erlebt“.

Der Geretsrieder berichtet von Einsatzkräften, die „mit Anlauf“ in Menschengruppen gestürmt seien oder mit Schlagstöcken bereits am Boden liegende Demonstranten traktiert hätten. „Es war ein brutales Vorgehen.“ Auf der Fotoplattform Instagram findet Schlosser deutliche Worte. „Besonders schockiert war ich über die teils massive Polizeigewalt. Diese zeigt leider, dass die Profitinteressen von RWE aktuell nicht nur über das Erreichen unserer Klimaziele, sondern auch Leben und Gesundheit friedlicher Klimaaktivist*innen gestellt werden“, schreibt er in seinem Beitrag. Den veranschaulicht Schlosser mit Bildern der Demonstration.

Herbert Reul und Luisa Neubauer geraten bei ARD-Sendung aneinander

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Sonntagabend bei der ARD-Talkrunde Anne Will Vorwürfe der deutschen Fridays-for-future-Frontfrau Luisa Neubauer kommentiert. Er sagte, er habe „ein, zwei Filme im Netz gesehen, wo wir sagen: ,Das sieht nicht gut aus`“. Jeder Vorwurf gegenüber den Einsatzkräften würde untersucht, erklärte Reul in der TV-Sendung.

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An dem Vorgehen RWEs änderte die Groß-Demonstration nichts. „Das Thema ist leider durch“, sagt der Geretsrieder Schlosser. Trotzdem sei es ihm wichtig gewesen, für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu demonstrieren. „Gutachten haben gezeigt, dass wir die Kohle unter Lützerath nicht brauchen und wir das CO2-Konto erneut überziehen werden.“

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