„Escape Game“: Spielspaß in Ottobrunn

In 60 Minuten aus dem Labyrinth

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Kennerblick: Christian kennt sich aus.

Voller Rätsel und Geheimnisse: „Escape Games“. In Ottobrunn können Gruppen zusammen tüfteln, raten, kombinieren, um dem Labyrinth zu entfliehen. Sie haben genau eine Stunde Zeit. 

Ottobrunn – „Escape Game“. Was bitte schön ist das? Wer den Namen zum ersten Mal hört, denkt wahrscheinlich an ein Computerspiel. Schon wieder so eines, bei dem man sich einen Weg durch die virtuelle Welt bahnen soll? Mitnichten. „Escape Games“, auch „Live Exit Games“ genannt, werden nicht am Computer gespielt, sondern sind ein echtes Gruppenerlebnis für zwei bis sechs Spieler – wenngleich in Deutschland noch relativ unbekannt (siehe Kasten).

In Ottobrunn, im Jägerweg 10, bietet das junge Unternehmen „One Hour Left“ seit anderthalb Jahren ein solches „Escape Game“ an. Der Name ist Programm: „One hour left“ bedeutet so viel wie „noch eine Stunde Zeit“. Denn in genau 60 Minuten sollen die Spieler den Ausgang aus einem kleinen Labyrinth von Räumen finden, in das sie zuvor eingeschlossen wurden. Um die Tür zu entriegeln, müssen sie Rätselfragen lösen, Zahlenschlösser knacken und in teils aufwendig ausgestatteten Räumen immer wieder nach entscheidenden Hinweisen suchen. „Trial and error“ lautet die Devise. „Versuch und Irrtum.“

„Wenn es eine Gruppe innerhalb von einer Stunde schafft, ist sie immer ganz euphorisch“, sagt Dina (26) und schickt ein strahlendes Lächeln hinterher. Die junge Frau ist der kreative Kopf hinter „One Hour Left“ und zuständig für Raumplanung und Marketing. Von ihr stammen die Ideen für das Spiel „Außer Kontrolle“ und – ganz neu – „Hypnose/Psychose“.

Fünf Monate lang hat das insgesamt sechsköpfige Team an diesem Spiel gefeilt, die Räume entsprechend hergerichtet, die Effekte mithilfe eines Technikers umgesetzt. „Während man da drin ist, vergisst man, dass es ein Spiel ist“, sagt Dina.

Und tatsächlich: Der Selbst-Test im „Psychose-Spiel“ hinterlässt einen starken Eindruck. Die Aufgaben sind kniffelig und erfordern nicht nur Grips, sondern teils auch beherztes Zupacken und Ausprobieren (siehe Kasten). Allerdings: Keine Gruppe wird im Spiel ganz allein gelassen. Christian (29), der sich wie alle im Team, nur mit Vornamen vorstellt, kann über Lautsprecher kleine Hinweise geben.

In München gibt es derzeit sechs Anbieter. Als Paul „One Hour Left“ im November 2014 gegründet hat, waren es nur zwei. Ganz langsam wächst der Markt also auch in Deutschland. Dabei haben längst nicht alle „Escape Games“ die gleiche Qualität. In Ottobrunn verfolgt das Team um Dina, Paul und Christian ein besonders anspruchsvolles Konzept. „Bei uns steckt hinter jedem Spiel eine zusammenhängende, komplexe Geschichte“, sagt Dina. „Damit sind wir bislang in und um München die Einzigen.“ Das hat sich mittlerweile so weit herumgesprochen, dass sich eine Franchise-Nehmerin bei „One Hour Left“ gemeldet hat. Sie wird das erfolgreiche Ottobrunner Konzept nun auch in einer neuen Spielstätte in der Münchner Innenstadt umsetzen.

Schließlich ist das besondere an „Escape Games“, dass jeder Anbieter das Spiel ganz individuell aufbauen kann. Und dadurch sagt jedes Spiel auch etwas über die Gepflogenheiten einer Gesellschaft aus. „In asiatischen Ländern zum Beispiel wollen die Spieler, dass möglichst viele Gegenstände versteckt werden“, weiß Dina. „Die lieben das Suchen.“ In Russland dagegen entwickelt sich die Spielidee gerade zu „Sport Escape Games“ weiter, und in den USA stehen Räume mit Schauspielern hoch im Kurs, die sich als „lebensechte Zombies“ oder andere Kreaturen verkleiden.

Und in Deutschland? „Hier kommt eine Mischung aus Rätselraten und Suchen gut an, bei dem jeder Mitspieler seine Qualitäten einbringen kann“, sagt Paul.

Die Räume in Ottobrunn werden deshalb auch häufig für Teambuilding-Maßnahmen genutzt. Dutzende namhafte Unternehmen, darunter Airbus, Wrigley und BSH, haben ihre Mitarbeiter durch das „Escape Game“ geschickt. Die Namen prangen an einer Tafel im Foyer. Das kommt einer kleinen Auszeichnung gleich. Schließlich werden hier nur die Teams vermerkt, die das Spiel auch tatsächlich innerhalb einer Stunde geschafft haben.

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