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Dutzende Eschen in Benediktbeuern werden gefällt: „Es ist eine Tragödie“

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Rund 60 vom Eschentriebsterben befallenen Bäume müssen entlang des Waldwegs zwischen dem Benediktbeurer Alpenwarmbad und Ried gefällt werden. Eingeschleppter Pilz dezimiert seit Jahren den Bestand Arbeiten dauern voraussichtlich drei Tage
Rund 60 vom Eschentriebsterben befallenen Bäume müssen entlang des Waldwegs zwischen dem Benediktbeurer Alpenwarmbad und der B11 gefällt werden. © arp

Das Eschentriebsterben macht dem Baumbestand am Benediktbeurer Waldweg zu schaffen. Der Tölzer Forstbetrieb muss nun 60 weitere Bäume fällen.

Benediktbeuern – Ein lauter Warnruf. Motorsägen sind zu hören. Dann ein kurzer Ruck am Stahlseil, das über eine Umlenkrolle zwischen Rückefahrzeug und Baum gespannt ist – und schon fällt die große Esche. Am Montag haben entlang der Ortsstraße zwischen dem Benediktbeurer Alpenwarmbad und der B11 Baumfällarbeiten begonnen. Der Forstbetrieb Bad Tölz der Bayerischen Staatsforsten muss zahlreiche Eschen entfernen – schweren Herzens.

Benediktbeuern: „Es ist eine Tragödie, was mit den Eschen passiert“

Seit Jahren dezimiert ein eingeschleppter Pilz den Bestand der heimischen Baumart. „Es ist eine Tragödie, was mit den Eschen passiert“, sagt der Tölzer Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann. Dabei sei das eine so „tolle alte und mystische Baumart“, deren biegeelastisches Holz vielfältig eingesetzt werde. „Werkzeugstiele sind aus Eschenholz oder auch Turngeräte wie ein Barren“, sagt er.

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Es ist nicht das erste Mal, das ein Pilz eine Baumart in ihrem Bestand bedroht. „Die Ulmen haben wir nahezu verloren“, sagt Plochmann. „Und so viele Baumarten haben wir hier ja nicht.“ Mit jeder eingeschleppten Krankheit drohe „unsere Waldgesellschaft zu verarmen. Die Artenvielfalt ist gefährdet.“

Baumfällen in Benediktbeuern: Im Vorfeld Kontakt zum Bund Naturschutz aufgenommen

Dennoch führt kein Weg am Fällen der Eschen entlang des Waldwegs vorbei. Etwa 60 Bäume hat der kommissarische Revierleiter Alexander Mair mit Farbe markiert. Plochmann weiß, dass Menschen oft wenig Verständnis für solch umfangreiche Eingriffe haben. „Deshalb wollen wir das erklären, Wir wollen die Bäume nicht fällen, aber wir müssen“, sagt er beim Termin vor Ort. „Die Menschen hier haben eine innige Beziehung zum Wald und sind traurig, wenn der Lieblingsbaum nicht mehr da ist. Das kann ich nachvollziehen.“ Und weil Plochmann eben weiß, dass es oft wenig Verständnis gibt, hat er im Vorfeld Kontakt mit Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, aufgenommen und ihm die Maßnahme erklärt. „Weil ihn bestimmt auch einige Leute anrufen werden“, sagt der Forstbetriebsleiter.

Wenn der Forstbetrieb Verkehrssicherungspflicht nicht nachkommt, haftet er für Schäden

Den Staatsforsten aber bleibe keine andere Möglichkeit, schließlich haben sie an der Straße die Verkehrssicherungspflicht. „Wir müssen dafür sorgen, dass vom Wald keine Gefahr ausgeht.“ Komme man dieser Pflicht nicht nach, „könnten wir für Schäden haftbar gemacht werden“. Tatsächlich weiß Plochmann aus eigener Erfahrung, dass vom Eschentriebsterben befallene Bäume durchaus recht unvermittelt umfallen können. „Bei einem Termin im Wald bei Eurasburg ist 50 Meter neben uns eine Esche einfach umgefallen.“ Das Problem ist, dass ein vom Eschentriebsterben befallener Baum so geschwächt ist, dass auch andere Krankheiten, Schädlinge und Pilze leichtes Spiel haben. Im Eurasburger Fall hatte ein Hallimasch-Pilz die Wurzeln des Baums befallen.

Gearbeitet wird unter anderem mit einem ferngesteuerten Fällkeil

Mair hofft, dass die Fällarbeiten in drei Tagen über die Bühne gegangen sind. „Es hängt immer von Wind und Wetter ab. Aber ich hoffe, dass wir zügig durchkommen.“ Das Fällen der kranken Eschen ist für die Waldarbeiter des Forstbetriebs nicht ganz ungefährlich. Denn viele der Äste sind abgestorben und drohen abzubrechen, wenn weiter unten am Stamm gearbeitet wird. „Wenn sie unten mit der Axt draufhauen, können sich oben Äste lösen. Das ist durchaus eine gefährliche Geschichte“, sagt Plochmann. Daher wird unter anderem mit ferngesteuerten Fällkeilen gearbeitet, die aus sicherer Entfernung aufgeklappt werden können oder eben mit einem Stahlseil an einem Rückefahrzeug.

Die gefällten Eschen werden zu Industrie- oder Brennholz verarbeitet. Nachpflanzungen sind keine vorgesehen. „Wir haben in diesem Bereich eine gute Verjüngung“, sagt Mair. Während der Fällarbeiten ist der Waldweg komplett gesperrt.

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