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Bieterstreit um beliebte Bergalm: Spekulationen blühen - „Das kann nicht gut gehen“

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Von: Andreas Seiler

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Eine Almwirtschaft liegt mitten in der Natur auf einer großen Wiese. Man sieht im Hintergrund Berge, Kühe grasen.
Heiß begehrt: die idyllisch gelegene Esterbergalm. © Peter Kornatz

Eigentlich hat der Gemeinderat die Weichen gestellt: Die Esterbergalm soll an die Weidegenossenschaft Partenkirchen veräußert werden. Doch nun treten zwei weitere potenzielle Käufer auf.

Garmisch-Partenkirchen – Das Thema ist in Garmisch-Partenkirchen Ortsgespräch und lässt Spekulationen blühen: Der Markt ist drauf und dran, die Esterbergalm (1262 Meter) – eine denkmalgeschützte Hofstätte, herrlich gelegen auf der Hochfläche zwischen Wank und Hohem Fricken – an die Weidegenossenschaft Partenkirchen zu verkaufen. Zum Paket gehört auch das Grünland ringsherum – insgesamt rund 26 Hektar.

Veräußerung um Esterbergalm: Berggasthof soll wohl langfristig gesichert werden

Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Aber der Gemeinderat hat hinter verschlossenen Türen zumindest einen Grundsatzbeschluss gefällt. Details sind nicht bekannt. Nur soviel: Mit dem Immobiliendeal soll, so die Begründung, der Erhalt der kleinen Landwirtschaft mit Berggasthof, seit dem 16. Jahrhundert in Gemeindebesitz und beliebt bei Wanderern und Mountainbikern, langfristig gesichert werden.

Ein lächelnder Mann im Porträt mit Lederhosen.
Gemeinderat Martin Sielmann will die Esterbergalm kaufen. © FOTOPRESS THOMAS SEHR

Doch jetzt melden zwei weitere mögliche Investoren unabhängig voneinander Kaufinteresse an: Martin Sielmann, Kreis- und Gemeinderat der FDP, sowie Toni Simon, seit 19 Jahren Esterbergalm-Pächter, wären ebenfalls gerne Eigentümer der besonderen Liegenschaft – und haben konkrete Vorstellung über die weitere Nutzung. Bemerkenswert: Beide behaupten, ohne konkrete Zahlen zu nennen, deutlich mehr als die Weidegenossen zu bieten.

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Entsprechende Schreiben seien ans Rathaus und den Gemeinderat verschickt worden. Der Fall wirft Fragen auf: Wie viel ist die Esterbergalm mit ihren Wiesen- und Weideflächen überhaupt wert? Dem Vernehmen nach kursieren verschiedene Angebotssummen in Höhe von jeweils mehreren hunderttausend Euro. Und wie soll die Gemeinde jetzt weiter verfahren? Aus dem Gemeinderat sind auch Stimmen zu vernehmen, die generell von einem Verkauf – egal an wen – nichts halten.

Das Porträtbild zeigt einen Mann mit grauem Dreitagebart, grauen Haaren und einem gestreiften Hemd.
Auch Toni Simon, langjähriger Pächter der Esterbergalm, hat mitgeboten. © Peter Kornatz

Wie dem auch sei: Sielmann bringt sich als bessere Alternative zur Weidegenossenschaft in Stellung. „Aus meiner Sicht ist das Problem bei dieser Verkaufsabsicht, dass eine Genossenschaft sich jederzeit auflösen kann und ihr Vermögen an die Genossen ausschüttet“, argumentiert der Freie Demokrat. Dabei möchte die Gemeinde den Weiterverkauf an Dritte vertraglich ausschließen und festschreiben, dass im Worst Case die Immobilie wieder an sie zurückfällt. Er, so Sielmann weiter, werfe „aus Idealismus“ seinen Hut in den Ring und garantiere den Erhalt.

Bieterstreit um Esterbergalm: Noch-Pächter Simon - „Ich bin schon mein Leben dort droben“

Die Pachtverhältnisse mit den Weidegenossen und Wirt Simon könnten ihm zufolge fortgesetzt werden. Und der Erlös könnte in einen Sonderfonds fließen, um, wie von Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) angeregt, den Schutz der Natur und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu fördern. Sielmann bringt noch eine Idee ins Spiel: eine gemeinnützige Stiftung als Partner. Die Organisation könnte die Esterbergalm für ihre Kinder- und Jugendarbeit auf dem Gebiet der Naturpädagogik nutzen, schlägt der Kommunalpolitiker vor. Und langfristig sei auch eine Zustiftung „nicht ausgeschlossen“.

Seine Verbundenheit zur Esterbergalm führt Simon ins Feld. „Ich bin schon mein Leben dort droben“, sagt der 65-Jährige. Er würde das historische Gebäude renovieren und den Betrieb wie bisher fortführen. Den Pachtvertrag habe er zum 31. Oktober gekündigt, berichtet er. Denn mit der Weidegenossenschaft als neue Eigentümerin komme er nicht klar. „Das kann nicht gut gehen.“ Bei dieser hätten, so Simons Bedenken, zu viele Personen ein Mitspracherecht. Mit der Gemeinde funktioniere die Zusammenarbeit dagegen sehr gut, denn: „Da habe ich nur einen Ansprechpartner.“

Rathauschefin Koch betont indessen, dass der gefasste Grundsatzbeschluss des Gemeinderats nur für einen Verkauf an die Weidegenossenschaft gelte. In der Verwaltung werde geprüft, ob der Markt in dieser Sache ausschreibungspflichtig ist. „Es geht alles seinen Gang.“ Zur Preisdebatte wollte sich die Bürgermeisterin nicht näher äußern. Nur soviel: Der Wert der Immobilie sei von einem Gutachter ermittelt worden. Darunter dürfe man nicht verkaufen. Sielmann müsste diese Expertise kennen.

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