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Insolventes Pflegeheim: 28 Bewohner müssen in aller Eile umziehen

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Von: Thomas Zimmerly

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Das Pflegezentrum Esterhofen ist insolvent. Alle Bewohner konnten in den Pro-Seniore-Wohnpark nach Ebersbach umziehen.
Das Pflegezentrum Esterhofen ist insolvent. Alle Bewohner konnten in den Pro-Seniore-Wohnpark nach Ebersbach umziehen. © bw

Das Pflegezentrum Esterhofen hat Insolvenz angemeldet. Die 28 Bewohner und ihre Angehörigen traf die Nachricht aus heiterem Himmel. Nun mussten sie in kurzer Zeit ein neues Zuhause finden.

Vierkirchen – Eigentlich sollte das von der Firma Paradia, ein privater Anbieter für Pflege- und Betreuungsdienstleistungen, geführte Pflegezentrum Esterhofen lediglich ertüchtigt werden. „Die Zimmer waren nicht mehr zeitgemäß und sollten umgebaut werden“, teilt Vierkirchens Bürgermeister Harald Dirlenbach mit.

Die Arbeiten liefen bereits seit geraumer Zeit. Bis März oder Anfang April kommenden Jahres sollte alles fertig sein, so Dirlenbach. Doch dann meldete Paradia unvermittelt Insolvenz an. Das bedeutete für alle 28 betagten Bewohner, die zuletzt in dem Haus mit seinen insgesamt 58 Pflegeplätzen lebten: Sie mussten gehen.

Pflegeheim bei Dachau meldet plötzlich Insolvenz an: 28 Bewohner müssen gehen

Maria Auracher ist eine der betroffenen Senioren. Am Montag, 12. September, wurde sie 101 Jahre alt. „Als wir an ihrem Geburtstag zu Besuch waren, kam der Geschäftsführer zu uns und hat gesagt: Wir haben Insolvenz angemeldet“, so Christa Auracher, die Schwiegertochter der alten Dame. Niemand in der Familie habe zuvor etwas von der Paradia-Pleite oder einer Schließung des Pflegezentrums gewusst, so Christa Auracher.

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Bei dem Gespräch habe der Geschäftsführer auch mitgeteilt, dass ihre Schwiegermutter in den rund vier Kilometer entfernten Pro-Seniore-Wohnpark Ebersbach übersiedeln könne. Nur drei Tage später, am 15. September, war es soweit. Für die 101-jährige Maria Auracher war es bereits der zweite Umzug innerhalb kurzer Zeit. Sie hatte lediglich ein Jahr lang in Esterhofen gewohnt. Zuvor war sie im Caritas-Altenheim St. Josef in Karlsfeld untergebracht, das mittlerweile ebenfalls geschlossen ist (wir haben berichtet).

„Es war wegen Corona furchtbar schwer, ein neues Heim für meine Schwiegermutter zu finden“, erinnert sich Christa Auracher, die in Pasenbach wohnt, an die Zeit vor einem Jahr. Und nun musste sie miterleben, wie ihre 101-jährige Schwiegermutter schon wieder in eine andere Einrichtung kam. Maria Auracher ist allerdings sehr pflegebedürftig und kann das Geschehen um sie herum nicht mehr wahrnehmen.

Insolventes Pflegeheim: 101-Jährige muss nach einem Jahr schon wieder umziehen

Der rasche Umzug war nur möglich „dank der tollen Unterstützung des Personals beider Einrichtungen“, teilt Sina Török, Pressesprecherin des Landratsamts, mit. Bei der konzertierten Aktion gelang es, neben Maria Auracher auch alle anderen 27 Pflegezentrum-Bewohner umzusiedeln. Seit vergangenem Donnerstag ist das Haus dicht. Doch wie war es möglich, dass der Pro-Seniore-Wohnpark auf einen Schlag 28 Senioren aufnehmen konnte?

Diese Einrichtung wird von der Pro Seniore Consulting und Conception für Senioreneinrichtungen AG mit betrieben, ein Unternehmen mit deutschlandweit über 120 Häusern. Seit Corona gibt es in Ebersbach eine Quarantänestation, die bislang für Krankenhaus-Rückkehrer freigehalten worden war, erklärt Peter Müller, Sprecher der Pro-Seniore-Zentrale in Saarbrücken.

Pflegeheim insolvent: Senioren-Wohnpark springt ein – „Wir halfen gerne“

Nun „war es vorrangig“, so Müller, die 28 Senioren aus Esterhofen auf der Station unterzubringen. Für sein Unternehmen sei es „überhaupt keine Frage gewesen“, sagt Müller. „Wir halfen gerne!“ Und weil für die neuen Bewohner auch neues Personal benötigt wird, machte Pro Seniore allen Pflegekräften aus Esterhofen ein Jobangebot. Fünf der insgesamt 25 Voll- und Teilzeitkräfte dort sagten zu. Sie werden nun weiter ihre Schützlinge betreuen. Nur eben an einem anderen Ort.

Bleibt noch die Frage, warum Paradia in die Insolvenz ging. Dies beantwortet Rechtsanwalt Thomas Klöckner von der Firma Lecon, die die vorläufige Insolvenzverwaltung übernommen hat. Als die Umbauarbeiten in Esterhofen begannen, sei klar gewesen, dass den alten Menschen sowie dem Personal ein Verbleib im Haus nicht zumutbar gewesen sei, so Klöckner.

Also sollten sie vorübergehend nach Ebersbach gebracht werden. Die Ausgaben für den Umzug seien für Paradia kein Problem gewesen. Anders habe die Sache bezüglich der weiter laufenden Kosten für das eigene Pflegezentrum ausgesehen. „Das Geld dafür ist nicht mehr zur Verfügung gestellt worden“, so Rechtsanwalt Klöckner.

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