Die Vergangenheit holt ihn ein

Ehemaliger Drogist erhält unglaublichen Beicht-Brief

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Regelrecht gerührt ist Leo Prumbs, als er in seiner kleinen Drogerie in seinem Privathaus den Brief in Händen hält. Er hat der reuigen Sünderin schon verziehen.

Aßling - Leo Prumbs aus Aßling im Landkreis Ebersberg schwante nichts Gutes, als ihn ein anonymer Brief erreichte. Doch es folgte eine Riesen-Überraschung - und ein Ausflug in die Vergangenheit.

Anonyme Post bedeutet meistens Unheil. Nichts Gutes schwante deshalb Leo Prumbs (77) aus Aßling im Landkreis Ebersberg, als er am vergangenen Donnerstag ein Schreiben ohne Absender in seinem Briefkasten fand. Doch dann die Überraschung: In dem Brief entdeckte der ehemalige Inhaber eines Drogerieladens 150 Euro in bar und ein „Bekennerschreiben“ zu Sünden aus der Vergangenheit.

Vom schlechten Gewissen eingeholt, schrieb sich eine Ladendiebin ihre vor Jahrzehnten begangenen Verfehlungen von der Seele. Schminkartikel habe sie aus jugendlichem Leichtsinn gestohlen, gesteht die Frau in dem Brief. Diese Missetaten hätten sie bis heute nicht losgelassen, weshalb sie nun auf anonymem Weg Wiedergutmachung leisten will. Das ist ihr gelungen: „Ich war überwältigt“, erzählt Prumbs, der schon seit vielen Jahren im Ruhestand ist, gerührt.

In Freising wurde der anonyme Brief abgeschickt, in dem eine Frau gesteht, dass sie vor Jahrzehnten Kosmetikartikel in der Aßlinger Drogerie gestohlen hat.

Dass sich ein Langfinger nachträglich bei ihm meldet, ist ihm noch nie passiert. Schon gar nicht nach so langer Zeit. Wenn der Rentner sich in die Diebin hineinversetzt, spürt er eher Mitleid als Ärger. „Vielleicht wohnt die Dame ja immer noch in der Gegend und ich habe ihr über die Jahrzehnte schon dutzende Male die Hand geschüttelt. Und immer muss sie dabei ein wahnsinnig schlechtes Gewissen gehabt haben“, spekuliert er. Dass in seinem Laden geklaut wurde, war dem Drogisten klar. Wissen wollte er aber lieber nichts davon. „Für manche Aßlinger Jugendliche war es anscheinend eine Mutprobe, bei mir Kosmetikartikel zu stehlen. Dabei wollte ich sie lieber gar nicht erwischen. Den Ärger habe ich mir und ihnen lieber erspart.“

Prumbs hatte immer Vertrauen in seine Kunden. Der Laden, der schon seit vielen Jahren geschlossen ist, blieb häufig unbewacht. Im gleichen Haus betrieb der Aßlinger nämlich noch ein kleines Fotostudio, um das er sich ebenfalls kümmern musste. „Da kam es schon mal vor, dass die Kunden einige Zeit alleine im Geschäft warten mussten“, erinnert er sich. Dass manche dabei lange Finger bekamen, will er nicht bezweifeln.

Das Schreiben, das er nun erhielt, bestärkt ihn aber im Glauben an das Gute im Menschen. Aus den wenigen Zeilen spricht der Herzenswunsch, mit alten Jugendsünden abzuschließen. Wörtlich heißt es in dem Brief: „Sehr geehrter Herr Prumbs, je älter man wird, umso kritischer sieht man die im jugendlichen Leichtsinn begangenen Verfehlungen. Mit dem beigefügten Betrag möchte ich einige vor Jahrzehnten aus Ihrer Aßlinger Drogerie entwendete Schminksachen mit Zins und Zinseszins bezahlen. Zumindest die Schuld ist nun ausgeglichen. Das schlechte Gewissen bleibt.“

Von diesem schlechten Gewissen würde der ehemalige Drogist die Frau gerne befreien. Ihr Geständnis rechnet er ihr hoch an: „Selbstverständlich habe ich der Frau verziehen – nein, der Dame“, verbessert er sich. Den Respekt für die reuige Sünderin merkt man ihm deutlich an. „Wie gerne würde ich ihr die Hand reichen und mich bei ihr bedanken“, sagt er. Die Geste habe ihn menschlich beeindruckt. „Doch leider bleibt die Frau anonym.“ Behalten will Prumbs die 150 Euro übrigens nicht. Der unverhoffte Geldsegen erreichten ihn aus gutem Vorsatz, nun soll er einem guten Zweck zugute kommen.

Josef Ametsbichler

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