Schmutziges Geschäft mit Müller-Insolvenz

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Noch am Vormittag haben die Arbeiter gegen Ostendorf demonstriert

Neufahrn - Der frühere Eigentümer Klaus Ostendorf kauft die insolvente Großbäckerei Müller-Brot zurück. Rund 700 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Die tz verrät, wer mitgeboten hat.

Erst Angst, dann Unverständnis, schließlich Wut! Am Donnerstag demonstrierten rund 400 Beschäftigte des insolventen Großbäckers Müller – bevor sie am Nachmittag erfuhren, was mit dem Unternehmen passiert. Ausgerechnet der frühere Eigentümer Klaus Ostendorf (66) kauft den Betrieb zusammen mit einer Investorengruppe zurück. Jener Klaus Os­tendorf, unter dessen Führung Müller in die Hygiene-Katastrophe geraten war. Der Preis ist geheim. Die tz weiß aber: Os­tendorf stach Evi Müller aus. Die Tochter des ehemaligen Firmen-Patriarchen Hans Müller (81) war zuletzt die Einzige gewesen, die noch gegen Ostendorf geboten hatte.

Müller-Brot Mitarbeiter demonstrieren in München

Müller-Brot Mitarbeiter demonstrieren in München

Das Werk steht seit Wochen still. Hygiene-Kontrolleure hatten den Betrieb einstellen lassen – sie hatten Mäusekot und Schaben gefunden. Was folgte und was jetzt passiert: für die Mehrheit der Mitarbeiter ein Drama. Insolvenzverwalter Hubert Ampferl spricht zwar von einem Erfolg, von bis zu 400 geretteten Arbeitsplätzen. Im Umkehrschluss heißt das aber: Rund 700 der 1080 Mitarbeiter fliegen raus! Ostendorf übernimmt das Werk sowie nur 151 von 230 Filialen.

Für das Ostendorf-Angebot hatte sich der Gläubiger­ausschuss ausgesprochen – mit Zustimmung des Betriebsratsvorsitzenden Ender Onay. Der bekam am Donnerstag die Quittung der zornigen Angestellten: Sie bewarfen ihn mit rohen Eiern. Auch Stefan Huhn (unter Ostendorf Geschäftsführer, jetzt Mitglied der Investorengruppe) bekam ein Ei ab.

Evi Müller versteht die Wut der Belegschaft: „Dass Ostendorf den Zuschlag erhalten hat, ist der absolute Wahnsinn. Ich hätte das Unternehmen von Herzen gern gemeinsam mit dem Münchner Bäckermeister Franz Höflinger übernommen. Das denkt doch kein Mensch, dass ausgerechnet der, der ein Unternehmen gegen die Wand gefahren hat, es wieder kaufen kann. Wir hätten die meisten Mitarbeiter übernommen und wären ein Garant für Sauberkeit und realistisches Wirtschaften gewesen.“

Wie’s jetzt weitergeht? Ostendorf darf nicht backen, muss auf die Hygiene-Genehmigung warten. In den Filialen wird zugekaufte Ware angeboten. Einer der Lieferanten war bisher Bäcker Reinhard Heinz. Nach eigenen Angaben steuerte er bis zu 40 Prozent des Angebots bei. Aber ab jetzt gibt er sein Brot, seine Brezen und seine Süßwaren nicht mehr an Müller ab: „Wir unterstützen das nicht. Das ist unmoralisch.“ 

Susanne Sasse

Das sagen die Betroffenen:

Im Stich gelassen

Ich habe gestern von 4 bis 12 Uhr gearbeitet. Dann bekam ich eine SMS, dass ich Inventur machen soll und danach freigestellt bin. Die Listen musste ich heute zur Betriebsversammlung mitbringen. Ich bin alleinerziehend und habe mich und meine zwei Kinder mit zwei Jobs über Wasser gehalten. Jetzt ist es aus, ich kann nicht mehr schlafen, und ich möchte wissen, warum man uns so arg im Stich gelassen hat.

M. Eichhammer (42), Verkäuferin

Ich habe Angst

Ich arbeite seit 32 Jahren bei Müller. Herrn Ostendorf habe ich genau einmal gesehen, aber die Maschine, an der ich arbeite, die gehört ihm. Es ist die Linie 25, die teuerste im ganzen Betrieb. Vor zehn Jahren hat sie Hans Müller für 32 Millionen gekauft. Seit drei Jahren habe ich geahnt, dass es schiefgeht, weil die Löhne immer später kamen. Als Anlagenführer habe ich immer gut verdient und mir ein Haus am Westpark gekauft. Jetzt habe ich Angst, die Raten nicht mehr zahlen zu können.

Recep Bilgi (46), Anlagenführer

Er kündigte mir

Ich habe seit 1970 für Hans Müller gearbeitet und mit ihm zusammen den Betrieb zum Backkonzern ausgebaut. Ich bin Bäckermeister, war aber bei Müller der „Hygiene-Capo“, wie der Chef immer ­gesagt hat. Mit zehn Mann ­kontrollierte ich ständig alles. Aber wenige Wochen nach der Übernahme der Firma durch Klaus Ostendorf haben sie mich gekündigt, wie die anderen ­damaligen Leistungsträger in der Firma auch.

Helmut Schroth (68)

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