Ex-Polizist: Ich dachte, er erschießt meine Frau

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Vertrieb die Räuber: Helmut Eulenlehner

Planegg - Helmut Eulenlehner (67) ist am Freitagabend im Lottoladen seiner Frau Getrud in Planegg plötzlich zwei Räubern gegenübergestanden. Dann missachtete der Ex-Polizist seinen früheren Leitfaden.

„Spielen Sie nicht den Helden, geben Sie einfach das Geld raus“– gebetsmühlenartig kann Helmut Eulenlehner (67) Tipps herunterbeten, wie man sich bei einem Überfall verhält. Schließlich war er über 40 Jahre lang im Polizeidienst. Aber als er am Freitagabend im Lottoladen seiner Frau Getrud in Planegg plötzlich zwei Räubern gegenüberstand, war alles ganz anders: „Da reagiert man dann plötzlich nur noch emotional.“

Es war kurz vor Ladenschluss, als das kleine Geschäft in der Planegger Bahnhofstraße zum Tatort wurde. Helmut Eulenlehner wartet gerade auf seine Frau. Nachdem sie vor zwölf Jahren Opfer eines Überfalls wurde, holt er sie – wann immer das möglich ist – abends ab. Er steht am Lotto-Tischchen und ratscht mit seiner Ex-Schwägerin, die zufällig im Laden ist, als plötzlich die Tür aufgeht und zwei vermummte Männer den Kiosk betreten. Einer hält in seiner ausgestreckten rechten Hand eine Pistole. „Überfall, Geld her“, sagt er. Eulenlehner verblüfft der Ton: „Das lief alles ganz ruhig ab, fast emotionslos. Einen Moment dachte ich sogar, das ist ein Witz.“ Doch als der Räuber einen Schritt auf seine Frau zugeht, ist klar: Das ist kein Spaß. Eulenlehner rasen tausende Gedanken durch den Kopf. Schließlich sind es die Augen seiner Frau, die ihn handeln lassen: „Sie sah mich an, als ob sie sagen wollte, tu doch was, Helmut … Und ich dachte mir: Der erschießt jetzt vor deinen Augen deine Frau!“

Also zögert er keine Sekunde länger und stürzt sich auf den Räuber. „Ich packte seine Hände und riss sie nach oben. Wenn er schießt, dann in die Luft, dachte ich mir.“ Es folgt ein Kampf – mit beiden Räubern. Die Ex-Schwägerin nutzt das Chaos, rennt auf die Straße. Sie brüllt so lange „Überfall, Hilfe!“, bis die Täter fürchten, entdeckt zu werden – und das Weite suchen.

Sofort wählt Eulenlehner die 110 – und landet in der Warteschleife. Seiner Ex-Schwägerin geht’s am Handy nicht viel besser: „Bitte legen Sie nicht auf“, tönt es aus dem Hörer, als ob sie in der Telekom-Hotline gelandet wäre. „Das geht überhaupt nicht. In einer solchen Situation werden die Sekunden so zur Ewigkeit“, klagt der Ex-Polizist wütend. Ansonsten bescheinigt er den Ex-Kollegen aber eine hervorragende Arbeit.

Der Überfall macht dem Ehepaar Eulenlehner mächtig zu schaffen. „An Schlaf ist nicht zu denken“, sagt der Pensionär: „Wir versuchen, die Ereignisse jetzt durch Gespräche zu verarbeiten.“ Und die Täter? Laut Polizei hatten sie am Planegger Marktplatz hinter einem Streukasten einen schwarzen Rucksack deponiert. Hinweise bitte an Telefon 089-29 10 – 0.

WdP

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