Isegrim im Isental

Experten einig: "Das ist sicher ein Wolf"

Die Bild hatte eine Spaziergängerin gemacht.

Isen - Das Tier, das im Kreis Erding fotografiert worden ist, ist tatsächlich ein Wolf. Dies hat eine vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) in Auftrag gegebene Auswertung der Fotoaufnahmen ergeben.

Lange hat Ulrich Wotschikowsky nicht gebraucht. Zwei, drei Minuten vielleicht. So lange sah sich der führende Wolf-Experte Deutschlands die Fotos von einem Feld nahe Dorfen an. Dann war er sich sicher: „Ja, da steht ein Wolf. Kein Zweifel.“ Doch Wotschikowsky ist Perfektionist: Und so fragte er auch noch ein paar befreundete Fachleute in der Lausitz nach ihrer Meinung. Die Antwort war immer gleich: „Ja klar – ein Wolf.“ Merkwürdig: Das Umweltministerium wollte am Mittwoch weiterhin nichts zu den spektakulären Aufnahmen aus dem Erdinger Landkreis sagen.

Isegrim streunt nun auch durchs Isental. Seit über 130 Jahren war das nicht mehr der Fall. Über das Schweigen der Behörde kann Wotschikowsky nur den Kopf schütteln: „Alle Fachleute wissen, auf den Bildern ist ein Wolf zu sehen. Warum die Bestätigung nicht raus darf, ist mir unerklärlich“, sagt der 73-jährige Oberammergauer, der jahrelang auch den Nationalpark im Bayerischen Wald mitleitete, gegenüber der tz. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte das Ministerium schlicht mit, dass ein Analyseergebnis der Bilder frühestens am Wochenende vorliege.

Setzt die Behörde auf den Faktor Zeit?

Fakt ist: Jedesmal wenn in Bayern ein Wolf gesichtet wird, hält sich die Behörde erstmal still. Der Grund ist für viele Insider klar: Man wolle zum einen vermeiden, dass plötzlich Wolf-Begeisterte ins Isental pilgern, um einen Blick auf den Streuner zu erhaschen. Oder noch schlimmer: dass die Landwirte in der Region in Panik verfallen. Wotschikowsky: „Was natürlich bei einem Tier im Flachland völlig unbegründet wäre.“ Auf jeden Fall vermeidet man Ärger, wenn man den Wolf einfach „unbestätigt“ lässt. Das Ziel: In ein, zwei Wochen ist Isegrim eh wieder ganz woanders und dann herrscht wieder Ruhe.

Ist er das wirklich? Zur Erinnerung: Zwei Frauen hatten zufällig das Tier am Sonntagmorgen neben einer Straße entdeckt und schnell fotografiert. Ist das Raubtier auf der Durchreise? „Das wird sich zeigen“, sagt Wild-Biologe Wotschikowsky. „Er gilt jedenfalls derzeit als durchziehender Wolf.“ Was heißt, dass noch keinerlei Maßnahmen ergriffen werden. Erst wenn das Tier länger als sechs Monate in einem Gebiet verweilt, gilt es als Stufe-2-Wolf. Dann muss die Behörde aktiv werden, um ein sicheres Zusammenleben des Tieres mit den Menschen zu gewährleisten. „Das ist aber bisher noch nie geschehen, weil sich das Umweltministerium und das Landwirtschaftsministerium ständig den Schwarzen Peter zu schieben“, kritisiert Wotschikowsky. Für Menschen sei der Wolf eh nicht gefährlich. „Es geht hier aber um den Schutz von Nutztieren, die der Räuber möglicherweise reißt.“

"In 20 Jahren haben wir auch in Bayern wieder Rudel"

Ach ja, Wotschikowsky ist sich nicht so sicher, dass der Isental-Wolf mit dem Tier aus Brannenburg identisch ist. „Dieser Neue könnte auch aus Sachsen rübergekommen sein.“ Dort gibt es schon länger freie Rudel. „Wir müssen uns eh darauf einstellen, dass noch mehr kommen. In 20 Jahren haben wir auch in Bayern wieder Rudel.“

Armin Geier

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