Extrem seltener Falter in Fursty entdeckt

Maisach - Haben die Naturschützer auf dem früheren Fursty-Militärgelände ein wichtiges Detail übersehen? Allem Anschein nach lebt auf dem Areal ein eigentlich ausgestorbener Falter.

„Wenn das stimmt, dann ist das eine Sensation.“ Das sagt kein träumerischer Naturfreak, sondern eine Sprecherin des Fachplanungsbüros, das Maisach beauftragt hat, um unter anderem das Problem mit den geschützten Flora-Fauna-Habitat-Flächen auf dem Gelände zu lösen. Der in Fachkreisen kurz „Baton“ genannte Westliche Quendelbläuling habe bei den Überlegungen keine Rolle gespielt, sagte die Sprecherin. Als nur „besonders geschützt“ und nicht „streng geschützt“ sei der Schmetterling kein Bestandteil der Untersuchungen gewesen, ergänzt Pia Schmahl, Sprecherin des Landratsamts, in dem die untere Naturschutzbehörde angesiedelt ist.

Nur per Zufall hat der Falter nun Aufmerksamkeit erlangt - und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da auf Fursty schon gebaggert und an der Nachnutzung etwa durch BMW gearbeitet wird.

Der Experte Markus Bräu entdeckte das Tierchen auf einem der Fotos, die die Eichenauer Naturfotografin Thérès Ritz-Burgstaller im Jahr 2009 auf dem früheren, von der Luftwaffe im Jahr 2005 aufgegebenen Militärgelände gemacht hat. Ritz-Burgstaller wusste damals nur, dass es sich um einen Bläuling handelte, nicht um welche der vielen Unterarten. Bräu entwickelt gerade einen Tagfalteratlas für Bayern und ist entsprechend firm in allen Details. Er identifizierte den Bläuling als Baton - und war völlig überrascht. Denn nur wenige Tage vor seinem Fotofund hatte er einen Eintrag über den Quendelbläuling in seinen Atlas geschrieben. Inhalt der Notiz: Der fachsprachlich scolitantides baton genannte Flügler ist in Bayern ausgestorben. Bräu: „Ich hatte geschrieben, dass der Falter leider erloschen ist.“

Das Foto aus Fursty beweist eindeutig: Dieser Eintrag kann in dieser Form nicht mehr als korrekt angesehen werden. Natürlich, sagt Bräu, müsse man weitere Details prüfen. Etwa, ob der Baton allein unterwegs war oder in einem Schwarm und ob es ihn noch heute gibt. Bräu will sich nun an die Regierung von Oberbayern wenden und um weitere Prüfung des Sachverhalts bitten. Denn der Falter gilt als, so Bräu, „außergewöhnlich wichtig“. Früher sei er auf Trockenrasenflächen vorgekommen oder in abgetorften Mooren. Mittlerweile fehle ihm aber oft die richtige Umgebung. Denn er braucht ein spezielles Mikroklima. Wichtig ist für den Baton außerdem die Nähe zu Thymian. Ausschließlich diese Pflanze dient dem Flügler als Wirt.

Dass der Baton nun alle Planungen sprengt, ist freilich unwahrscheinlich. „Man muss das erst verifizieren“, sagt die Sprecherin des Maisacher Planungsbüros. Artenvorkommen könnten sich jedes Jahr ändern. Und auch Experte Bräu weiß: Selbst wenn der Baton in Fursty lebt, sind naturschutzrechtliche Ausnahmen möglich.

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