Plädoyers im Fall Betty B.

Millionärin aus Habgier getötet? Staatsanwältin will „völlig skrupellose“ Angeklagte hinter Gittern sehen

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In dieser stattlichen Villa in Kreuth beherbergte Betty B. eine Vielzahl äußerst wertvoller Antiquitäten.

War es ein Mord aus Habgier? Die Staatsanwaltschaft ist von der Schuld von Renate W. überzeugt. Die 53-Jährige soll für lange Zeit hinter Gitter.

Kreuth/München - Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an der Kreuther Millionärin Barbara B. fordert die Staatsanwaltschaft für die Angeklagte Renate W. eine lebenslange Haftstrafe. Zudem beantragte die Anklagebehörde, das Gericht solle die besondere Schwere der Schuld feststellen - damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Die Anklage wirft der 53-Jährigen aus Sauerlach (Kreis München) vor, sie habe im März 2016 die in einer Villa am Tegernsee lebende Frau aus Habgier umgebracht. 

Renate W. habe sich mit mehreren Komplizen weite Teile des Vermögens der 95-Jährigen, die von ihren Freunden liebevoll Betty genannt wurde, aneignen wollen. Renate W. soll die wehrlose Frau laut Anklage im Alleingang in einer Palliativstation im Krankenhaus Agatharied „mit einer weichen Bedeckung“, also einem Kissen oder einer Decke, erstickt haben. „Das steht für mich außer Frage“, sagte Staatsanwältin Cathrin Rüling am Mittwoch vor dem Münchner Landgericht in ihrem mehr als eine Stunde langen Plädoyer. 

Kreuther Mord-Prozess: Angeklagte nannte sich Alleinerbin

Angeklagte habe „völlig skrupellos“ gehandelt

Neben Mord wirft die Anklage Renate W. Bandendiebstahl und Unterschlagung vor. Sie sei Anführerin einer kriminellen Bande gewesen, die 2016 Kunstgegenstände und andere Wertsachen im Wert von 1,1 Millionen Euro aus dem Anwesen von Betty entwendet habe. Sie habe „völlig skrupellos“ agiert und ein Vertrauensverhältnis ausgenutzt. 

Seit 2014 war Renate W. wahlweise Gesellschafterin, Pflegerin und Buchhalterin. Sie habe sich in Bettys „Leben eingeschlichen, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen“, warf Rüling der Angeklagten vor. Der große Reichtum von Betty aufgrund ihrer Antiquitätensammlung sei „immer das Thema gewesen“, sagte sie. An Renate W. gewandt zitierte die Staatsanwältin den Schriftsteller Ernst Festl: „Menschen, die alles haben wollen und alles haben müssen, bekommen vor allem eines immer wieder: nie genug.“ 

Aus dem Prozess: Betreuerin belastet Angeklagte (merkur.de)

Betty hatte Angst vor Renate W.

Betty habe früh gesagt, sie werde beklaut und habe Angst vor Renate W. Die Rentnerin habe recht behalten. „Im März 2016 wurde das Haus ganze komplett ausgeräumt und das Diebesgut in ganz Bayern verteilt.“ Sogar der Ring sei ihr im Krankenhaus geklaut worden, als Betty längst schwer krank war, sogar das Hochzeitsfoto kam abhanden. „Und alles wird bei den Angeklagten später gefunden“, sagte Rüling. Insgesamt seien so 1,1 Millionen an Beute zusammengerafft worden. 

Der Verteidiger von Renate W. bestritt am Mittwoch in seinem Plädoyer den Mordverwurf. „Welches Motiv soll Frau W. gehabt haben, eine im Sterben liegende Person zu töten?“ Eine Aussage eines medizinischen Gutachters, der zwar von „hochverdächtigen Befunden“ an der Leiche gesprochen, eine gewaltsam herbeigeführte Erstickung aber für nicht erwiesen hielt, hatte die Verteidigung als Indiz zugunsten der Angeklagten gewertet. Doch auch die Staatsanwaltschaft sah sich durch das Gutachten in ihrer Mordtheorie bestätigt.

Verteidiger behauptet: „Es gab keine Bande“

Der Anwalt von Renate W. beantragte, die Sauerlacherin wegen des Mordvorwurfs freizusprechen. Wegen Diebstahls beantragte er dreieinhalb Jahre Haft. Für die zwei mutmaßlichen Komplizen von W. bei den Diebstählen forderte die Staatsanwaltschaft derweil Haftstrafen von sechseinhalb und sieben Jahren. Der Mann von Renate W. soll wegen dem Vorwurfs der Beihilfe zum Bandendiebstahls für zwei Jahre ins Gefängnis. Ein Anwalt eines des Bandendiebstahls Beschuldigten beantragte bereits am Mittwoch den Freispruch. „Es gab keine Bande“, sagte er. Nun muss das Gericht aufgrund zahlreicher Indizien entscheiden – das Urteil soll noch im Mai fallen. 

Tobias Lill

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