Opfer: „Man zieht sich vom Leben zurück“

Hausfrau ausgeraubt und eingesperrt - falsche Postboten stehen vor Gericht

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Sie verstecken sich: Dejan D. (l.) verbirgt sein Gesicht hinter einem Ordner, Alexander P. hinter einem Papier.

Gleich zweimal schlugen brutale Einbrecher bei einer Frau in Kirchseeon zu. Erst räumten sie ihr die Wohnung aus. Monate später kamen sie zurück und sperrten sie ein. Nun stehen sie vor Gericht.

Kirchseeon - Der Zeugenstuhl ist der, der dem Richtertisch am nächsten ist. Doch selbst das ist zu weit weg für Hedwig B. (57). Man muss ihr den Stuhl direkt vor den Tisch stellen, damit sie den Richter hören kann. Die zarte Frau (57) aus Kirchseeon (Kreis Ebersberg) hört schlecht und hat mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, seit sie im Jahr 2012 gleich zweimal von Einbrechern heimgesucht wurde. Einmal wurde sie dabei sogar tätlich angegriffen. Seither ist nichts mehr, wie es war. „Man zieht sich eigentlich vom Leben zurück“, sagt sie leise.

Bei den Männern, die der Frau das angetan haben, soll es sich um den serbischen Pizzabäcker Dejan D. (42), seinen Schwager Alexander P. (44) sowie Marco A. (39) handeln. Sie wurden im April 2013 sogar bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ gesucht. Zunächst ohne Erfolg. Doch zwei Jahre später gab die Ex-Ehefrau von D., wegen deren Vergewaltigung er seit 2015 im Gefängnis sitzt, den entscheidenden Hinweis.

Angeklagte schweigen vor Gericht

Nun müssen sich D. und P. vor dem Landgericht München II verantworten - wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls, D. außerdem wegen Raubs mit Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung. Beide schweigen am Dienstag vor Gericht. Auch A., der in Belgrad gemeldet ist, ist wegen des Raubes angeklagt. Er war allerdings nicht zu fassen.

Die Ex-Frau von Dejan D. arbeitete als Pflegekraft bei der inzwischen verstorbenen Mutter von Hedwig B. Über sie soll er Einblick in die Wohn- und Lebensverhältnisse der Familie bekommen haben - und einen kriminellen Plan geschmiedet haben. Laut Anklage brachen er und P. am 13. März 2012 die Tür von B. auf und durchsuchten die Wohnung. Sie erbeuteten rund 40 Schmuckstücke im Gesamtwert von rund 30 000 Euro. „Man sperrt die Wohnung auf und ist wie erstarrt“, sagt B., „ich kann es heute noch nicht verstehen, wie man so etwas jemandem antun kann.“

Auch zweites Schloss verschafft keine Abhilfe

Die Frau ließ ein zweites Schloss anbringen. Doch sie habe gespürt, dass die Täter zurückkommen, sagt sie. Und so war es: Am 7. August 2012 klingelte es an der Tür. Als die Frau öffnete, standen zwei Männer davor und wollten ihr angeblich ein Paket bringen. Plötzlich hielt ihr einer den Mund zu und drückte sie hinter die Tür. Sie wehrte sich. „Aber ich hatte keine Chance.“ Der Täter schleifte sie ins Wohnzimmer und schmiss sie aufs Parkett, wobei sie sich drei Rippen brach. Dann sperrte er sie ein. Doch sie lief auf den Balkon und schrie um Hilfe. Eine Nachbarin eilte zu ihr. An der Tür kamen ihr die Männer entgegen, die rund 100 Euro erbeutet hatten. Einer schlug ihr ins Gesicht, sodass sie gegen ein Geländer stürzte. Der Prozess dauert an.

Nina Gut

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