Hier hat sich das Drama ereignet - Video

Ehefrau (37) getötet: Anwalt "tut es leid"

Hohenschäftlarn - Schon seit längerem soll der Anwalt (45) aus Schäftlarn Streit mit seiner Frau gehabt haben - dann sticht er zu. Mit einem Küchenmesser tötet er seine Frau (37).

In den Minuten danach muss es sehr still gewesen sein in der großen, alten Villa am Ortsrand von Schäftlarn. Dort, wo gewöhnlich vier Kinder laut und fröhlich herumtoben, herrschte auf einmal völlige Stille. Tödliches Schweigen. Bis die Sirenen der ersten Polizeiautos und des Rettungsdienstes die abendliche Idylle zerrissen. Da saß der Münchner Top-Jurist Michael N. (45) ganz ruhig mit seiner jüngsten Tochter (4) in einem Nebenraum. Wohlwissend, dass es die letzten Sekunden mit seiner Kleinsten für eine sehr lange Zeit sein würden.

Um 19.10 Uhr hatte Dr. Michael N. am Montag den Polizeinotruf 110 gewählt und sinngemäß erklärt: „Meine Ehefrau liegt in der Küche. Sie ist tot. Ich habe sie umgebracht!“ Dramatisches Ende einer ehemals glücklichen Ehe.

Denn hinter der schönen Fassade der scheinbar sorglosen Großfamilie aus allerbesten Kreisen brodelten am Ende nur noch Eifersucht, Streit und Hass, der am Montag völlig eskalierte.

Nachbarn unter Schock

Anwalt Michael N. stammt aus Frankfurt am Main, arbeitete zielstrebig an seiner glänzenden Karriere, die ihn in die Top-Etagen des internationalen Managements führten. Er studierte in Frankfurt und München Jura und BWL, spricht fließend Englisch und Französisch, publizierte als freier Journalist für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die Deutsche Presse-Agentur. Ab 2002 arbeitete er für führende europäische und globale Wirtschaftskanzleien in München, zuletzt seit einem Jahr als Marketing-Direktor und Chef der Geschäftsentwicklung für Zentraleuropa bei Freshfields Bruckhaus Deringer in der Prannerstraße. Ein feingeistiger Mann, der in seinem Internet-Profil unter der Rubrik Interessen notierte: „Das Wahre, Schöne, Gute.“

Rechtsanwalt ersticht Frau bei Ehestreit

In privater Hinsicht war in letzter Zeit anscheinend nichts mehr wahr, schön und gut. Die Familie zog vor zwei Jahren vom Starnberger See nach Schäftlarn-Ebenhausen in das stattliche Haus am Sommerfeld. Die sportliche Ehefrau Sandra (37) kümmerte sich um die Kinder – drei Mädchen im Alter von zwölf, elf und vier Jahren und den Sohn (9).

Zu den direkten Nachbarn hatte die Familie kaum Kontakt. Sandra N. beließ es meist bei einem freundlichen Gruß. Ihren Mann sahen die Nachbarn selten.

Michael N. wollte über kurz oder lang wieder zurück nach Frankfurt. In seiner Ehe kriselte es heftig. Er hatte offenbar den dringenden Verdacht, dass seine Frau ihn betrog. Am Montagabend – die drei älteren Kinder waren noch unterwegs – kam es in der Küche des Hauses zu einem lautstarken Streit. Tief gekränkt geriet der sonst so beherrschte Jurist offenbar an seine psychischen Grenzen. Außer sich vor Zorn griff er nach einem Küchenmesser – und stach zu. Wieder und wieder traf er den Oberkörper seiner Frau, die blutüberströmt und sterbend zusammenbrach.

Wie viel das kleine Mädchen davon mitbekam, ist nicht klar. „Sie hat wohl ihre am Boden liegende Mutter gesehen“, bestätigte der Chef der Münchner Mordkommission, Markus Kraus. Nachbarn nahmen die Kleine und ihre drei Geschwister vorerst bei sich auf.

Gegen Michael N. erging am Dienstagnachmittag Haftbefehl wegen Totschlags. Er hat sofort gestanden. Nach Darstellung von Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch ergaben sich bislang keine Hinweise auf Mordmerkmale. Eine Tat im Affekt also, begangen im Ausnahmezustand.

Michael N. würde die Tat bereuen, sagte Markus Kraus, Leiter der Mordkommission gestern in einer Pressekonmferenz: „Er sagt, ihm tut es leid.“

Michael N.’s Kollegen sind fassungslos, sagten am Dienstag: „Wenn wir helfen könnten, würden wir es tun.“ Michael N. steht unter Schock. Markus Kraus: „Ich bin mir nicht sicher, ob er das Ausmaß seiner Tat schon begriffen hat.“

Sebastian Arbinger, Dorita Plange, Wolfgang de Ponte

Rubriklistenbild: © Kruse

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