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Autofahrer sichtet grünes Licht am Himmel - und steht vor einem Rätsel

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Von: Katharina Brumbauer

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Am Farchanter Tunnel war das Lichtphänomen angeblich zu sehen.
Am Farchanter Tunnel war das Lichtphänomen angeblich zu sehen. © Archiv-Kornatz

Ein Autofahrer entdeckt nördlich von Garmisch-Partenkirchen einen grünes Lichtsignal am Himmel. Er vermutet, dass es sich um eine Feuerkugel handelt, um Überreste eines Meteoroiden, Kometen oder vielleicht Asteroiden.

Farchant – Der grüne Lichtstrahl flog rasend schnell in steilem Winkel in Richtung Boden. Nicht senkrecht, aber vielleicht im 20-Grad-Winkel, schätzt Manfred Jakob. Der Mann aus Kaufering bei Landsberg saß spätabends im Auto, war auf dem Rückweg aus dem Italien-Urlaub. Kurz vor Mitternacht, als Jakob gerade Garmisch-Partenkirchen hinter sich gelassen und sich kurz vor der Einfahrt in den Farchanter Tunnel befunden hatte, da entdeckte er ihn: einen großen, grünen, hell leuchtenden Ball mit Schweif. Jakob vermutet, das Objekt im Gebiet der Esterbergalm gesehen zu haben. Möglicherweise handelte sich um eine Feuerkugel.

Solche Objekte sind dann hell strahlend zu sehen, wenn Überreste eines Meteoroiden, Kometen oder Asteroiden in die Erdatmosphäre eintreten, erklärt Dieter Heinlein, Planetenforscher und Leiter des „Feuerkugel-Netzes“ am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Forscher versuchen mittels Kamerastationen, die über ganz Mitteleuropa verteilt sind, Feuerkugeln am Himmel einzufangen. „Gerade im Spätherbst, wenn es früh dunkel wird und wir zahlreiche Kometenbewegungen haben, ist es nichts Außergewöhnliches, sie zu sehen“, ergänzt Heinlein.

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Farchant: Autofahrer sichtet grünes Licht am Himmel - Kugel deutlich zu erkennen

Jakob war sich sofort sicher, dass er keinen normalen Sternschnuppenregen beobachtet hat. „Das war größer.“ Die Kugel sei sehr deutlich zu erkennen gewesen – „bei einer Distanz von mehr als einem Kilometer“, schätzt der Kauferinger. Er habe sich aufs Autofahren konzentrieren müssen, aber eines kann er sagen: „Ich habe das Ding nur ganz kurz gesehen, ein paar Sekunden maximal.“ Dann sei der leuchtende Ball verschwunden.

Kann Jakob wirklich eine Feuerkugel gesichtet haben? Die Leuchtdauer und die Schnelligkeit des Objekts sprechen dafür. „Das passt alles“, sagt Heinlein. „Sternschnuppen und Feuerkugeln verglühen meist nach einer, spätestens nach vier Sekunden“, erklärt der Experte. Ist ein Objekt länger am Himmel zu sehen, gar Minuten lang, dann handelt es sich wahrscheinlich vielmehr um ein Flugzeug oder um einen Satelliten.

In den Bergen liegt es zunächst auch nahe, ein Licht, das von oben kommt, für ein Notsignal von Wanderern zu halten. „Ein grünes, runterfallendes Licht als Notsignal ist aber ungewöhnlich“, erklärt Michael Meyr, Leiter der Integrierten Leitstelle Oberland (ILS). „Meist werden dann Blinklicht-Signale von Taschenlampen gesendet.“ Zum fraglichen Zeitpunkt ist aus dem betreffenden Gebiet rund um die Esterbergalm auch kein Notruf eingegangen. Jörg Jovy, Sprecher des Kreisverbandes Garmisch-Partenkirchen des Bayerischen Roten Kreuzes, bestätigt: Es hat „kein Rettungsdiensteinsatz seitens des Rettungsdienstes oder der Bergwacht“ stattgefunden.

Vor wenigen Jahren sorgte ein Himmelskörper über Bayern und darüber hinaus für Aufregung. Viele Zeugen meldeten sich bei unserer Redaktion.

Feuerkugel über Farchant: Wohl keine Spuren auf der Erde

In der Regel verglühen Feuerkugeln, ohne Spuren zu hinterlassen. „In ganz seltenen Fällen verglühen sie aber nicht komplett und es bleiben zum Beispiel eisenhaltige Bestandteile übrig“, erklärt Heinlein. In diesem Fall werden sie zu gesteinsartigen Meteoriten, die dann auf der Erde aufkommen. So zum Beispiel geschehen im April 2002 bei Schloss Neuschwansein. „So etwas passiert aber nur im Schnitt alle zehn Jahre“, sagt Heinlein. Im Fall des nördlich von Garmisch-Partenkirchen am Himmel gesichteten Objekts sei erst einmal nicht davon auszugehen, dass es Spuren auf der Erde hinterlassen hat. Dem Landratsamt oder der Marktgemeinde sind Flurschäden auch nicht bekannt.

Jakob hat seine Sichtung noch in der gleichen Nacht dem DLR gemeldet, damit die Experten dem nachgehen können. „Es war ein faszinierender Anblick“, betonte er. „Und ich wollte unbedingt, dass diese Beobachtung gemeldet wird, damit jemand verfolgen kann, was mit dem Feuerball weiter passiert ist.“

Feuerkugeln melden

Wer eine grüne Feuerkugel entdeckt hat, kann seine Sichtung dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) melden. Das geht einfach per Mail an feuerku gel@dlr.de oder unter www.me teoros.de/feuerkugel. Auf dieser Homepage können sich Interessierte auch informieren, ob in ihrer Region weitere außergewöhnliche Himmelskörper gesichtet wurden.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen finden Sie auf Merkur.de/Garmisch-Partenkirchen.

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