Im Landkreis Dachau

Bei Faschingszug: Sanitäterin (29) krankenhausreif geprügelt

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Daniela Jantzen wurde beim Faschingszug in Weichs verprügelt und landete zunächst mit Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus.

Weichs - Rettungssanitäterin Daniela Janzen, 29, ist nach dem Weichser Faschingsumzug von einem jugendlichen Randalierer krankenhausreif geprügelt worden. Die Polizei spricht von einer nie dagewesenen Gewalt bei der Veranstaltung, die in einer Massenschlägerei mündete und vorzeitig abgebrochen wurde.

Jantzen hatte nach der Attacke große Schmerzen. Glücklicherweise erlitt sie aber "nur" eine Gehirnerschütterung.

Daniela Jantzen sitzt auf ihrem Krankenbett im Klinikum Dachau. Sie trägt noch ihre BRK-Uniform, die sie am Dienstagabend bei ihrem Einsatz beim Weichser Faschingsumzug trug. Die Rettungssanitäterin kann nach einer fürchterlichen Nacht mit großen Schmerzen schon wieder ein wenig lächeln. Aus zwei Gründen: weil sich das befürchtete Schädel-Hirn-Trauma als Gehirnerschütterung heraus stellte, und weil sie am Dienstagabend noch zu Hause in Puchschlagen ihren Sohn (4) und ihre Tochter (7) in die Arme schließen durfte.

Jatzen über den Faschingszug: "Die Stimmung war hoch aggressiv"

Es ist 20 Uhr, als Daniela Jantzen zum letzten Mal am Faschingsdienstag auf ihre Armbanduhr schaut. Der Umzug ist vorbei, hunderte Narren feiern im Bierzelt weiter. Davor versucht die Sanitäterin gemeinsam mit einem Kollegen einer jungen Frau beizustehen, die vom einem kräftig gebauten Burschen bedrängt wird. Der junge Mann hat eine Platzwunde an der Lippe, und Daniela Janzen möchte nun ihm helfen. Doch der sichtlich angetrunkene Bursche reagiert hoch aggressiv. „Er ist auf mich los, hat zugeschlagen und mich am Kopf getroffen“, erinnert sich die 29-Jährige. Sie kann Feuerwehrmänner noch um Hilfe bitten, dann „ist mir richtig schlecht geworden, und ich bekam Kopfschmerzen“. Die ehrenamtliche Helferin klappt zusammen.

Alkohol und Gewalt dominierten den Faschingszug in Weichs.

Im Krankenhaus denkt sich Janzen, die seit 20 Jahren beim BRK ist und bei zahllosen Großveranstaltungen für Gotteslohn Verletzte versorgt, an Weichs zurück. So eine Mischung aus Alkohol und Gewalt wie beim Faschingsumzug dort habe sie noch nie erlebt. „Die Stimmung war hoch aggressiv, dauernd hat es Schlägereien gegeben. Kistenweise haben die selbstgemixtes Zeug dabeigehabt. Der Umzug selbst hat die doch gar nicht interessiert“, so die zweifache Mutter. Was erschwerend dazu kommt: „Wir sind keine Autoritätspersonen mehr. Man lässt uns bei Einsätzen nicht mehr durch und man beleidigt uns. Eine junge Frau hat sogar eine Flasche nach uns gekickt.“

Polizei: "Die Kollegen hatten Angst, selbst zum Opfer zu werden"

Um ihre Gesundheit fürchteten auch die gut zehn Polizisten, die an diesem Tag für Ordnung sorgen sollten – aber nicht mehr konnten. „Die Kollegen hatten Angst, selbst zum Opfer zu werden“, sagt Dachaus Polizeisprecher Michael Richter. Das Aufgebot an Beamten habe in den Jahren zuvor stets ausgereicht. Am Faschingsdienstag 2015 nicht. Die vielen Schlägereien „unterschiedlicher Gruppierungen“, so Richter, mündete in einer Massenschlägerei. Mit Hilfe des Veranstalters, dem Weichser Maschkerakomitee, sowie der Securitymänner gelang es der Polizei gegen 21.45 Uhr das Zelt zu räumen und die Meute zu beruhigen. Die Bilanz: 30 Verletzte bzw. Betrunkene, die ärztlich versorgt werden mussten. Zwölf von ihnen mussten abtransportiert werden. Der Rowdy, der Daniela Janzen niederschlug, muss erst noch ermittelt werden. Janzen schätzt ihn auf 17 oder 18 Jahre.

Im kommenden Jahr, so verspricht PI-Sprecher Richter, werde man das Konzept des Umzugs überdenken. Nachgedacht hat Daniela Janzen jetzt schon. Sie wird als Rettungssanitäterin weitermachen. Ihre beiden Kinder haben einmal zu ihr gesagt: „Mama, wir wollen auch zum BRK.“ Daniela Janzen wird sie dabei nach Kräften unterstützen.

Thomas Zimmerly

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