Fehler beim Zensus: Mann soll 43 Bögen ausfüllen

Eine regelrechte Überschwemmung mit Zensusfragebögen beklagen Peter Potzner und seine Mutter Eleonre – ein handelt sich um ein Missverständnis. Foto: bro

Unterhaching - Peter Potzner aus Unterhaching erhielt Post. Der Zensus schickte ihm Fragebögen. Nicht nur für den eignenen Haushalt, sondern auch alle übrigen in der Pater-Rupert-Mayer-Straße.

Vor Jahren ging ein Raunen durch die Öffentlichkeit, wenn der Staat zur Volkszählung schritt. Aus Datenschutzgründen. Heute haben die Bürger in Zeiten des Internets und des gläsernen Menschen weit weniger Probleme damit, Details ihrer Lebensweise preiszugeben. Dafür aber gibt es Ärger ganz anderer Natur, wie folgender Fall in Unterhaching zeigt:

Ahnungslos blätterte Peter Potzner Anfang der Woche in seiner Abonnementzeitung, dem Münchner Merkur, als ihm seine Mutter Eleonore einen dicken Umschlag reichte. Darin fand der Unterhachinger ein ungeheures Bündel gelber Fragebögen vom Statischen Landesamt für Statistik aus Fürth - den Zensus betreffend. Pflichtbewusst zückte er den Kugelschreiber und begann auszufüllen: Wie viele Personen im Haushalt wohnen, wie alt sie seien und wie viele Zimmer sie bewohnen. Ob und wie viele Klos es gibt, auch das beantwortete Potzner akkurat und stutzte erst, als er weiter blätterte. Der Speditionskaufmann wurde gewahr, dass er auch die Fragebögen aller übrigen Häuser in der Straße (von Nummer 1 bis 43) zugestellt bekommen hatte. Über allen Bögen prangte gut sichtbar der Name: Potzner.

„Da wäre ich ja Multimillionär, wenn mir alle Häuser gehören würden“, scherzt der bescheidene Unterhachinger, der nur über eine Immobilie verfügt. Er gibt zu bedenken, dass er keine Ahnung davon hat, wie es in den übrigen Haushalten aussehe und dass sich sein Interesse in Grenzen halte - ganz davon abgesehen, dass er schon aus Datenschutzgründen wahrscheinlich keine Auskünft geben dürfe. Also nahm er den Telefonapparat in die Hand und kontaktierte unverzüglich die verantwortliche Behörde. Aber die Dame am anderen Ende blieb stoisch und schmetterte ihm ruhig entgegen: „Sie sind auskunftspflichtig.“

Grundsätzlich stimmt das natürlich, aber in diesem Fall? Potzner kann es kaum glauben: „Das ist doch eine Lachnummer.“ Aber vielleicht mit ernsten Folgen. „Bei 43 Hausnummern müsste ich ja 42 mal Strafe bezahlen. Bei angesetzten 300 Euro pro Haushalt wären das 12 600 Euro.“ Übrigens, selbst wenn Peter Potzner die Fragebögen brav ausfüllen könnte und zurücksenden würde, müsste er für sämtliche Portokosten aufkommen, denn so ist es im Gesetz geregelt wie es auf der Webseite des Zensus heißt: „Der Rückumschlag muss von Ihnen frankiert werden.“

Aber der Empfänger der unwillkommen Post darf auf das Einsehen der Menschen im kolossalen Statistikapparat hoffen. Bei Nachfrage unserer Zeitung in der Behörde stellte sich heraus, dass der Unterhachinger lediglich alle Fragebögen wieder in einen Umschlag stecken und zurückschicken solle - den eigenen freilich ausgefüllt. Dort solle er am Ende unter Bemerkungen einfügen, dass ihn die restlichen Bögen nicht betreffen.

Die Zeit wird knapp, denn es könnte sein, dass bereits Mahnschreiben an die übrigen Hausbesitzer wegen Verzugs rausgegangen sind.

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