Die tz im Cockpit der Waldbrand-Inspektoren

Feld in Flammen: Kontrollflug wird plötzlich zum Ernstfall

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Vogelperspektive: So groß wie vier Fußballfelder war der Flächenbrand des Stoppelfeldes in Oberroth.

München - Es sollte nur ein Kontrollflug sein, doch plötzlich der Ernstfall: Mit dem tz-Reporter an Bord lokalisiert der fliegende Brandbeobachter ein in Flammen stehendes Feld.

Feuer auf neun Uhr! Das viersitzige Flugzeug hat gerade einmal die Startbahn verlassen, schon schlagen Pilot Manuel Hecht und Brandbeobachter Andreas Lohde um 15.39 Uhr Alarm! Eine dicke schwarze Rauchsäule steigt ein paar Kilometer vom Flughafen Fürstenfeldbruck entfernt in den wolkenlosen Himmel. Pilot Hecht reißt plötzlich den Steuerknüppel nach links, nimmt sofort Kurs auf die Rauchschwaden.

Wegen der erhöhten Waldbrandgefahr aufgrund der Hitzewelle, hat die Regierung von Oberbayern für diese Woche Luftbeobachtungsflüge angeordnet. Dadurch sollen mögliche Brände in Wäldern und Feldern aufgespürt werden – so wie eben passiert.

Brandbeobachter

Diese Flugzeug-Crew hat den Flächenbrand in Oberroth entdeckt: Brandbeobachter Andreas Lohde, Einsatzpilot Manuel Hecht und tz-Reporter Manuel Bonke (v.r.).

Lohde schnappt sich nach dem Wendemanöver eine Landkarte, versucht herauszufinden, wo genau das Feuer ausgebrochen ist. Je näher die Waldbrand-Inspektoren der Rauchentwicklung kommen, desto leichter fällt die Lokalisierung. „Oberroth! Hier brennt ein abgeerntetes Getreidefeld“, rauscht es plötzlich durch das Funkgerät. Das Flugzeug befindet sich jetzt nur noch wenige Meter vom Brand entfernt. Im Inneren des Cockpits riecht es schon nach Rauch. Momentan brennen zwar „nur“ ein paar Quadratmeter inmitten des Feldes, allerdings befinden sich in unmittelbarer Nähe mehrere Waldstücke.

Andreas Lohde hat bereits die Rettungsleitstelle informiert. „Die Kollegen der Feuerwehr müssten jede Minute eintreffen“, sagt er. Das ist auch ziemlich wichtig. Es muss schnell gehen, damit die Flammen nicht den Waldrand erreichen.

Ab jetzt ist ein starker Magen gefragt. Hecht lässt die Maschine vom Typ Archer-Piper, um die Rauchsäule kreiseln: einmal, zweimal, dreimal, viermal – eine halbe Stunde geht das so. „Wenn euch schlecht wird, sagt es bitte. Dann bekommt ihr eine Tüte. Bloß keinen falschen Stolz im Flugzeug, das kann böse enden“, ermahnt der Pilot. Das Kreiseln hat einen guten Grund, denn aus der Luft kann Brandbeobachter Lohde seinen Feuerwehr-Kollegen am Boden genaue Anweisungen geben. Wie groß ist das Feuer schon? Von welcher Richtung weht der Wind? Wohin breitet sich das Feuer aus? Obwohl zeitnah 60 Einsatzkräfte vor Ort sind und sogar drei Bauern mit ihren Odelfässern Lösch-Vorarbeit leisteten, hat der Flächenbrand schlagartig eine Größe von vier Hektar erreicht. Die zwei Meter hohen Flammen erreichen blitzschnell den Waldrand und den Bauernhof neben dem Getreidefeld. Doch die Feuerwehr bekommt den Brand nach einer Stunde unter Kontrolle – auch dank der Unterstützung aus der Luft.

Von dort aus hat man nach der gelungenen Löschaktion einen guten Überblick über das Ausmaß des Unglücks: Die Flammen haben einen Krater so groß wie vier Fußballfelder in den Boden gebrannt. Nachdem die Arbeit hier getan ist, fliegen Hecht und Lohde ihre ursprüngliche Brand-Route zu Ende: den Lech entlang, bis zum Peißenberg, wo die Maschine wendet, über das Westufer des Ammersees hinweg, wieder zurück nach Fürstenfeldbruck. Für seinen Einsatz als Luftbeobachter hat Lohde, der eigentlich Religionslehrer am Gymnasium ist, eine Zusatzausbildung bei der Feuerwehrschule in Würzburg absolvieren müssen. Genauso wie Einsatzpilot Hecht erledigt er seinen Job ehrenamtlich.

Manuel Bonke

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