Möbelgigant spaltet Feldkirchen

Wie viel Ikea braucht München?

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Die beiden Filialen in Taufkirchen und in Eching reichen Ikea nicht mehr. Der Möbelriese will mit Feldkirchen auch den Münchner Osten erobern.

München - In Feldkirchen dreht sich alles um ein Thema: Kommt Ikea oder nicht? Der schwedische Möbelgigant hat bereits zwei Standorte in München - gegen den dritten regt sich Widerstand.

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Bürgermeister Werner van der Weck hofft auf Arbeitsplätze und Steuereinnahmen durch Münchens dritten Ikea.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Insgesamt 938 Bürger haben unterschrieben – fast doppelt so viele wie nötig. ZehnProzent der Wahlberechtigten reichen aus, um einen Bürgerentscheid durchzusetzen. Im Falle von Feldkirchen sind das 471. Der Abstimmung sieht CSU-Gemeinderat Reinhard Mulzer gelassen entgegen: „Wir sind absolut optimistisch, dass der Bürgerentscheid gewonnen werden kann. Wenn alle, die jetzt unterschrieben haben, hingehen und noch ein paar mehr, die keine Gelegenheit zum Unterschreiben hatten, haben wir allerbeste Chancen.“

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Für van der Weck kommt das Bürgerbegehren nicht überraschend. „Wir haben damit gerechnet, dass die Opposition etwas unternimmt. Das ist ja auch legitim, so lange alles ehrlich und unmanipuliert abläuft“, sagt der Bürgermeister. Daran hat die SPD allerdings Zweifel. „Beim Bürgerbegehren wird nur eine Seite berücksichtigt. Wir wollen alle an der Gestaltung des Geländes südlich der A 94 beteiligen“, erklärt van der Weck. Deshalb hat seine Partei im Februar ein Ratsbegehren angekündigt. Dabei wird der Gemeinderat die Fragestellung für den Bürger-entscheid festlegen. Im Moment sieht es so aus, als könnte über beide Begehren an einem Tag abgestimmt werden. Aber worum geht’s beim Streit um Ikea eigentlich?

Die tz erklärt die fünf größten Baustellen:

Baustelle 1 – Verkehr: Die CSU will verhindern, dass es in Feldkirchen zum Verkehrsinfarkt kommt. „Die vielen Autos sind ein Riesenproblem. Wenn es auf der A 94 Stau gibt, fahren alle durch den Ort. Bisher haben wir nur am Wochenende Ruhe. Da würden dann alle zu Ikea fahren“, so Mulzer. Die Gemeinde hat aber ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben, das zu einem anderen Ergebnis kommt. „Wir würden gleichzeitig die Südumfahrung bauen. So kommen mehr Autos aus dem Ortskern raus als rein“, sagt van der Weck.

Baustelle 2 – Arbeitsplätze: Insgesamt 200 Arbeitsplätze will Ikea in der neuen Filiale in Feldkirchen schaffen. „Wir bringen etwa 50 erfahrene Mitarbeiter mit. Die restlichen Stellen werden mit Bewerbern aus der Region besetzt“, sagt Sprecherin Simone Settergren. Nebenan soll der Baumarkt Hornbach eröffnen. Hier würden nochmals 50 Stellen entstehen. Christian Hierneis vom Bund Naturschutz München glaubt jedoch nicht, dass die Beschäftigungssituation so verbessert werden kann: „Ikea braucht Billigarbeitskräfte für die Kasse und gefährdet langfristig Arbeitsplätze im Mittelstand.“

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Baustelle 3 – Steuern: Eine Million Euro Gewerbesteuer erhofft sich die Gemeinde Feldkirchen jährlich von Ikea. „Wir zahlen an jedem Standort siebenstellige Summen“, sagt Settergren. Die CSU zweifelt an diesem Betrag. „Man hört immer wieder, dass Ikea legale Steuertricks anwendet“, so Mulzer.

Baustelle 4 – Fläche: Die Ikea-Gegner sehen im geplanten Möbelhaus einen sinnlosen Flächenverbrauch. „Wir sollten den Platz für künftige Generationen freihalten. Hier könnten einmal Wohnungen gebaut werden“, sagt Markus Büchler, Kreisvorstand der Grünen. Bürgermeister van der Weck sieht in dem Gelände an der Autobahn jedoch Entwicklungspotenzial. „Wir haben hier eine freie Fläche in der Nähe einer Boom-Region. Wenn Ikea nicht zu uns kommt, geht er in eine Nachbargemeinde und andere profitieren davon.“

Baustelle 5 – Angebot: Noch ein Möbelhaus am Stadtrand? Die Grünen halten das für überflüssig. „Es gibt genug Möbelhäuser in der Umgebung. XXXLutz und Mömax sind ja fast in Sichtweite“, erklärt Büchler. Ikea glaubt aber, dass gerade München eine dritte Filiale vertragen kann. „Die Häuser in Eching und Taufkirchen sind gerade am Wochenende überlastet. Das Einkaufen soll weiterhin angenehm bleiben“, erklärt Settergren.

Ikea in Zahlen

Ikea gibt’s bereits zweimal im Raum München. 1974 eröffnete die erste deutsche Filiale in Eching. Von dort aus eroberten die gelb-blauen Möbelhäuser die Republik. Heute betreibt Ikea in Deutschland 46 Filialen. Eine davon steht in Taufkirchen. Der Weltkonzern mit 127 000 Mitarbeitern erwirtschaftet jährlich Umsätze in Höhe von 23,1 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2010). Davon werden 79 Prozent in Europa erzielt. Deutschland ist weltweit das umsatzstärkste Land.

Beate Winterer

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