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„Wir sind im Klimawandel angekommen“: Ostersee ausgetrocknet – Zukunft ungewiss

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Von: Johannes Thoma

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Der ausgetrocknete Frechensee  im August 2022
Ausgetrocknet: Der Frechensee © Douglas Sutton

Der Frechensee ist ein beliebtes Ausflugsziel: Doch seit einiger Zeit ist die Idylle getrübt: Das zu den Osterseen gehörende Gewässer ist ausgetrocknet.

Seeshaupt – Einer, der seit Jahren regelmäßig am Frechensee spazieren geht, ist der Seeshaupter Douglas Sutton. „Selbst nach dem sehr heißen und trockenen Sommer 2018 schien sich der Frechensee im Mai 2019 gut erholt zu haben“, schreibt er in einer Mitteilung. Aber seither sei der Wasserpegel immer weiter gesunken. Im Sommer 2020 bzw. 2021 seien immer mehr kleine Inseln aufgetaucht, so Sutton.

Selbst nach den ergiebigen Regenfällen des vergangenen Wochenendes habe sich nur eine Pfütze von etwa vier Metern Durchmessern gebildet. Was ihn auch beunruhigt: Bei Spaziergängen am See herrsche jetzt eine merkwürdige Stille, der Lärm der Wasservögel sei verstummt.

Trinkwasserversorgung der Gemeinde noch nicht betroffen

Wasserwirtschaftsamt, Gemeinde und der private Besitzer haben das Problem bereits besprochen. Abhilfe ist nicht in Sicht. „Was sollen wir tun, wir können den See ja nicht mit dem Feuerwehrschlauch wässern?“, sagt der Seeshaupter Bürgermeister Fritz Egold. Er sei bereits von vielen Menschen darauf angesprochen worden. „Wir sind im Klimawandel angekommen“, so Egold.

Auch ein kleiner See in der benachbarten Kiesgrube sei ausgetrocknet, eine Quelle oberhalb des Lustsees versiegt. Ursache ist seiner Meinung nach die anhaltende Trockenheit sowie die beiden letzten schneearmen Winter. Noch keine Sorgen bereitet ihm die Trinkwasserversorgung der Gemeinde, die sich in der Nähe des Frechensees befindet. „Unser Wassermeister hat noch keine Absenkungen beim Grundwasserspiegel gemessen“.

Der  immer noch fast ausgetrocknete Frechensee   am 1. September
1. September 2022: Der Frechensee füllt sich nur ganz langsam wieder. © Fritz Egold

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Kein oberirdischer Zulauf: Keine Änderung in Sicht

Das bestätigt auch das Wasserwirtschaftsamt. Laut der Behörde war der im Normalfall rund drei Hektar große Frechensee schon 2018 beinahe ausgetrocknet. Im Gegensatz zu den anderen Osterseen, die über die Ach miteinander verbunden sind, verfügt der Frechensee, der südwestlich von Seeshaupt liegt, über keinen oberirdischen Zulauf. Er speist sich lediglich aus Niederschlägen und dem Grundwasser. „In diesem trockenen Jahr verwundert es daher nicht, dass der Frechensee nahezu ausgetrocknet ist“, sagt Andreas Kolbinger vom Wasserwirtschaftsamt.

Der Wasserstand des benachbarten Großen Ostersees an der Blauen Gumpe sei der zweitniedrigste, seit mit den Messungen vor neun Jahren begonnen wurde. „Generell sind die Pegel in den meisten Seen durch die Niederschläge der vergangenen Tage leicht gestiegen, dies wird jedoch nur von kurzer Dauer sein. Eine durchgreifende Änderung ist nicht in Sicht“, so Kolbinger.

Auswirkungen auf das besondere Ökosystem

Laut Egold ist der Wasserpegel im Starnberger See derzeit rund 75 Zentimeter niedriger als sonst. Deswegen werde die Anlegestelle in Bernried auch nicht mehr angefahren (wir berichteten). Egold kann sich noch erinnern, als der Frechensee vor über 40 Jahren letztmals komplett ausgetrocknet war.

Die Austrocknung hat auch Auswirkungen auf das Ökosystem: Bis sich wieder ein gewässerökologisches Gleichgewicht einstellt, dürften mehrere Jahre ins Land ziehen. Zwischenzeitlich sei anfangs mit einer starken Entwicklung von Pionierarten (Pflanzen oder Kleinstlebewesen, die sich zuerst auf einem bestimmten Gebiet ansiedeln, bevor weitere folgen) sowohl bei Fauna und Flora zu rechnen, so das Wasserwirtschaftsamt. Einige auch besonders seltene und gefährdete Arten können sogar von solchen Ereignissen profitieren, schreibt Kolbinger in einer Pressemitteilung. Während für Pflanzen und Algen eine rasche Erholung zu erwarten sei, sei eine Wiederbesiedlung mit Fischen nur sehr langsam möglich, außer der Mensch greife ein.

Der Frechensee gehört zum Naturschutzgebiet „Osterseen“. 1997 wurden die Osterseen als europäisches Vogelschutzgebiet, nach der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie, nach Brüssel gemeldet. Das Gebiet gehört laut Wikipedia zu einem der drei größten Eiszerfalllandschaften des Bayerischen Alpenvorlandes.

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