1. tz
  2. München
  3. Region

Festtagsgänse sind heuer schwer zu bekommen – Massiver Preisanstieg

Erstellt:

Kommentare

Der Gänsebraten gilt als eines der deutschen Festtagsessen.
Der Gänsebraten gilt als eines der deutschen Festtagsessen. Wer ihn heuer auf den Tisch haben will, muss Glück haben – und tief in die Tasche greifen. © Tobias Hase/dpa

Die Festtagsgans, eines der beliebtesten deutschen Festessen zu Weihnachten, ist heuer nicht überall zu bekommen. Auch bayerische Enten sind rar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Gasthäuser, die das Saisongeflügel an den Feiertagen anbieten, empfehlen ihren Gästen, es vorzubestellen. Grund für die Knappheit ist vor allem die Vogelgrippe, die in diesem Jahr in ganz Deutschland ungewöhnlich stark gewütet hat. Zahlreiche Gänse, Hühner und Puten mussten vorsorglich gekeult werden.

Festtagsgänse schwer zu bekommen - Vogelgrippe ist der Grund für die Knappheit

Bereits im Oktober hatte Lorenz Eskildsen, Vorsitzender des Bundesverbands bäuerlicher Gänsehaltung, davor gewarnt, dass die Weihnachtsgans in Gefahr sei. Wer sie beim Metzger kaufen und selbst zubereiten möchte, muss tief in die Tasche greifen. Um die 100 Euro verlangt Joseph Großmann für einen Vogel von vier bis sechs Kilo Gewicht – rund 20 Euro pro Kilo. Das sind 30 bis 50 Prozent mehr als 2021. Der Münsinger Metzger und Gastwirt bezieht seine Enten und Freilandgänse seit rund 35 Jahren vom Geflügelhof Lugeder im Landkreis Altötting. Dort kann er sicher sein, dass die Tiere artgerecht gehalten und erst mit etwa sechs Monaten geschlachtet werden.

In Polen und Ungarn werden sie in der Regel in nur zehn Wochen gemästet und dann geschlachtet. Diese Gänse sind zwar etwas günstiger als die heimischen, aber auch Import- und Tiefkühlware kostet wegen der Geflügelpest, der gestiegenen Energiekosten, der höheren Futterpreise und des überall angehobenen Mindestlohns mehr als in den Vorjahren.

Einfach bei uns ’reinschauen und eine viertel Gans mit Knödel und Blaukraut bestellen, so wie früher, geht nicht mehr.

Angelika Geiger, Geretsrieder Wirtin

Festtagsgänse sind heuer schwer zu bekommen - und deutlich teurer

In Großmanns Gastwirtschaft, dem Altwirt, gibt es die bayerische Entenkeule mit Blaukraut und Kartoffelgratin aktuell für 19,80 Euro. Für den ersten und zweiten Feiertag habe er auch genügend frische Gänse, sagt Großmann. Allerdings sei er da bereits komplett ausgebucht. Auch Otmar Fagner vom Wolfratshauser Humplbräu setzt auf das Geflügel der Familie Lugeder, so wie der Wirt generell regionales Fleisch verwendet. Doch heuer habe er gar nicht erst versucht, Gänse zu ordern, sagt er. Die Gäste werden aber Ente am 25. und 26. Dezember auf der Speisekarte finden. Fagner rät dazu, vorzubestellen.

Das mussten Feinschmecker auch im Alpengasthof Rabenkopf in Ried bei Kochel, wenn sie auf ihrer Firmen- oder Familienfeier während der Adventszeit Gänsebrust oder Entenkeule genießen wollten. „Wir hatten nur eine begrenzte Anzahl, die wir von einem Händler aus Rosenheim beziehen“, sagt Wirtin Theresa Slaschek. Während sie den Gänsebraten mit Beilagen im Vorjahr noch für 18 Euro anbieten konnte, musste sie heuer 22 Euro verlangen.

Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.

Schweinefilet und Wild sind auch sehr beliebt

Andreas Binder, Inhaber des Binderbräus in Bad Tölz, tischt zum Fest vor allem Ente auf. „Viele mögen sie eh lieber als die Gans“, sagt er. Auf den zahlreichen Weihnachtsfeiern, die er dieses Jahr ausgerichtet habe, sei niemandem die Gänsebrust abgegangen. Auch Schweinefilet und Wild seien beliebte Alternativen für ein festliches Menü. Die Preise habe er moderat anheben müssen, sagt Binder. Eine Mischkalkulation sorge dafür, dass nicht nur Großgeflügel teurer geworden sei.

Angelika Geiger vom Gasthof Geiger in Geretsried berichtet, es sei für sie schon an Kirchweih und Martini schwierig gewesen, bayerische Gänse zu bekommen. „Einfach bei uns ’reinschauen und eine viertel Gans mit Knödel und Blaukraut bestellen, so wie früher, geht nicht mehr“, sagt die Wirtin. Für das an diesen Feiertagen beliebte Gericht habe auch sie heuer etwas mehr verlangen müssen. An den Weihnachtsfeiertagen bleibt der Geiger geschlossen.

Vegetarisch-vegane Alternative zur Festtagsgans

Dass ein leckeres Festmenü nicht immer aus Fleisch oder Fisch bestehen muss, beweist Anneliese Stockner vom vegetarisch-veganen Hirschbachstüberl in Lenggries. Ihr Maronenbraten auf Burgundersoße harmoniert mindestens genauso gut mit Rotkohl und Kartoffelklößen wie eine Gans. „Ich verurteile niemanden, der Fleisch isst“, betont die Veganerin. Aber es müsse nicht jeden Tag sein und vor allem nicht aus Massentierhaltung. Denn die verursache nicht nur Tierleid, sie verbrauche auch sehr viel Kohlendioxid.

Mit den Preisen musste auch Stockner wegen der höheren Energie,- Lebensmittel- und Personalkosten nach oben gehen. Ihre Stammgäste hätten Verständnis gezeigt in der Adventszeit, sagt sie, aber das Überleben werde den Gastronomen „schon schwer gemacht“. Direkt an Weihnachten hat das kleine Hirschbachstüberl in diesem Jahr aber nicht geöffnet. tal

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Wolfratshausen finden Sie auf Merkur.de/Wolfratshausen.

Auch interessant

Kommentare