Luftbeobachter im Einsatz gegen Waldbrände 

Die Feuer-Flieger

Fürstenfeldbruck -Wolkenloser Himmel, Sonnenschein, 38 Grad. Manchen treibt das Sorgenfalten auf die Stirn. Denn die Waldbrandgefahr steigt. Darum suchen Späher vom Flugzeug aus nach Anzeichen einer drohenden Feuersbrunst – und verhindern so oft Schlimmeres.

Mit Feuer kennen Andreas Lohde und Hans Lienert sich aus. Der 40-jährige Lohde ist Kommandant der Feuerwehr Fürstenfeldbruck. Der 24 Jahre ältere Lienert ist dort ebenfalls Mitglied und war lange Kreisbrandmeister. Doch heute schwingen sich die beiden nicht ins Feuerwehrauto, sondern hoch in luftige Höhen. Sie sind Luftbeobachter der Luftrettungsstaffel und halten im Auftrag der Regierung von Oberbayern Ausschau nach Waldbränden.

Die Haupteinsatzzeit der Späher ist normalerweise nicht im Hochsommer, sondern im Frühjahr. „Dann ist die Vegetation vom Winter noch sehr trocken“, erklärt Lohde. Schon die warme Frühjahrssonne kann eine Intensität entwickeln, die ein Feuer auslösen kann. Doch nach wochenlanger Hitze ohne Niederschläge müssen die Luftbeobachter in diesem Jahr auch im Juli und August ran. „Lokalisieren, alarmieren, dokumentieren“, beschreibt Lohde.

Doch die können die Luftbeobachter nicht im Alleingang erfüllen. Zur Seite steht ihnen die Bundeswehr – genauer gesagt die Sportfluggruppe am Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst. Unterstützung, für die Lohde mehr als dankbar ist, denn „die Piloten fliegen fast ausnahmslos ehrenamtlich“. Zweimal bis zu zwei Stunden täglich investieren die Herren und Damen der Lüfte in diese Aufgabe.

Heute ist es die 31-jährige Doro Prang, die mit Hans Lienert ihre Runden dreht. Ein wenig militärisch wird’s dann auch prompt, als es um die Flugroute geht. „Wir haben die Route Charlie“, sagt Lohde und benutzt das beim Militär gebräuchliche internationale Buchstabier-Alphabet. Charlie steht für C. Andere Routen werden von anderen Stützpunkten aus überwacht, sodass ganz Oberbayern abgedeckt ist.

Route C führt vom Fliegerhorst ein kurzes Stück über den Landkreis Dachau, dann weiter in Richtung Ammersee-Region. Ein Schwenk nach Süden bis nach Steingaden, dann geht es über Peißenberg und Weilheim wieder zurück. Vor dem Start sprechen Lohde und Lienert mit Prang die Route noch einmal anhand einer Luftkarte durch. Dann geht es los. „Wir sind schon in der Flugphase“, sagt Prang. Der Moment des Abhebens ist im Flugzeug, ein SF25C Motorsegler, kaum zu spüren. Lediglich der Blick nach draußen zeigt, dass die Flugzeughallen am Boden immer kleiner werden.

Plötzlich wird’s unruhig. Der Sicherheitsgurt fixiert Pilotin und Passagier zwar sicher im Sitz. Trotzdem hat man hin und wieder ein Gefühl, als säße man in einem Lift, der plötzlich nach unten saust. „Heute geht viel Wind“, sagt Prang.

Die Böen rütteln aber nicht nur das Flugzeug durch. Sie haben auch Auswirkungen auf die Waldbrandgefahr. „Hitze und Wind – das sind steppenartige Verhältnisse“, sagt Lohde. Lienert nickt: „Wenn’s jetzt irgendwo zum Brennen anfängt, dann geht’s dahin. So schnell kannst gar ned schaun.“

Schauen ist das Stichwort für die Luftbeobachter. „Wir scannen den Horizont nach Rauchwolken ab“, erklärt Lienert. Einfach ist das bei der vorherrschenden Trockenheit nicht. „Aufgewirbelter Staub ist ein großer Täuschungsfaktor.“ Über staubtrockene Wiesen, Waldstücke und das Grün an Ortsrändern gleitet der Blick. Potenzielle Brandstellen sind überall. Späht Lienert tatsächlich ein Feuer aus, ist der Ablauf genau festgelegt: Per GPS, aber auch noch mit guten alten Geländekarten, wird die Brandstelle lokalisiert und an die Leitstelle gemeldet.

Die alarmiert die zuständige Feuerwehr. „Bis die da ist, kreisen wir über der Brandstelle“, sagt Lienert. Dazu brauchen die Beobachter unter dem Glasdach in der brüllend heißen Flugzeugkanzel einen stabilen Magen. Zur gleichen Zeit muss der Brand auf dem Boden zu Dokumentationszwecken fotografiert werden.

Seit 1995 fliegt Lienert für die Waldbrand-Beobachter. Dabei hat er schon manches Feuer aufgespürt. „Mal in Dachau, einige Male auch schon im Oberland“, erzählt er. Lienert macht die Aufgabe Spaß: „Es ist eine sinnvolle und interessante Tätigkeit.“ Heute muss er keinen Alarm geben. Aber morgen wird wieder geflogen. Die Hitzeperiode geht in den kommenden Tagen weiter – der Dienst für die Luftbeobachter auch.

Andreas Daschner

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