Feuerwehr ist nicht Mädchen für alles: Bürger sollen sich selber helfen

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Kreisbrandrat Gerhard Bullinger warnt: „Die Feuerwehr ist nicht Mädchen für alles.“ 

Ebersberg - Ein Ast auf dem Radweg, ein paar Tropfen im Keller - oft wird die Feuerwehr häufiger gerufen als notwendig. Das sagt Kreisbrandrat Gerhard Bullinger. Er wünscht sich, dass sich das ändert.

„Bei nicht allen 1400 Feuerwehr-Einsätzen des vergangenen Jahres im Landkreis Ebersberg hätte die Feuerwehr ausrücken müssen“, warnt Kreisbrandrat Gerhard Bullinger.

Immer häufiger würden viele Mitbürgerinnen und Mitbürger vorschnell zum Handy greifen, weil beispielsweise ein Ast auf dem Radweg liegt, „obwohl dieser schnell mit einem Griff hätte beiseite geschafft werden können, oder ein paar Tropfen Wasser im Keller stehen“.

Keineswegs wollen die Feuerwehren dazu aufrufen, sich selbst in Gefahr zu bringen: „Im Zweifel sollte immer der Notruf 112 abgesetzt und auf Eigenschutz geachtet werden“, so Bullinger. Ein Feuerwehreinsatz habe aber auch eine Kehrseite: Die Einsatzkräfte verlassen wegen eines „Ästchens“ oft ihren Arbeitsplatz, obwohl eigentlich jeder den Ast beseitigen hätten können, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. „Dies führt immer häufiger zu Problemen am Arbeitsplatz, wenn es sich nur um eine Lappalie handelt“, so der Kreisbrandrat.

Feuerwehrdienst werde im Landkreis Ebersberg ausschließlich ehrenamtlich geleistet. Dies bedeutet, dass der Feuerwehrangehörige tagsüber seinen Arbeitsplatz verlässt, wenn der Meldeempfänger oder die Sirene zum Einsatz rufen. „Auch ein mit Wasser vollgelaufener Keller, in dem bei Eintreffen der Feuerwehr nur zwei bis drei Zentimeter Wasser stehen, und die Einsatzkräfte den Eindruck haben, dass der Hausinhaber lieber weiter die Sportschau schaut, als sich selbst die Hände nass zu machen, ist ein klassisches Beispiel, wie jeder selbst zupacken könnte, anstatt zuzuschauen“, sagt Bullinger deutlich.

Gleiches gelte für die bayernweit über 12 700 Fehlalarme pro Jahr, die durch Brandmeldeanlagen ausgelöst werden. „Hier sind die Betreiber aufgefordert ihre Anlagen regelmäßig warten zu lassen, um Fehlalarme zu vermeiden“, fordert Bullinger.

Rund 10 000 Personen in Bayern seien von sogenannten „First Responder Einheiten“ im vergangenen Jahr erstbetreut worden und hätten mit der „organisierten Erste Hilfe“ die Zeit überbrückt, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. „Im Landkreis hatten wir 170 Einsätze der First Responder Teams Aßling und Grafing“, berichtet der Kreisbrandrat. Er warnt: „Im Hinblick auf die demografische Entwicklung in der Bevölkerung, einer immer angespannteren Arbeitsmarktlage und einer immer schwieriger werdenden Sicherstellung der Tagesalarmsicherheit läuten unsere Kommandanten die Alarmglocken.“

Dabei sei auch feststellbar, dass das Anspruchsdenken der Bürger immer mehr zunehme. „Die Feuerwehr muss das Rundumsicherheitspaket rund um die Uhr und in allen Fällen gewährleisten. Dabei kann jeder Bürger mithelfen.“

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