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„Signifikantes Problem“: Zu wenig Leute - Feuerwehr kann bei Alarm nicht ausrücken

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Von: Franziska Konrad

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Fuhrpark und Gerätehaus der Feuerwehr Starnberg: Gestern konnte die Wehr erstmals kein Löschfahrzeug und auch die Drehleiter nicht ausrücken lassen, weil es an Personal fehlte.
Fuhrpark und Gerätehaus der Feuerwehr Starnberg: Gestern konnte die Wehr erstmals kein Löschfahrzeug und auch die Drehleiter nicht ausrücken lassen, weil es an Personal fehlte. © Feuerwehr Starnberg

Dass die Starnberger Feuerwehr unter akuten Personalproblemen leidet, ist seit Jahren bekannt. Wie prekär die Lage tatsächlich ist, zeigte sich jetzt: Die Wehr konnte bei einem Alarm nicht ausrücken.

Starnberg – Vor Jahren warb der Landesfeuerwehrverband Bayern mit Slogans wie „Stell dir vor, es brennt und keiner löscht“ um Ehrenamtliche. Eine Überspitzung, dachte sich mancher seinerzeit – doch dem ist nicht immer so. Als am Montag gegen 6.15 Uhr ein Sensor der Brandmeldeanlage im Starnberger Seebad einen Brand anzeigte und, wie in diesen Fällen üblich, die Wehren Starnberg und Söcking alarmiert wurden, fuhren nur die Söckinger zum Seebad.

Von Starnberg kam zwar der Zugführer, aber kein Löschfahrzeug – es waren nur vier Ehrenamtliche zum Alarm erschienen. Das hat viele Gründe, analysiert der federführende Kommandant Markus Grasl – es belegt aber einmal mehr die Personalknappheit im Stadtgebiet, der Grasl mit Hauptamtlichen begegnen will. Am Dienstag will sich Bürgermeister Patrick Janik mit dem Vorfall im Detail befassen.

Wegen Personalproblemen: Feuerwehr kann nicht ausrücken - „Passiert, was ich immer befürchtet habe“

Dass zu wenige Aktive zum Alarm erschienen, hat für Markus Grasl eine Reihe von Gründen. Die Zeit – frühmorgens – ist ungünstig, dazu ist auch schon Urlaubszeit. Corona hat seinen Anteil. Und der Alarmgrund, denn im Seebad waren die Starnberger Feuerwehrler schon so oft umsonst, dass Grasl vermutet, dass sich einige das nicht mehr antun wollen. Diesmal war es eine Auslösung bei Reinigungsarbeiten. „Ein vermeidbarer Alarm“, betont Grasl. „Nun ist passiert, was ich immer befürchtet habe.“

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Grasl fordert schon lange hauptamtliche Kräfte, zwei hat er bisher (von denen einer gerade auf Lehrgang ist). Das steht auch im Entwurf des Feuerwehrbedarfsplanes (wir berichteten). Entscheidungen über mehr hauptamtliche Kräfte dauern dem Kommandanten zu lange: „Je mehr man sich Zeit lässt, desto gravierender wird das Problem.“

Personalmangel bei Feuerwehr: Kreisbrandrat nicht überrascht - „Bleibt nichts anderes übrig“

In diesem Ausmaß trat die Personalschwäche erstmals zutage; es gab aber schon nachts Einsätze, bei denen nicht alle Fahrzeuge ausrücken konnten mangels Mannschaft. Dass es derzeit wieder mehr Einsätze werden, verschärft die Lage. Gestern waren es vier bis zum Nachmittag: das Seebad, zwei Sanitätseinsätze zur Unterstützung des Rettungsdienstes und am Nachmittag wieder ein Fehlalarm, diesmal in Niederpöcking. Ehrenamtlich sei das nicht mehr machbar, erklärt Grasl.

Kreisbrandrat Peter Bauch überrascht der Fall nicht. „Das kann immer passieren“, sagt er, besonders im Sommer. Es zeige, dass Starnberg „definitiv ein Personalproblem hat“, das sich faktisch nur durch Hauptamtliche beheben lasse. Schon wenige würden helfen, zumindest unter der Woche. „Es bleibt nichts anderes übrig“, betont Bauch.

Zumal: Schon 2010 habe es Gutachten gegeben, dass Starnberg um Hauptamtliche nicht herumkommen würde. Passiert ist damals nichts, was der Stadt „nun doppelt und dreifach auf die Füße fällt“. Möglich sei, dass die Alarmpläne angepasst werden müssten, was bei einer anhaltenden Personalschwäche in Starnberg zu mehr Einsätzen für die Wehren der Umgebung führen würde.

Starnberg: Feuerwehr kann bei Alarm nicht ausrücken - Bürgermeister reagiert betroffen

Bürgermeister Patrick Janik reagierte betroffen und will sich am Dienstag rathaus-intern mit dem Fall befassen. Er zeige jedoch, dass „wir ein signifikantes Problem haben“. Der Feuerwehrbedarfsplan sei dafür wohl keine kurzfristige Lösung, fürchtet er. Die Verwaltung prüfe derzeit dessen Prioritäten und hinterlege die einzelnen Positionen mit Kostenschätzungen. Ohne das könne man sich der Umsetzung nicht zuwenden.

Dass das Seebad für viele Fehlalarmierungen sorge, weiß man im Rathaus. „Wir sind aber schon besser geworden“, sagte Janik. Probleme gab es im Seebad unter anderem, weil regelmäßig die Duschen zur Legionellen-Vorbeugung heiß gespült werden – und Dampf kann einen Rauchmelder auslösen. Die Stadt sei laufend bemüht, weitere Fehlalarmierungen zu verhindern.

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