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Schon bewohnt: Dach von Neubau muss abgerissen werden – Bauherr hat mehrere Regeln missachtet

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So darf das neu gebaute Sechs-Familienhaus nicht stehen bleiben, obwohl es inzwischen bewohnt ist. Man hat sich halt nicht an die Regeln gehalten. Der Gemeinderat hat noch mehr erlaubt, und es war trotzdem noch nicht genug. Ludwig Neuner, Gemeinderat (SPD)
So darf das neu gebaute Sechs-Familienhaus nicht stehen bleiben, obwohl es inzwischen bewohnt ist. Man hat sich halt nicht an die Regeln gehalten. © mm

Dass bei Neubauten die genehmigten Vorgaben überschritten werden, kommt immer wieder vor. Doch nun hat es ein Bauherr wohl übertrieben. Resultat: Das Dach eines Mehrfamilienhauses muss wieder abgerissen werden.

Althegnenberg – Stein des Anstoßes für Behörden und Gericht ist ein Mehrfamilienhaus an der Münchner Straße. Als es fertig war, stellte sich heraus: Die Balkone, sind zu groß, es gibt Dachgauben, die nie genehmigt wurden und der sogenannte Kniestock, die Wandhöhe, ab der im Dachgeschoss die Schräge beginnt, ist auch zu großzügig ausgefallen.

Der ursprüngliche Antrag

Im Juni 2016 wurde der ursprüngliche Bauantrag eingereicht und vom Gemeinderat genehmigt. Schon damals waren einige Befreiungen nötig gewesen, was etwa Wandhöhe, Kniestock und Geschoßfläche betrifft, damit das Sechs-Familienhaus überhaupt gebaut werden durfte. Das Gremium hatte die Ausnahmen abgesegnet. Doch das Landratsamt als übergeordnete Behörde schritt ein und beurteilte das Vorhaben als nicht genehmigungsfähig.

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Bebauungsplan sogar überarbeitet

Die Gemeinde Althegnenberg ließ daraufhin den Bebauungsplan überarbeiten. Die Änderung trat im Mai 2018 in Kraft. Der Bau begann. Doch der Bauherr hielt sich trotz der erteilten Befreiungen und des extra geänderten Bebauungsplanes nicht an die Vorgaben. Es wurden Gauben eingebaut, die Balkone vergrößert und der Kniestock erhöht. Das Landratsamt forderte schließlich eine Tektur, sprich die Änderung des bestehenden Bauantrags.

Dieser Änderung konnte der Gemeinderat aber im Januar 2021 in der eingereichten Form schlichtweg nicht zustimmen.

Größtes Problem ist das Dachgeschoss

„Das größte Problem bei der Sache ist das Dachgeschoss“, erklärte Bürgermeister Rainer Spicker (BI) jetzt im Gemeinderat. Dieses gilt wegen der vorgenommenen, nicht genehmigten Abweichungen vom Plan als Vollgeschoß. Es wäre das dritte in dem Haus. Zulässig sind aber in dem Teil der etwa 1900 Einwohner zählenden Gemeinde maximal zwei Vollgeschosse.

Als der Gemeinderat den Antrag konsequenterweise ablehnte, klagte der Bauherr vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht, um doch noch nachträglich zu seiner Genehmigung zu kommen.

Richter vor Ort

Vor Kurzem machte sich der Richter bei einem Ortstermin selbst ein Bild von der Lage – und bestätigte die Entscheidung der Gemeinde. Das dritte Vollgeschoss ist nicht zulässig. Die Gauben und das Dachgeschoss müssen rückgebaut werden.

Die Gemeinde hätte nun den Bebauungsplan erneut ändern können, man entschied sich aber dagegen. Spicker: „Ein drittes Vollgeschoss ist nicht gewollt.“ Der Rathauschef und seine beiden Stellvertreter hatten sich vor der Gemeinderatssitzung noch einmal mit dem Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf besprochen.

Einschätzungen im Gemeinderat

Ratsmitglied Ludwig Neuner (SPD) kommentierte das Geschehen so: „Man hat sich halt nicht an die Regeln gehalten. Der Gemeinderat hat noch mehr erlaubt, und es war trotzdem noch nicht genug.“ Norbert Scholz (CSU) sagte, „es ist traurig, dass es so weit kommen muss“. Er finde es nicht gut, wie das gemacht worden sei. „Aber gleich ein Rückbau des Dachgeschosses?“ Dennoch will der Bauherr nun das ganze Dach wieder abtragen – obwohl das Haus bereits bewohnt ist. Alles andere hätte keinen Sinn. Seinen erneuten Änderungsantrag billigte der Gemeinderat einhellig.

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