Auf Spielplatz: Bub findet Rohrbomben im Sand

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Zwei Rohrbomben (hier die bereits Detonierte) sind auf einem Spielplatz in Emmering aufgetaucht.

Emmering - Explosiver Fund auf einem Emmeringer Spielplatz: Ein fünfjähriger Bub hat zwei selbstgebastelte Rohrbomben ausgebuddelt. Wie die dort hingekommen sind:

Sie hatten noch alte Böller und Raketen von der letzten Silvester-Party herumliegen, wussten wahrscheinlich nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen – so kamen drei Burschen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck auf eine fatale Idee. Sie bastelten aus Metallrohren, Schwarzpulver und ein paar Schrauben zwei Rohrbomben. Es hat nicht viel gefehlt, und ein Kind wäre dadurch verletzt worden.

Pfingstmontag, gegen 19 Uhr, in Emmering. Ein Mann geht mit seinem fünfjährigen Sohn auf den kleinen Spielplatz in der Nachbarschaft, es gibt dort eine Wippe und eine Schaukel. Plötzlich ruft der Bub seinen Vater – und zeigt ihm, was er beim Spielen gefunden hat. Zwei Metallrohre, eines lag im Sand unter der Schaukel, das andere im Gebüsch nebendran.

Jetzt erinnert sich der Vater an ein Ereignis aus der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag: Ein lauter Knall vom nahen Spielplatz hatte ihn aufgeschreckt. Der Mann hatte daraufhin aus dem Fenster geschaut – und drei junge Männer in ein Auto steigen und wegfahren gesehen. Und jetzt die Metallrohre! Der Familienvater geht auf Nummer sicher und ruft die Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck an.

Die Beamten rücken sofort an und sperren den Bereich um den Spielplatz ab. Eine Technische Sondergruppe und Sprengstoffexperten vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) suchen noch in der Nacht das Gelände nach weiteren Bomben ab, auch spezielle Hunde sind im Einsatz. Die Aktion zieht sich bis in die Mittagsstunden des nächsten Tages hin – dann ist klar: Der Spielplatz ist sicher.

In der Zwischenzeit untersuchen Experten die beiden Rohrbomben. Schnell steht fest, dass es sich bei den Expemplaren vom Spielplatz um funktionsfähige Sprengkörper handelt. Einer davon war bereits gezündet worden – daher der Knall in der Nacht zu Pfingstmontag.

Die Zeugenaussage des Anwohners hilft jetzt bei den weiteren Ermittlungen: Denn der Vater hatte sich das Kennzeichen von dem Auto gemerkt, das nach der Explosion wegfuhr. Die Polizei findet den Fahrzeughalter heraus, einen 21-Jährigen aus dem Landkreis. Dieser gibt sofort alles zu und nennt die Namen seiner zwei Kumpanen, sie sind beide 19 Jahre alt und ebenfalls aus der Gegend. Auch sie sind geständig. Das Trio erwartet eine Anzeige wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Strafmaß: bis zu drei Jahre Haft.

Im Labor ermitteln die Experten noch, um welchen Sprengstoff es sich genau handelt. Von der Art hängt es ab, wie entzündlich eine Bombe ist. Schließlich hatten die Burschen auf dem Spielplatz selbst nur eine gezündet, die andere war noch scharf. Claudia Vodermaier, Sprecherin beim LKA, sagt: „Manchmal reicht schon eine leichte Erschütterung und die Bombe explodiert.“

Das LKA warnt ausdrücklich vor dem Bau von Bomben – es könne zu schweren Verletzungen kommen. Doch wie arglos mit dem Thema zum Teil umgegangen wird, zeigt eine Abfrage im Internet unter dem Stichwort „Rohrbombe bauen“. Dort finden sich zig Artikel und Videos mit Anleitungen zum Bombenbau. Vermutlich hatten sich dort auch die drei jungen Männer aus dem Kreis Fürstenfeldbruck informiert.

Carina Lechner

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