Lohnend für jedes Eigenheim

Unterhachinger Firma erfindet Mini-Windradl für den Garten

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Sechs Räder stehen im Campo Bahia, dem Ex-Quartier der DFB-Elf

Unterhaching - Eine Firma aus dem Münchner Umland hat ein Windradl für den Garten erfunden - und damit auf der ganzen Welt Erfolg. Der Chef erklärt, warum sich die Anschaffung für jedes Eigenheim lohnt.

Sie sind waschechte Bayern und kommen im Miniformat daher: Kleinwindanlagen für den Hausgebrauch. Sie stehen bei der Alpenhütte, im Schrebergarten oder auf dem Eigenheim. Produziert werden sie von einer Firma aus dem Münchner Umland: der Turbina Energy AG in Unterhaching.

So sehen die Miniwindanlagen der Unterhachinger Firma aus.

Geschafft haben es die Windanlagen aber schon viel weiter: Bis nach Brasilien! Am Zuckerhut standen sechs von ihnen am Trainingsplatz der DFB-Elf und im Campo Bahia. Das wurde – wie die tz berichtete – ebenfalls von Münchnern gebaut: Dem Unternehmer-Ehepaar Hirmer. Dort haben die Anlagen bestens funktioniert. Kein Wunder, bei dem Wind, den Jogis Jungs gemacht haben!

Das Unternehmen Turbina Energy AG mit bosnischen Wurzeln gibt es seit April 2013. Es sitzt in Unterhaching und hat 35 Mitarbeiter. Im Moment bietet Turbina Ein-Kilowatt- und Vier-Kilowatt-Windkraftanlagen für das Eigenheim – 500-Watt-Anlagen sind in Planung. Etwa 1000 dieser Anlagen will die Firma bis Ende 2014 ausgeliefert haben.

Gefahr, dass die Windanlagen mit ihrer Lautstärke den deutschen Kickern den Schlaf geraubt hätten, bestand nicht. Die ein Kilowatt-anlagen der Unterhachinger Firma sind die leisesten auf dem Markt. Weltrekord! „Die deutsche Nationalmannschaft hat gut geschlafen, haben wir über den Flurfunk erfahren“, erzählt Turbina-Chef Aleksandar Vucak. „Das wäre noch das Beste gewesen, wenn die verloren hätten, und wir sind schuld.“ Mit einer Leistung von einem Kilowatt und vier Kilowatt bei einer Windgeschwindigkeit von zwölf Metern pro Sekunde sind die Anlagen zu haben. Bald soll es auch eine 500-Watt-Anlage geben.

Wie aus Lego gebaut sehen die Turbinen aus: Die Flügel liegen auf einer Vertikalachse. Außenliegende Blätter schieben den Wind zum Rotor im Inneren und wieder aus der Anlage heraus. Das Besondere: „Unsere Windanlagen produzieren auch schon bei sehr wenig Wind Strom“, sagt Produkt-Entwickler Marcus Kuchler. Preislich liegen die Turbinen zwischen 3000 und 10.000 Euro. Praktisch für Kunden aus dem Freistaat: Bis zu einer Höhe von zehn Metern braucht man hier für sie keinen Bauantrag.

Ramona Weise

Turbina-Chef Aleksandar Vucak: "Lohnend für jedes Eigenheim"

Unterhaching – warum hat es Sie mit Ihrer Firma ausgerechnet hierher gezogen?

Aleksandar Vucak: Die wirtschaftlichen Bedingungen und die Unterstützung der Gemeinde haben uns überzeugt. Weg von München wollte ich auf keinen Fall – ich wohne selbst hier und wollte nicht weit fahren. Außerdem ist die Marke Bayern weltweit bekannt. Bayern steht für Innovationen und Verlässlichkeit. Das sind die Stichworte, mit denen auch wir uns hier identifizieren.

Sie kommen selbst aus dem kaufmännischen Bereich, arbeiteten unter anderem im E-Commerce für den Reiseunternehmer TUI. In eine Windkraftfirma einzusteigen, scheint da nicht unbedingt naheliegend! 

Vucak: Die Firma hat ihren Ursprung in Bosnien. Genauso wie ich. Einer der Ingenieure der Turbina ist ein Onkel von mir. Er hat mir die Windkraftsparte schmackhaft gemacht. Dann bin ich 2006 in die bosnische Firma eingestiegen und habe das Unternehmen 2013 in Deutschland neu gegründet.

Wem raten Sie zu einer Mini-Windanlage?

Vuvak: Jedem Immobilienbesitzer! Jedoch würde ich immer empfehlen, die Windanlage mit einer Solaranlage und Batterien zu kombinieren.

Wieso das?

Vucak: Das ist hier optimal, weil wir sowohl Sonne als auch Wind haben. Solar ist günstig geworden. Die Batterien funktionieren als Zwischenspeicher für den Strom.

Von der Seite der geringen Einspeisevergütung (neun Cent pro Kilowattstunde) gesehen, lohnt sich eine Miniwindanlage nicht! 

Vucak: Das stimmt. Aber es lohnt sich durchaus, den produzierten Strom selbst zu verbrauchen. Wer selbst Strom produziert, macht sich unabhängig von außen – und vom Strompreis.

Skandinavien größter Markt

In München daheim, auf der ganzen Welt aktiv: In Grönland, Griechenland, Mexiko und an der Elfenbeinküste stehen Miniwindanlagen der Turbina Energy AG aus Unterhaching. Der Umsatz in Deutschland macht nur 20 Prozent des Geschäfts aus. Ein Grund: Hierzulande lockt nur wenig Geld, wenn eigener Strom ins Netz eingespeist wird: neun Cent pro Kilowattstunde. In England sind es zum Vergleich 34,5 Cent. Wichtigster Absatzort für die Unterhachinger ist derzeit Skandinavien. In Dänemark etwa wird Windenergie stark gefördert, sagt Turbina-Chef Aleksandar Vucak. Der Markt der Zukunft: Nordamerika.

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