Trockene Stellen am Krüner Wehr

Fischesterben in der Isar - wir brauchen eine Lösung

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Rettungsaktion: Weil die Isar unterhalb des Krüner Wehrs (Kreis Garmisch-Partenkirchen) immer wieder trockenfällt, müssen die Garmisch-Partenkirchener Fischer die Tiere regelmäßig aus Wasserlöchern retten und umsetzen.

Zwischen Krün und Wallgau trocknet immer wieder die Isar aus – mit der Folge, dass tausende Fische auf den Kiesbänken verenden. Fischer fordern seit Jahren eine Lösung für das Problem am Krüner Wehr. Jetzt will das Wasserwirtschaftsamt reagieren.

Krün – Für Hans Schanderl sind die Rettungsaktionen schon zur Gewohnheit geworden. Der Isar-Beauftragte des Kreisfischerei-Vereins Garmisch-Partenkirchen hat immer den Hochwassernachrichtendienst im Auge. Wenn die Pegel steigen, weiß er: Bald ist es wieder so weit. Dann wird er sich wieder aufmachen von Kochel hinauf zum Krüner Wehr. Und nicht selten sieht er sie dort auf den trockenen Kiesbänken zappeln, die Äschen, Bachforellen und Mühlkoppen. Dann trommelt er die Mitglieder des Fischervereins zusammen und sie versuchen so viele Fische wie möglich zu retten. Doch trotz all der Mühe: „Tausende sind in den letzten Jahren schon verendet.“ Und auch jetzt ist die Isar schon wieder an einigen Stellen trocken. Zum mittlerweile 35. Mal seit 1995. Schanderl führt Buch.

Die Fische bleiben auf dem Trockenen

Immer wieder sterben die Fische auf den Kiesbänken, wenn das Isarwasser versickert.

Der Grund für das Fischesterben ist immer der gleiche: Am Krüner Wehr wird seit 1923 Isarwasser zum Walchensee-Kraftwerk abgeleitet, nur ein kleiner Teil fließt weiter in der Isar. Bei Hochwasser allerdings öffnet der Energiekonzern Eon die Schleusen am Krüner Wehr. Dann rauschen nicht nur die Wassermassen in Richtung Wallgau hinab, sondern auch jede Menge Kies, der sich vor dem Wehr gesammelt hat. Das Hochwasser geht vorüber, der Kies aber bleibt. Wenn das Wehr später wieder geschlossen wird, sickert das Isarwasser langsam unter den Kies – und die Fische bleiben auf dem Trockenen, in Tümpeln oder abgeschnittenen Wasserlöchern liegen. Das freut zwar die Raben und Füchse, die sich dann wie im Schlaraffenland vorkommen. Für die Fischer ist es aber jedes Mal wie ein Stich ins Herz.

Durch die Wasserableitung wird der Effekt noch verstärkt

Dass Wildflüsse an manchen Stellen immer wieder trockenfallen, sei grundsätzlich nicht untypisch, sagt Johannes Riedl vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Durch die Wasserableitung am Krüner Wehr werde der Effekt allerdings noch verstärkt. Die Genehmigung für die Ausleitung läuft noch bis ins Jahr 2030, dann wird neu verhandelt. Auf den Kraftwerksbetreiber will Hans Schanderl die Schuld gar nicht schieben – schließlich hat der Fischer dort selbst lange Zeit gearbeitet. Es gebe ja gar nichts besseres als regenerative Energie zu nutzen. Außerdem ist seit Anfang der 90er-Jahre auch festgeschrieben, dass der Kraftwerkbetreiber immer eine bestimmte Wassermenge durch das Wehr lässt – im Winter drei Kubikmeter pro Sekunde, im Sommer knapp fünf. „Aber das löst nicht unser Kies-Problem“, sagt Schanderl.

Ein Ausschotterungsbecken als Lösung für das Kies-Problem?

Ausgetrocknet: In diesem Seitenarm der Isar ist kein Wasser mehr zu sehen.

Sein Vorschlag: Ein Kiesfang oberhalb des Krüner Wehrs, ein sogenanntes Ausschotterungsbecken. „So könnte man den Kies, der über das ganze Jahr kommt, etwas rausleiten und im Trockenen wegnehmen.“ Beim Wasserwirtschaftsamt ist man dem Vorschlag gegenüber nicht abgeneigt. „Wir arbeiten gerade an einem Entwurf“, sagt Riedl. Der soll Mitte des Jahres an die Regierung von Oberbayern und das Landesamt für Umwelt gehen und dort geprüft werden. Denn nicht alle wollen den Kies dort weghaben. Naturschützer verweisen auf die gefährdeten Tamarisken-Sträucher, die auf den Kiesbänken wachsen, sowie auf die Brutvögel. Aber Schanderl hofft auf eine Lösung, mit der seine Fische auch leben können. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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