Fliegerbombe explodiert direkt neben Spazierweg

Drei Meter Durchmesser hat der Krater in den Isarauen.

Unterföhring - Direkt neben einem Fußweg am Mittleren Isarkanal in Unterföhring ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert.

Ein Passant entdeckte gestern den breiten Krater, den das 125 Kilo schwere Geschoss in den Erdboden an der Alten Münchner Straße gerissen hatte. Nach Angaben der Polizei muss die Bombe schon vor einigen Tagen unbemerkt detoniert sein. „Wir gehen davon aus, dass es sich hier um einen Langzeitzünder handelt, der allerdings nicht komplett detoniert ist“, sagt Sprengmeister Martin Tietjen von der Kampfmittelbeseitigung in Garching-Hochbrück, nachdem er einen ersten Blick auf die Überreste des Blindgängers geworfen hatte. Wären zu diesem Zeitpunkt Menschen in unmittelbarer Nähe gewesen, „sie wären höchstwahrscheinlich tot“, ist sich der Sprengmeister sicher.

Nur zehn Meter links vom Spazierweg entfernt ist die Bombe detoniert. Fotos: Förtsch

Mit einem Sprengstoffhund suchten die Beamten gestern das Umfeld nach womöglich weiteren Bomben ab, fanden aber nichts. „Wir vertrauen daher auch darauf, dass keine unmittelbare Gefahr für die Bürger besteht“, sagte gestern Rosemarie Keil, Sprecherin der Gemeinde. Doch eine Garantie gibt es nicht, dass in diesem abgelegenen Teil der Isarau nicht noch mehr tickende Zeitbomben unter der Erde schlummern. Wie eine Anwohnerin weiß, verlief entlang des Isarkanals damals eine Bahnstrecke für den Rüstungstransport, die ins Visier der Alliierten geriet und aus der Luft bombardiert wurde. Tatsächlich tauchen laut Martin Tietjen täglich in ganz Deutschland Überreste aus den Kriegsjahren wie alte Handgranaten Panzerfäuste oder Bomben auf. „Allein in Bayern hat man im vergangnen Jahr 50 Tonnen Kampfmittel gefunden“, sagt er. Experten gehen davon aus, dass bis zu 15 Prozent der alliierten Bomben Blindgänger waren. „Kein Mensch weiß, wieviel davon noch unter der Erde liegt“, meint Tietjen. Fakt aber sei es, dass diese Bomben zum Töten gebaut wurden. „Und das können sie auch nach 70 jahren noch.“ Nur kleine Erschütterungen oder Temperaturunterschiede reichen aus, damit der Zünder auslöst.

Verschiedene Maßnahmen werden nun gestartet, um das Gebiet nach alten Bomben abzusuchen. „Mithilfe verschiedener Metallsonden schauen wir, ob da noch etwas unter der Erde liegt“, sagt Sprengmeister Tietjen. Ausschließen könne die Gefahr aber niemand.

München - auferstanden aus Ruinen

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