Zweitgrößtes Flüchtlingslager in Bayern

Fliegerhorst Erding: 5000 Asylbewerber bis Monatsende 

Erding – Nach Feldkirchen bei Straubing eröffnet am Montag das zweite große Flüchtlingslager in Bayern. In Erding erwartet man bis Monatsende bis zu 5000 Asylbewerber. Untergebracht werden sie im Fliegerhorst – eine immense Herausforderung mit Folgen.

Die Nachricht erwischte Stadt und Landkreis Erding am 18. September eiskalt: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beschlagnahmte einen Teil des Fliegerhorsts. In gerade einmal drei Wochen haben Bund, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz nach der Gäubodenkaserne in Feldkirchen bei Straubing einen zweiten sogenannten Warteraum Asyl geschaffen. In zehn Festzelten und 18 ehemaligen Flugzeugunterständen, sogenannten Sheltern, sollen bis Monatsende 5000 Flüchtlinge untergebracht werden.

Die Belegung läuft am Montag an. In den ersten Tagen werden im „Camp Shelterschleife“ rund 1500 Migranten erwartet. Für sie wird es die erste Anlaufstelle in Deutschland sein. Die Unterbringung darf nicht länger als drei Tage dauern, danach werden die Asylbewerber von Erding aus auf das ganze Bundesgebiet verteilt. Erst dann erfolgen Registrierung, Erstaufnahme und Beginn der Verfahren.

In der Stadt ist man zwiegespalten. Einerseits ist die Willkommenskultur in der Bürgerschaft nach wie vor groß. Andererseits machen sich ob der schieren Größe des Zuzugs Sorgen breit. Geschürt wurden sie anfangs von der Politik des BAMF, das aus dem Warteraum eine Geheimsache machte, Fragen unbeantwortet ließ und allen Aufbauhelfern einen Maulkorb verpasste. Gab es etwas zu verbergen? Irgendwann wurde der Druck zu groß, so dass „Camp Shelterschleife“ erst für die Presse und dann für die Öffentlichkeit geöffnet wurde. Am morgigen Sonntag findet von 10 bis 15 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.

Dennoch bleiben viele Bürger skeptisch. Dabei hat das BAMF etliche Anliegen von Stadt und Landkreis erfüllt. Die Asylbewerber dürfen sich frei bewegen, könnten sich also in großen Gruppen in Richtung Stadt aufmachen. Anfangs hätte die Pforte direkt in den Stadtteil Langengeisling geführt. Das lehnten Oberbürgermeister Max Gotz und Landrat Martin Bayerstorfer (beide CSU) strikt ab. Schließlich einigte man sich auf einen Auslass zur B 388 Erding-Taufkirchen. Dort werden im Moment ein Weg aufgekiest und eine Beleuchtung installiert.

Dennoch bleibt ein enormes Risiko, vor dem allem die Polizei warnt: Die Camp-Bewohner müssen entlang der viel befahrenen Bundesstraße gehen. Schwere Unfälle scheinen programmiert. Um zu verhindern, dass sich alle drei Tage tausende Asylbewerber nach Erding aufmachen, um dort Handykarten zu kaufen, organisiert das BAMF nun eine Ausgabestelle im Fliegerhorst.

Mehrere hundert Helfer haben seit Mitte September nicht weniger geleistet, als eine kleine Stadt hochzuziehen. Einquartiert werden die Migranten in zehn winterfesten Bierzelten und 18 Sheltern. Eine Kanalisierung war vorhanden, allerdings musste eine komplette Strom- und Wasserversorgung aufgebaut werden. Hinzu kamen mehrere Kilometer Zaun mit Stacheldraht, um den militärischen Sicherheitsbereich abzuschirmen. Auch wenn nahezu rund um die Uhr gearbeitet wird, kann die Fertigstellung erst im laufenden Betrieb erfolgen.

Der Warteraum wirft einen Großteil der Stadtplanung über den Haufen. Denn ursprünglich hätte der Fliegerhorst bis 2019/2020 aufgelöst werden sollen. Erding möchte hier einen ganz neuen Stadtteil realisieren. Dieses Mammutprojekt liegt nun auf Eis, weil niemand abschätzen kann, wie lange das Camp benötigt wird. Die Rede ist von bis zu mehreren Jahren. Fast alle Konversionspläne wurden gestoppt. Das trifft auch die Hochschule Erding, die im Fliegerhorst einen Studenten-Campus errichten wollte.

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