Sprach sie mit der werdenden Mutter?

Flughafen-Baby: Vor der WC-Tür stand eine Zeugin

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In dieser Parkhaus-Toilette wurde das Baby gefunden.

München - Die Mutter des ausgesetzten Flughafen-Babys ist weiterhin auf der Flucht. Jetzt sucht die Polizei nach einer Zeugin. Sie sprach möglicherweise durch die geschlossene WC-Tür mit der Frau.

Das gute Nachricht vorneweg: Das neugeborene Mädchen, das am Donnerstagnachmittag leblos in einer Parkhaustoilette am Münchner Flughafen gefunden wurde, hat die Nacht überstanden und nach Einschätzung der Kinderärzte im Haunerschen Kinderspital gute Überlebenschancen. Die Kleine wird aber weiterhin intensivmedizinisch behandelt.

Von der Mutter fehlt allerdings noch jede Spur. In diesem Zusammenhang sucht die Erdinger Kripo (Telefon 08122/968-0) nun eine wichtige Zeugin, die offenbar auf die Vorgänge in der Kabine aufmerksam wurde. Ihre Aussage wäre sehr wertvoll für die weiteren Ermittlungen.

Sprach eine Frau mit der werdenden Mutter?

Das Großparkhaus 20 liegt unmittelbar neben dem Lufthansa-Terminal 2. Dort suchte eine Passagierin am Donnerstag um 15.15 Uhr die Toilette auf und fand das neugeborene, reglos in der Toiletten-Schüssel liegende Kind. Die Frau lief hinaus und holte draußen zwei Beamte der Bundespolizei zu Hilfe, die das kleine Mädchen wärmten und mit der Reanimation begannen, bis der Kindernotarzt eintraf. Nach der Sichtung der Überwachungskameras und zahlreicher Befragungen wurde die Zeit der heimlichen Geburt auf 14.30 Uhr bis 15.15 Uhr eingegrenzt. Dabei erhielt die Kripo einen Hinweis auf eine Frau, die gegen 14.30 Uhr im Vorraum der Toilette stand und möglicherweise mit der werdenden Mutter jenseits der Kabinentür kurz kommunizierte. Es ist theoretisch denkbar, dass sie das Stöhnen der Frau hörte und sich erkundigte, ob alles in Ordnung sei. Diese Frau wird nun als Zeugin gesucht.

Die Kriminalpolizei Erding bildete mittlerweile eine Ermittlungsgruppe, die nun nach der wahrscheinlich völlig verzweifelten oder auch überforderten Mutter fahndet. Ob die Frau überhaupt noch in München bzw. Deutschland ist, weiß niemand. Die Tür der Polizei steht für sie immer offen, niemand wird sie mit Vorwürfen überhäufen: „Wir wollen ihr und ihrem Baby helfen. Sie kann sich jederzeit bei uns melden“, so Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

Mütter in Ausnahmesituationen fanden in der Vergangenheit häufig milde Richter. Zwar steht auf die Aussetzung bzw. das im Stich lassen eines völlig hilflosen Menschen bis zu zehn Jahre Haft, wenn das Kind dabei schwere gesundheitliche Schäden oder gar den Tod erleidet. In minder schweren Fällen sind jedoch auch Bewährungsstrafen möglich.  

Dorita Plange

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